Traumbrett(er)

Skitourengehen bedeutet für uns abseits des Rummels einsame Wege erkunden und sich für die Anstrengungen des Aufstiegs mit einer frisch gezogenen Line im Tiefschnee belohnen. Doch nicht nur wir haben das Erlebnis Skitour für uns entdeckt: In den vergangenen Jahren hat sich diese Sportart zu einem wahren Trend gemausert. Das Angebot an Material wächst stetig und insbesondere im Bereich Tourenski ist die Auswahl mittlerweile so groß, dass sie eher überfordert als von Vorteil ist. Ganz im Gegensatz zu Splitboards, bei welchen die Auswahl mager und guter Rat teuer ist. Hier an einen echten Spezialisten mit Fachwissen zu geraten ist ein Glücksfall. Hat man sich demnach nicht bereits vorab intensiver mit Modellen, eigenem Fahrkönnen und Einsatzgebiet auseinandergesetzt, wird die Wahl des richtigen Untersatzes schwierig.

Was macht den perfekten Tourenski oder Splitboard aus?

Klar, das Design muss (Frau) gefallen und entscheidet oft als letzte Instanz über kaufen oder stehen lassen. Doch nicht nur der Look muss überzeugen, vor allem die Konfiguration des Skis oder Boards muss stimmig sein. Ein gutes Tourenmaterial zeichnet sich durch die Ausgewogenheit der Anforderungen aus: Kleine Makel des Nutzers werden ausgeglichen und gleichzeitig wird den individuellen Vorlieben des Fahrers Rechnung getragen. Man merkt sogleich: Es gibt keine wirkliche Norm. Aber es gibt Orientierungswerte, welche bei der Entscheidung helfen den für sich perfekten Tourenski – oder Board zu finden. Mögliche Entscheidungshilfen sind:

1. Ehrliche Selbsteinschätzung des eigenen Fahrkönnens
2. Gewünschtes Einsatzgebiet
3. Entscheidung für eine Art des Skis (Freeride-, Allmountain- oder Tourenski)
4. Individuelle Vorlieben
5. Körpergröße und -gewicht

Die Basics

Ohne Fachjargon kommt leider kaum eine Sportart aus. Es ist sinnvoll, die wichtigsten Begriffe rund um die Bauweise eines Skis zu kennen, um die für sich passende Auswahl treffen zu können.
Taillierung und Radius
Die Taillierung gibt Auskunft über die Form des Skis: Tourenski sind an der Schaufel am breitesten, in der Mitte am schmalsten und am Skiende zumeist geringfügig schmaler als an der Schaufel. Daraus ergibt sich der Radius. Ein kleinerer Radius bedeutet, dass beim Carven kleinere Kurven leichter fallen. Ein Ski mit kleinerem Radius ist einfacher zu drehen, fühlt sich aber auch nervöser an. Gerade bei ungünstigen Schneeverhältnissen wie Bruchharsch, führt ein kleiner Radius auch zu etwas hakeligem Fahrverhalten. Tourenski haben daher meist einen mittelgroßen Radius.
Vorspannung und Rocker
Die Vorspannung ist die Wölbung des Skis beziehungsweise Snowboards. Sie dient der effektiven Druckverteilung auf Schaufel und Ski- oder Snowboardende. Ein Rocker ist ganz banal gesagt eine Aufbiegung des Skis oder Snowboards nach oben. Er kann im vorderen Bereich liegen (Tip-Rocker), im hinteren Bereich (Tail-Rocker), oder gar über den gesamten Ski oder Snowboard verlaufen (Reverse Camber). Ein Rocker bringt vor allem mehr Auftrieb in weichem Schnee, hat aber auch Vorteile bei der Steuerung. Einziger Nachteil: bei harten Verhältnissen, wie auf der Piste, fährt sich der Ski kürzer, je stärker der Rocker ausgeprägt ist. Eine Schaufel mit starkem Rocker kommt ferner auch etwas leichter ins Flattern.

