Wegbegründer und Wanderführer

Vor genau vierzig Jahren hat Ludwig Graßler die Route München-Venedig erfunden. So hat er vielen Generationen von Wanderern eine Art Bibel hinterlassen. Zweifelsohne gilt Graßler, der mittlerweile in Wolfratshausen lebt (und den wir tatsächlich auf der zweiten Etappe getroffen haben), als Urvater des Weitwanderweges. So wundert es nicht, dass seine Routenbeschreibung bis heute vom Bruckmann Verlag verlegt und selbstbewusst mit ‘das Original’ umworben wird. Wenn man nun aber genauer hinsieht, ist es nicht nur das kleine grüne Büchlein, das die Wanderer mit sich tragen. Viel häufiger sehen wir einen Rother Wanderführer, der bis auf wenige Unterschiede die gleiche Route beschreibt. Als Autor ist kein Graßler angegeben, sondern ein Dirk Steuerwald, Stephan Baur und Vera Biehl.

EIN ALTER BEKANNTER
Unser guter Freund Stephan Baur. Wir sind gemeinsam zur Schule gegangen. Vor ein paar Tagen haben wir uns nach der zweiten Etappe in Bad Tölz zum Essen getroffen. Dort mussten wir leider feststellen, dass wir dem ‘Original’ verfallen waren und somit nicht den von ihm verfassten Rother Wanderführer mit uns trugen. Ein peinlicher Fehler. Nicht nur unserem Freund gegenüber, sondern rückblickend tatsächlich auch für die Tourenplanung.

SIE HABEN POST
Wir verbringen einen lustigen Abend mit Stephan. Mit Gesprächen über einzelne Etappen, über das Schreiben von Wanderführern und über Graßler, der uns allen ein großartiges Vermächtnis hinterlassen hat. Zwei Tage später, wir erreichen gerade den Gasthof in Vorderriss, haben wir Post bekommen. Ein kleines Päckchen, adressiert an Melanie und Barbara, wird uns vom Wirt überreicht. Man habe sich bereits gewundert wer das ist, freue sich nun aber die Post, ihres ebenfalls guten Bekannten Stephan, aushändigen zu können. Zu unserer großen Freude erhalten wir den Rother Wanderführer mit persönlicher Widmung vom Autor.

DER PRAKTISCHE VERGLEICH
Nun haben wir zwei Wanderführer. Bereits beim ersten Blättern werden manche Unterschiede deutlich. Während das Original vom Bruckmann Verlag streng organisiert ist und übersichtlicher scheint, überrascht der Rother Wanderführer durch angepasste Kartenlayouts und eine höhere Detailtiefe in der Abbildung. Wir wollen unsere Meinung aber nicht nur nach Äußerlichkeiten bilden und lassen es auf einen direkten Vergleich ankommen. Wir lesen quer. Blättern nach. Der Rother Wanderführer wirkt zwar optisch altbackener, überzeugt uns aber durch gute Recherche, interessante Zusatzinfos und relevante Streckenalternativen. Hier der Link zu Verlag und Buch: www.rother.de

DIE MÜSSENS WISSEN
Wenn man sich bei den Wanderern umsieht, ist das kleine rote Buch vom Rother Verlag am meisten vertreten. Meist gerollt, zerknickt, vom Regen gewellt, ist es doch ein zuverlässiger Wanderfrührer auf dem Weg nach Venedig. Die Meinungen gehen aber auseinander. Während das Internet klar den Rother empfiehlt, gibt es auch eingefleischte Graßler-Jünger, die dem Urvater des München-Venedig-Weges treu bleiben. Die Wirtin der Tutzinger Hütte, vertritt klar diese Meinung, während Thomas vom Halleranger Haus schöne Grüße (bekannter Weise) an unseren Freund Stephan ausrichten lässt.

DAS VERMÄCHTNIS
Ob nun der eine Wanderführer besser taugt, oder der andere, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Klar ist, dass Ludwig Graßler mit dem Traumpfad München-Venedig eine unvergleichlich schöne Strecke über die Alpen beschrieben hat und ihm als Urvater dieser Tour wohl für immer Respekt gezollt werden sollte.

(Barb)