Californication: Biken in Kalifornien

Unsere Gastbloggerin Katrin berichtete bereits vom Karwendelmarsch im letzten Sommer. Diesmal war das Reiseziel etwas weiter weg: Zusammen mit ihrem Freund Björn ging es in den Westen der USA, nach Kalifornien. Kombiniert mit dem Silvester-Vorsatz möglichst jeden Urlaubstag auf dem Bike zu verbringen, hieß es für die beiden: Bikes in den Koffer, rein ins Flugzeug und ab ins gelobte Land!

Dreißig Kilo Bike Ausrüstung

Gesagt, getan. Die Koffer wurden noch flugs im lokalen Bikeshop ausgeliehen. „Einpackanleitungen“ aus dem Netz machen das Zerlegen und Verpacken auch weniger kompliziert als man denken mag. Dann der erste Schock auf der Waage: 30 kg! Koffer plus Carbonfully plus Knieschoner, Helm und Rucksack. Uups… Erlaubt sind laut Airline Statuten nur 27,5kg. Na gut, einfach mal probieren. Am Baggage Drop Off zeigte sich dann wirklich: alles halb so wild. Da Bikekoffer = Sperrgepäck = passen gar nicht auf die Waage. Die Dame der Airline fragte nur: „Wie viel wiegen die Koffer? So 20kg?“ – Zustimmendes Nicken von unserer Seite und fertig. Einreise und Biketransport klappten damit schonmal problemlos.

Santa Cruz – Bike und Surf Mekka zugleich

Für die nächsten drei Wochen hatten wir uns ein Wohnmobile – RV, wie der Ami sagt – ausgeliehen und im Vorfeld über Internetrecherche die lohnesten Bikespots in Kalifornien rausgesucht. Ein Stopp führte uns nach Santa Cruz. Bekannt vor allem als Surflocation, bietet Santa Cruz mit seinem Umland auch viele tolle Mountainbiketrails. Nicht umsonst haben sich auch diverse Bike- und Zubehörhersteller um Santa Cruz angesiedelt: Santa Cruz natürlich, aber auch Ibis Bikes, Specialized oder Fox. Zu nennen sind hier die University Area, Pogonip, Wilder Ranch State Park und der Demonstration Forest. Infos zu allem gibt es im Netz oder in den lokalen Bikeshops. Wer nicht alleine auf Tour gehen möchte, dem seien The Ride Guides zu empfehlen.

Der Demonstration Forest

Der Demonstration Forest liegt im Nordosten von Santa Cruz. Ca. 45-60 Minuten muss man für die Autofahrt dorthin veranschlagen. Die Trails haben uns so gut gefallen, dass wir direkt einen zweiten Tag vor Ort verbracht haben.Das Gebiet ist durchzogen von einem Trailnetz, welches von den Mountainbikers of Santa Cruz ehrenamtlich unterhalten wird. Biken im Trail ist hier also auch legal. Am Besten parkt man am Highland Way am Eingang zum Forst. Es handelt sich hier wirklich nur um „Platz“ neben der Straße und eine Schranke. Sonst gibt es dort nichts, was auf den zentralen Eingang um Waldgebiet hindeuten würde. Daher ist es ratsam, alles was man an Essen, Trinken oder Reparaturzeug benötigt, mitzubringen. Kaufen kann man da nichts.
Bikes abladen, Wasser einpacken (viel Wasser! Es sind zwar „nur“ rund 25 Grad, aber es ist wirklich sehr schwül und es stehen einige HM bevor), Navi an und los gehts. Zunächst noch ein Stück weiter auf dem Highland Way, der zur Eureka Canyon Road wird. Dann nach links in die Buzzard Lagoon Road und wieder links in die Aptos Creek Fire Road. Dieser Weg führt zum Ridge Trail.

