Vom Wollen und Können

Immer wieder reagieren Menschen überrascht, wenn wir erzählen, dass wir diesen Blog als reines Spaß Projekt betreiben. Nein, wir verdienen kein Geld damit, auch wenn wir uns freuen, immer wieder einen getesteten Artikel behalten zu dürfen. Wir müssen also arbeiten, um unser Leben zu finanzieren. So, wie jeder Andere auch. Wir haben begrenzte Urlaubstage, machen Überstunden und müssen das Training für eine Tour irgendwie in den Alltag integrieren. Aber genau das stellt uns immer öfter vor eine große Herausforderung.

Zu wenig Zeit

Wir wollen alles. Einen verantwortungsvollen Job, eine glückliche Beziehung, eine schöne Wohnung, einen funktionierenden Freundeskreis, einen trainierten Körper und am besten noch Spaß dabei. Dass das nicht immer möglich ist, wissen wir auch. Theoretisch. Und doch sind wir oft nicht zufrieden. Wir machen alles ein bisschen, aber nichts richtig. Die richtig große Karriere würde Selbstaufopferung bedeuten. Die großen sportlichen Ziele würden mehr Training fordern. Der Freundeskreis braucht Zeit und die Beziehung Raum. Keiner kann in allem richtig gut sein. Dafür ist keine Zeit. Und selbst wenn man irgendwie die Zeit findet, fehlt es dann meist am Spaß.

Traingsplan versus Realität

Unser Trainingsplan sieht vor, mindestens dreimal die Woche zu trainieren. Besser viermal. Das Wochenende hat nur zwei Tage. In die auch Essen kaufen, Wäsche waschen und Wohnung putzen integriert werden müssen. Zum Glück manchen die Freunde den gleichen Sport. Und die Familie wohnt nicht weit weg. Der Blog schreibt sich von selbst. Naja. Bleibt noch die Arbeit. Die mache ich gern. Die erfordert aber auch ein gewisses Engagement, das sich nicht auf ‘nine to five’ beschränkt. Was bleibt also?

Vorher, Nachher, Zwischendrin

Pilates in der Mittagspause, Crossfit nach der Arbeit, Rückengymnastik auf dem Bürostuhl. Theoretisch gibt es viele Möglichkeiten an Arbeitstagen ein bisschen Sport zu machen. Mein Wecker geht um 5:30 Uhr. Das reicht für eine Stunde Laufen. Genug Zeit für Duschen, Haare, Make-up, Outfit, Kaffee. Die sicherste Methode unter der Woche zu trainieren, ist VOR der Arbeit. Laufen geht einigermaßen. Aber so richtig super ist es auch nicht. Und Mountainbiken erscheint mir grotesk um diese Uhrzeit…

Nichts geht mehr

Ein ständiges Jonglieren mit Terminen. Wenn die Maschine läuft, habe ich kurzfristig das Gefühl alles im Griff zu haben. Bei der kleinsten Störung allerdings, versagt das System. Heizungsableser, Erkältungen, Überstunden und besonders zwischenmenschliche Differenzen fühlen sich völlig überflüssig an. Plötzlich ist Sand im Getriebe und dieser führt erstmal zum völligen Stillstand. Alles scheint zu viel. Von Spaß ist keine Rede mehr. Und ich beginne zu zweifeln…

Muss das sein?

Wahrscheinlich ist es auch zu viel. Wo aber Prioritäten setzen? Weniger wollen und weniger machen? Keine Karriere. Keine Freunde. Keinen Sport. Nein. Das liegt nicht in meiner Natur. Aufgeben auch nicht. Ich muss akzeptieren, dass ich kein Leistungssportler werde. Ich werde keine Millionen verdienen. Und auch nicht Hausfrau des Jahres werden. So what?!

Dafür aber werde ich über die Alpen Radln. Vielleicht werde ich ein bisschen mehr schnaufen, weil ein paar Überstunden mich vom Training abgehalten haben – aber ich werde radln. Ich werde dafür kämpfen irgendwie alles unter einen Hut zu bringen. Und ich werde Spaß haben. Denn ich habe Spaß daran, wenn viel passiert. Wenn Timings aufgehen. Wenn Überstunden das Projekt retten. Wenn ich schon vor dem frühen Wecker wach bin. Wenn meine Freunde sich über diesen Artikel freuen. Und wenn es doch mal zu viel Sand im Getriebe ist und alles zu viel wird, werde ich mich darüber freuen, dass ich mir selbst die Zeit gebe.

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