Bretter nach Mass

Wir sehen, es gibt sehr viele Parameter, welche über Yeah oder Ohje beim Touren-Untersatz entscheiden. Wer die Möglichkeit besitzt viele verschiedene Ski oder Snowboards zu testen, wird sicherlich sein Wunschmodell finden. Leider ist das nur den wenigsten vergönnt. Warum also nicht von Anfang an Ski und Board auf sich persönlich abstimmen? Wir haben bei Build 2 Ride unsere Traumbretter gebaut.

So sieht’s aus: Melanie’s Tourenski

Konditionell fit, der Ski darf daher auch ein wenig schwerer und länger sein, was den Fahreigenschaften des Skis zugutekommt.
Einsatzgebiet sind vornehmlich die „Bayrischen und Tiroler Hausberge“, der Ski muss daher Spitzkehren fähig, und auch bei nicht optimalen Schneeverhältnissen wie Harsch fahrbar sein.
Aufstiegstechnik wird erst erlernt, der Ski sollte aus diesem Grund nicht zu breit sein (>90mm unter der Bindung).
Abfahrtstechnik ist überschaubar aber wird besser! Ein Ski bis zur Nasenspitze bietet genug Stabilität durch die Länge um die Geländevarianten abzufedern, mit gerockerter Spitze lässt er sich trotz der Länge gut drehen und die „positive” Vorspannung bietet auch Halt auf vereisten Stellen.
Heraus kommt ein klassischer Allmountain Tourenski, der etwas verbreitert wurde um beim Abfahren mehr Auftrieb zu haben, beim steilen Aufstieg sich aber noch sehr gut an den Berg anschmiegt. Der Ski reicht bis zur Nasenspitze und ist damit ein Kompromiss zwischen Aufstiegsorientierung und Abfahrtsspaß. Das Gewicht wurde möglichst reduziert und es wurde Wert auf hochwertige Materialien gelegt: Als Basis dient ein Vollholz-Mischkern im Verbund mit Triax-Glasfasergeweben. Der Verbund ermöglicht dabei ein ideales Schwingungsverhalten. Die sehr leichte Bindung von Dynafit rundet das Konzept ab. Die Holzoberfläche des Skis ist ein wenig pflegeintensiver als eine klassische Foliendeckschicht, aber dafür ein wahrer Hingucker.

So sieht’s aus: Christoph’s Splitboard

Erst mal die Länge. Bigturns im Tiefschnee zu ziehen fällt mit einem etwas längeren Brett leichter. Zu beachten ist jedoch, dass beim Aufstieg auch mit dem Splitboard Spitzkehren gemeistert werden müssen. Demnach sollte das Tourenboard nur ein paar Zentimeter länger als die Pistenversion sein.
Der Shape. Beim Abfahren sollte das Brett schön breit sein und eine eher ausladende Nose haben. Es schwimmt dann gut im Tiefschnee auf. Beim Aufstieg allerdings sind die daraus resultierenden “Ski” eher von Nachteil. Denn im steileren Gelände ist die Kombination aus breitem “Ski” und weichem Snowbardstiefel eine Herausforderung, da nur schwer Druck auf die Kanten gegeben werden kann. Die Folge: Abrutschen am Hang. Es gilt also den richtigen Kompromiss zwischen Abfahrt- und Aufstiegsverhalten zu finden. Am Ende des Tages hängt dies stark von den persönlichen Vorlieben ab.
Letztendlich die Vorspannung. Eine Wissenschaft für sich. Flat, Camber, Rocker, Rocker-Camber, Camber-Rocker-Camber. Wer sich hier nicht auskennt kann sich ganz schnell ein Board bauen, das zwar schön aussieht, aber überhaupt nicht zum eigenen Fahrstil und Vorlieben passt. Die Vorspannung hat massiven Einfluss auf das Fahrverhalten des Brettes. Eine gute Übersicht über die verschiedenen Varianten und daraus resultierende Effekte findet ihr hier.