Abwechslung auf Ridge, Braille und Flow Trail

Dieser Trail führt am höchsten Punkt des Demoforest entlang. Am Ridge Trail reihen sich die Abfahrtstrails wie an einer Schnur entlang auf. Die Abfahrtstrails führen dann auf die Hihn‘s Mill Road, die den unteren Teil des Demo Forest begrenzt und wieder zum Parkplatz zurück führt. Möchte man einen zweiten Trail bergab fahren, nimmt man am besten die Sulphur Spring Road, die von der Hihn‘s Mill Road wieder hoch zum Ridge Trail führt. Soweit zur Orientierung im Demo Forest. Netterwerise sind auch alle Trails ausgeschildert. Mit Karte, Navi und Schildern sollte also nichts schief gehen.
Oben am Eingang zum Ridge Trail angekommen legen wir die Knieschoner an. Die Trails sind zwar alle eher leicht (S1, manchmal S2), aber es gibt bekanntlicherweise nichts blöderes, als mit den Knieschonern im Rucksack zu stürzen. Der Ridge Trail ist ein tolle, ständig Auf und Ab führender Singletrail. Es gibt schöne, kurze Bergabpassagen, aber auch knackige Bergaufstücke. Man kann hier herrlich technisch Bergauffahren üben. Zuerst trifft man auf den Corral Trail. Da dieser nach wenigen Metern schon in die Corral Road übergeht, haben wir diesen Trail ausgelassen. Anschließend kommt der Braille Trail. Dieser ist der technisch anspruchsvollste Trail im gesamten Gebiet. Er führt auf 1,5 Meilen ziemlich direkt zur Hihn‘s Mill Road. Ruppig geht es auf Waldboden durch die Redwoods, über Wurzeln und Sprünge, die man jedoch alle umfahren kann. Er ist schnell und anstrengend. Volle Konzentration ist gefordert. Er ist jedoch technisch gesehen wirklich max. S2, eher S1, v.a. Da es keine Felsen und auch kein Geröll gibt. Dem Spaß steht dies jedoch überhaupt nichts im Wege. Gut gelaunt kommen wir unten auf der Hihn‘s Mill Road an. Knieschoner runtergeschoben geht es nun ein Stück Richtung Parkplatz bis zur Sulphur Spring Road. Nun heißt es 200 HM auf 2,5km bergan. Bei der Temperatur und Luftfeuchtigkeit eine durchaus schweißtreibendes Unterfangen.
Am Ende der Sulphur Spring Road erreichen wir wieder den Ridge Trail. Diesen nehmen wir, bis uns das Schild den Abzweig zum Flow Trail weist. Eigentlich mögen wir keine Flow Trails. Wir lieben es, auf Wanderwegen bergab zu fahren, anstatt auf geshapten Bikeparkstrecken. Dennoch wagen wir einen Versuch und sind einfach nur begeistert. Der Flow Trail braucht für die Abfahrt zur Hihn‘s Mill Road ganze 5 Meilen. Zur Erinnerung: der Braille Trail macht denselben Höhenunterschied in 1,5 Meilen. Dies macht sich im Layout des Trails bemerkbar: auf großen weiten flowigen Kurven geht es bergab. Der Trail hat einfach Platz in der Breite. So viel Platz wird in den Alpen keinem Trail gegeben. Daher müssen die Trailbauer in unseren Breiten auch immer auf Kurven mit kleinen Radien setzen, so dass man sein Bike teilweise richtig um die Kurve wuchten muss. Nicht so der Flow Trail. Weite Radien, ein freier, weiter Blick und ständige Gegenanstiege erlauben es, die Bremse fast die ganze Zeit offen zu lassen. Konzentration ist trotzdem gefordert, denn anstrengend sind 5 Meilen Trail allemal.
Wie der Braille Trail auch endet der Flow Trail auf der Hihn‘s Mill Road. Man kann nun erneut zum Ridge Trail aufsteigen und sich den nächsten Trail vornehmen. Es gibt hier noch den Tracktor Trail, den wir leider nicht mehr geschafft haben, und den Sawpit Trail am Ende der Perlenkette. Dieser Trail ist ebenfalls recht ruppig. Man merkt, dass die meisten Biker nicht mehr so weit in den Forst hineinfahren, entsprechend ist der Sawpit Trail teilweise überwachsen und sehr eng. Spaß macht er dennoch, der Braille Trail hat mir aber besser gefallen.
Nicht unterschätzen sollte man die Höhen, die man zurücklegt. Der Höhenunterschieden zwischen der Hihn‘s Mill Road und dem Ridge Trail beträgt ca. 200HM. Der initiale Aufstieg zum Ridge Trail über die Fireroads schlägt mit gut 350HM zu Buche. Und nicht unterschätzen darf man den Weg zurück über die Hihn‘s Mill Road zum Parkplatz. Dieser ist zwischen 3 und 4 Meilen lang, bietet aber auch nochmal 250HM. Also noch genug Energie für den Weg zum Auto einplanen.

Fazit Demonstration Forest

Lohnt sich jedem Fall! Er ist zwar, was Anstiege und Abfahrtsschwierigkeit angeht, nicht mit den Alpen vergleichbar, aber auf Grund der Vegetation (Redwoods) und des dichten Trailnetzes ein tolles Vergnügen. Entsprechend wird man auf viele Locals treffen, die schnell noch eine Feierabendrunde einlegen. So musste ich die 4 Meilen zum Auto auch nicht in Stille zurücklegen, sondern hatte einen netten Gesprächspartner: Tom, wohnt im Hinterland von Santa Cruz, arbeitet „im Valley“ (also im Silicon Valley!) und fährt ein nigelnagelneu Carbonbike.

Tipps rund um das Biken in Kalifornien

Bikekoffer für 25 Euro / Woche: Bike & Tools in Landsham Flug und Reiseversicherung mit super Service: Canusa Übernachten: Campgrounds New Brighton State Beach Übernachten: Seacliff State Beach - Am Besten vorab über Reserve America reservieren! Bikeshop: Another Bike Shop Bikeshop: Epicenter Cycling Bikeguide: The Ride Guides - Kostenpunkt: 150 $ für 1 Person / 3 Stunden Guiding. Jede weitere Person / Stunde: + 50 $ Shuttle: Smith Adventures Mountainbikeverband in Santa Cruz: Mountainbikers of Santa Cruz Karte: Demonstration Forest