Trailtagebuch #1: Anfangen, aber wie?

Wenn man erst ein Ziel definiert hat, fällt es plötzlich einfach die nötigen Schritte einzuleiten. Die Entscheidung mit den Trailrunning anzufangen, schien mir zwar fern jeder Möglichkeiten. Doch wächst man bekanntlicher Weise an seinen Herausforderungen. Die ersten Läufe werden ins Gelände verlegt. Jeder kleine Hügel an den Isartrails wird mitgenommen, ich beschäftige mich mit dem richtigen Equipment und überlege stark mit eine fancy Pulsuhr zu kaufen. Ich bin angefixt.

Training, aber wie?
Laufen. Laufen. Laufen. Aber ist es damit getan? Ich laufe ja schon lange, aber immer schon “so irgendwie”. In Ermangelung eines Zieles entstand auch die die Notwendigkeit irgendwas zu ändern. Aber wirklich besser bin ich nie geworden. Immer wieder lese ich von Intervalläufen, Herzfrequenzen und irgendwelchen anaeroben Bereichen.

Ein Trainingsplan muss her. Das Internet bietet mir zahlreiche Möglichkeiten. Allein Google schlägt mir XXx mögliche Seiten vor, mit den verlockenden Titel “Sixpack in 6 Wochen” oder “Traingsplan für Marathon”. Die typischen Zielen scheinen doch wo anders zu liegen.

Professioneller Rat
Ich brauche Hilfe. Professionelle Hilfe. Bei meiner online Recherche stoße ich auch auf eine Seite mit dem lustigen Namen “Trailschnittchen”. Die empfängt mich mit viel Text und tollen Bildern. Julia Böttger, Ultraton Läuferin und Geschäftsfrau stellt hier ihr Programm vor. Sie hat sich ganz dem Trailrunning verschrieben und bietet neben Camps und Workshops auch die Möglichkeit individuelle Traingspläne zu erstellen.

Noch nie wirklich trainiert

Wir treffen uns an einem Freitag Abend in München. Im urbanen Umfeld erkenne ich sie sofort. Funktionsklamotten einschlägiger Hersteller. Und leuchtend bunte Trailrunning Schuhe. Wunderbar, so muss das sein. Wir lachen viel und ich erfahre mehr über den Sport, Traingspläne und Zieldefinitionen. Julia stellt mir viele Fragen. Ein ein mehrseitiger Bogen wird ausgefüllt zu Vorerkrankungen, Traingszustand und Motivation.

Im Gespräch wird mir klar, dass ich in meinem Leben noch nie ernsthaft trainiert habe. Alle sportlichen Aktivitäten wurden bisher aus meinen Ressourcen geschöpft. Immerhin! Sport sollte Spaß machen. Immer. Sport als Selbstzweck quasi. Stupides Gewichtestemmen oder endlose Wiederholungsrunden – wozu? Auf keinen Fall die Komfortzone verlassen.

Ein ordentliches Training hätte mir aber beispielsweise letzten Sommer für die MTB Transalp ganz gut getan. Es scheiterte an der Zeit, ja, vielmehr aber an der nötigen Durchsetzungskraft und Ernsthaftigkeit. Es muss ja schließlich Spaß machen. Und der Spaß verliert eindeutig an Überzeugungskraft wenn es regnet, spät am Abend ist oder irgendein Körperteil zwickt. Ausreden finden kann ich super. Nur ordentlich schwitzen muss ich jetzt lernen.

Respekt vor dem Ziel
Julia fragt mich nach meinem Ziel. Nachdem bisher immer “der Weg das Ziel” war, fällt mir die Beantwortung der Frage schwer. “Ich möchte so fit sein, dass weder Kondition noch Kraft mich an irgendwelchen Gipfeln hindert.” Das reicht ihr noch nicht. Und alle Bergprojekte, die wir uns dieses Jahr vorgenommen haben, sind sportlich gesehen, im machbaren Bereich. Also wieder keine wirkliche Challenge. Ich verweigere die Teilnahme an offiziellen Läufen und interessiere mich nicht für Namedropping “mal einen Marathon” gelaufen zu sein.
Jetzt schlägt Julia etwas vor, was mich dann doch packt. Wir laufen gemeinsam auf die Zugspitze.
Abseits des offiziellen Zugspitzlaufs, aber doch mit der gleichen Anforderung. 2.200 Höhenmeter auf 16km. Die Route übers Gatterl.

Eine neue Zeitrechnung
Ein paar Tage später bekomme ich einen Trainingsplan. Besser gesagt, ich bekomme Zugang zu meinem persönlichen Online-Trainings-Portal. Hier kann ich meinen Traingsplan einsehen, ein Trainingstagebuch führen, Julia Nachrichten schreiben und natürlich meine Trainingsdaten eingeben. Alles wird mir in bunten Diagrammen angezeigt und macht meinen Fortschritt anschaulich. Die neue Zeitrechnung beginnt. Ich plane meine Woche und richte andere Termine danach aus. Zwar checke ich den Wetterbericht, aber ein wirkliches Argument ist er nicht. Ich laufe bei Regen, bei Schnee, im Dunkeln, ich laufe weiter und schneller, mit mehr Steigung und ganz nach Plan. Anfänglich ist es eine Überwindung. Warum der ganze Mist? Ich fühle mich fremdbestimmt. Aber irgendwann denke ich mehr darüber nach. Ich freue mich auf jede Einheit. Wie kleine Schritte, die mich Stück für Stück einem Ziel näher bringen und alles andere fügt sich irgendwie aussenrum.

Wollt ihr auch einen richtigen Trainingsplan?
http://trailschnittchen.jimdo.com/