Stressfrei. Schneefrei. Menschenleer.

Wer einmal das Glück hatte, als Freelancer zu arbeiten, weiß es sehr zu schätzen, die Bergpläne flexibel auf Wetterberichte einzurichten. Seit einiger Zeit ist es pünktlich zum Wochenende nass und grau, während Montag bis Freitag fast hochsommerliche Temperaturen herrschen. So auch diese Woche. Nachdem wir lieber draussen sind, wurde gestern kurzerhand der Wochenplan umgestellt.

Unsere Empfehlung: der Hohe Fricken.

Schon von weitem sehen wir links aus der Wand einen langen weißen Strahl ins Tal donnern. Die Kuhfluchtwasserfälle. Genau hier entlang führt uns der Aufsteig. Vorbei an Gumpen und schroffen Felsabbrüchen, über eine Brücke hinein in dichten Kiefernwald auf einen steilen, wurzeligen Steig. Noch lange ist das Getöse des Wasserfalls zu hören und immer wieder werden atemberaubende Blicke frei. Wir gewinnen schnell an Höhe. In stetigen, steilen Kurven geht es dahin. Die Zeit fliegt. Aus den Kiefern werden Latschen und plötzlich wird das Gipfelkreuz sichtbar. Über ein letztes kleines Altschneefeld erreichen wir den Sattel. Zum höchsten Punkt des Fricken – mit 1940 m – gelangen wir über einen schmalen, ebenen Pfad. Geschafft.

Die Aussicht lässt einen fast die Brotzeit vergessen. Ringsherum alte und neue Bergprojekte. Wir sehen Zugspitze, Alpspitze, Waxenstien, Kramer, Frieder und bis zum Kofel in den Ammergauern. Über die Aussicht braucht sich hier niemand beschweren. Noch dazu haben wir den Gipfel ganz für uns alleine. Heute nur in halber lieberdraussen Besetzung – schöne Grüße an dieser Stelle. Auf den Hohen Fricken führt keine Bahn, daher ist er sogar an Wochenenden weniger busy als seine touristischen Nachbarn Wank und Kreuzeck.

Der Abstieg erfolgt über einen anderen Weg und schließt die Tour zu einer wunderbaren Rundtour ab. Gerade am Gipfel vorbei über einen Grat und steil hinab über viele kurze Serpentinen. Nach einer Lichtung erreichen wir wieder dichte Kiefern. Hier hat der letzte Sturm einige Bäume wie Mikado Stäbchen in den Wald geworfen. Wir klettern über Stämme und tauchen unter Ästen hindurch. Irgendwann erreichen wir einen Forstweg. Dieser könnte für einen Abstecher zur Esterbergalm dienen. Die Sehnsucht nach einem Snickers-Eis aber treibt uns ins Tal. Wir also gehen nach rechts und erreichen gut eine gute Stunde später wieder das Auto.

Ausgangspunkt/Endpunkt:

Farchant, Wanderparkplatz in Mühld.rfl. Einfach die Garmischer Autobahn A96 Richtung Süden und knapp hinter dem Autobahnende bereits abfahren. Man spart sich den Stau im Tunnel und lästige Parkprobleme in Garmisch.

Höhenunterschied:

1268hm – also eine ordentliche Tour. Super zum Training, unkompliziert.

Anforderungen:

Halb so wild. Unten steht zwar ‘Nur für Geübte’, das dient aber wohl eher zur Abschreckung für Rentner. Es geht steil rauf. Und noch ein bisschen steiler runter. Hier und da muss man auch mal die Hände benutzen. Aber die Steige sind bei Trockenheit stets unterhaltsam, abwechslungsreich und angenehm zu gehen. Wenn man mal ins Schnaufen gerät, hat man immer eine großartige Aussicht, die einen den Schweiß auf der Stirn vergessen lässt.

Gehzeiten:

Offiziell nach Tourenbeschreibung 6.45 Stunden ohne Pausen. Wir haben mit langer Gipfel-Pause und vielen Fotostops genau 6,5 Stunden gebraucht.

Tipp:

Viel Wasser mitnehmen. Es gibt unterwegs direkt keine Hütte und der schweißtreibende Auffsteig kann einen schnell austrocknen lassen.