Turnschuh-Tourist vs. High-Tech-Trottel

Ein Appell für mehr Eigenverantwortlichkeit.

Der „Turnschuh-Tourist“. Wir machen uns oft lustig. Schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. Oder machen uns ernsthaft Sorgen. Wir schmunzeln über Chucks auf nassen Pfaden und runzeln die Stirn über Jeans beim schwitzigen Aufstieg. Er hat es nicht leicht. Aber er ist nicht allein.

Ein bisschen drüber

Schaut man sich auf den Wanderwegen um, gesellt sich zu ihm ein weiteres Extrem.
Steigeisenfeste Riesentreter auf Forstwegen. Gore-Tex-3-Lagen-Harshells bei leichtem Niesel. Pralle 50 Liter Rucksäcke auf dem Weg zum Wank. Wie nennen wir ihn? Den High-Tech-Trottel?

Der Mensch (und besonders der Münchner) neigt dazu sich überambitioniert zu over-equippen. „Weil man weiß ja nie.“ Man hat das Geld, die Werbung suggeriert einem die Notwenigkeit und man gibt sich gerne professioneller, als die praktische Realität im Voralpenland aussieht. Berichtet man doch lieber über die eigenen Grenzerfahrungen im Hochgebirge, als über den gemütlichen Kaiserschmarrn. So umweht einen doch immerhin der Hauch von Expedition und Abenteuer, wenn man sich mit 1000g an jedem Fuß mühsam die Forststraße hochquält.

Jetzt mal ehrlich

Wenn ich auf den Hirschberg gehe, brauche ich dann ernsthaft Bergstiefel, Biwak Sack und High-Tech-Tools? Klar, in einer Jeans wird es immer irgendwann ungemütlich und ein bisschen Profilsohle schadet auch nicht. Mir geht es hier um das richtige Maß. Um die verantwortungsbewusste Einschätzung der Bedingungen und das Hinterfragen von Werbebotschaften und Mode-Trends.

Alles was man braucht

Neulich wurde ich von ein paar sehr professionell ausgestatteten Wanderern fast als Turnschuh-Tourist abgestraft, weil ich mit einem kleinen, leichten Trailrunningschuh zum Kofel hoch gelaufen bin. Eine gute Wahl, wie ich meine.

Der All Out Charge von Merell ist mir in den letzten Monaten sehr ans Herz gewachsen. Ein Trailrunningschuh, auch wenn ich ihn nicht explizit dafür einsetze. Denn hier stelle ich ganz bewusst die gängigen Klassifizierungen in Frage und gehe ganz nach meinem Bauch- und Fußgefühl.

Was braucht mein Fuß auf einer leichten Wanderung im Voralpenland? Einen bequemen Schuh mit griffiger Sohle. Die Wege sind meist Wald, Erde, Stein – also warum harte Sohlen mit Steigeisenlippe? Die Touren dauern 4-6 Stunden und mein Rucksack ist leicht – also warum die reisen Polsterung? Meine Füße sind trainiert und es gibt keine Schotterabfahrten – also warum ein hoher Schaft?

Der All Out Charge ist ein Trailrunningschuh, mit relativ hohen Dämpfungseigenschaften und gutem Fußgefühl. Eine spezielle Verarbeitung, das „HyperWrap 360° Fit System“ bietet dem Fuß super Stabilität. Dieses System sorgt für natürliche Beweglichkeit und griffige Verbindung zum Untergrund. Diese wird noch mehr gestärkt durch 5mm Profiltiefe. Klingt nach Winterreifen, macht aber auch Sinn im Gelände.

Und das tollste: Der Schuh ist ein wahres Leichtgewicht. Mit knappen 300g ist er kaum spürbar – besonders, wenn man ihn mit einem klassischen Bergschuh vergleicht. Auch in Sachen Flexibilität und Atmungsaktivität geht der Merrell als klarer Sieger aus jedem Vergleich. Klar, es ist auch Äpfel mit Birnen vergleichen. Aber wenn man gerade Apfelkuchen bäckt, braucht es vielleicht gar keine Birnen.

Und jetzt?

Wir hoffen wir sind weder Turnschuh-Touristen, noch High-Tech-Trottel. Je mehr wir in die Berge gehen, desto besser sind wir in der Lage Ausrüstung, Touren und Bedingungen zu beurteilen. Auch wenn dazu manchmal gehört, gängige Meinungen und Empfehlungen zu hinterfragen. Und einen eigenen Weg zu gehen. Wir fordern auf zu mehr Eigenverantwortung und Nachdenken, bevor es raus geht. Dann macht das Lieberdraussen-Erlebnis noch mehr Spaß und man kann guten Gewissens über andere Leute schmunzeln.