Voralpenland – endlich Berge

Die ersten zwei Tage in der Ebene haben ihre Spuren hinterlassen. Wir sind müde. Der schwere Rucksack, die gleichmäßige und ungewohnte Belastung im Flachen und der andauernde Regen lassen uns etwas missmutig in den nächsten Tag starten. Aber Bad Tölz zeigt sich früh morgens von seiner schönen Seite. Viele alte bemalte Häuser, alpenländische Architektur, hausgemachte Müsliriegel vom Bäcker und am allerbesten: es ist trocken…

ISARUFER UND ARZBACHTAL

Die Isar ist ein einziger Fahrradweg. Eigentlich kann man von München aus immer am Flussufer entlang bis ganz weit nach Süden fahren. Und es ist immer schön! Ob als Mountainbiker, Spaziergänger, München-Venedig Wanderer oder Kinderwagenschieber – für jeden ist da was dabei. So wandern auch wir die ersten Stunden durch die Isarauen mit kargen Geröllfeldern und struppigem Bewuchs. In Arzbach sind wir ganz begeistert von alten Holzhäusern und gleichzeitig gespannt auf die ersten richtigen Höhenmeter.

DIE ERSTE BERGETAPPE

Vorbei an einsamen Bauernhöfen geht es lange durch den Wald bis tief hinein ins Längental. Erstaunlicherweise machen uns die ersten Höhenmeter trotz wieder einsetzendem Regen weniger aus, als erwartet. Es scheint fast so, als würden sich die müden Füße bei der abwechslungsreichen Steigung erholen von den letzten Tagen. Ein unterhaltsamer Weg, vorbei an Kühen, Wiesen, Latschen und Almen. Das letzte Stück vor der Tutzinger Hütte erfordert noch etwas Konzentration. Durch dicht wachsende Latschen geht es in steilen Serpentinen bergab bis wir schließlich nass aber glücklich die Hütte erreichen.

IN GUTER GESELLSCHAFT

Heute bekommt man zum ersten Mal ein Gruppengefühl. Auf der Hütte sammeln sich immer mehr München-Venedig Wanderer, die natürlich alle das gleiche Ziel haben wie wir. Man kommt schnell ins Gespräch und so ist der Abend unterhaltsam und kurzweilig. Wir werden für die nächsten Tage, vielleicht sogar Wochen Kameraden sein. Auch wenn man natürlich nicht immer beieinander geht, so ist es doch ein ständiges wieder begegnen, ein Überholen und überholt werden und ein Austauschen von Erlebnissen.

ENDLICH SONNE

Im Dauerregen des letzten Tages konnten wir nicht sehen wo wir sind. Tief liegende Wolken haben uns jede Sicht versperrt. Nach einer wenig erholsamen Nacht werden wir aber belohnt mit einem frischen, klaren Morgen. Die Benediktenwand steht majestätisch im ersten Morgenlicht und bietet beste Aussichten für unsere erste Etappe. Nach Erreichen des Sattels führt uns der Weg durch einen märchenhaften Buchenwald hinunter in die Jachenau. Von hier aus gilt es noch einige Anstiege zu bewältigen bis wir vom Rissattel nach Vorderriss hinabsteigen.

GUT FÜR DEN MUSKEL

Bereits aus dem Sattel sehen wir tief unten im Tal das mächtige Flussbett der Isar auf weißem Kies leuchten. Nach einigen steilen Höhenmetern bergab erreichen wir das Wasser und auch unsere Unterkunft für die Nacht. Von meinem Physiotherapeuten habe ich gelernt, dass kaltes Wasser gut für den Muskel ist. Also werfen wir die schwitzigen Kleider ab und werfen uns in das rauschende Nass.

(Barb)