Servus, Grüezi und Hallo.


Der Wanderer ist ein höflicher Mensch. Sobald man jemandem in einsamer Natur begegnet, ob man ihn nun kennt, oder nicht, grüßt man höflichst und wünscht einen guten Weiterweg. Kennen wir vielleicht noch aus früher Jugend vom Dorf, würde uns in der Stadt aber niemals einfallen.


Nun sind wir in München mit einem fröhlichen ‘Servus’ auf den Lippen gestartet und haben dieses bis weit hinter die Landesgrenze gepflegt. Zwischendrin konnte man sich auch mit einem herzlichen ‘Grüssgott’, einem bayerischen ‘Grias di’ oder einfachem ‘Hallo’ verständigen. Ein hochdeutsches ‘Guten Tag’ oder gar ‘Moin’ disqualifiziert sofort und verhindert jedes weitere Pläuschchen.

Mit Erreichen des Inntals sind wir endgültig in (Nord)Tirol angekommen. Unser heimisches Servus versteht man hier zwar, jedoch mischen sich immer mehr – für meinen Rachen ungewohnte – KRCHHH-Laute in die Grußworte. Das erste ‘Grias enkkrrchh’ (zu Hochdeutsch: Ich Grüße euch) kommt dennoch überraschend. Ich bin ganz verzückt und freue mich über den Tiroler Dialekt. Es klingt handfest, dennoch singend-rund, ich fühle fast die schroffen Berge in der Sprache und denke unwillkürlich an Freiheit und Draußen. So schön es klingt, Nachahmungsversuche unserseits beschränken wir auf sehr einsame Wegstücke.

Am Pfitscher Joch haben wir italienischen Boden betreten. Vielmehr aber sind wir seitdem in Südtirol (der Unterschied wird uns immer wieder bewusst). Wir können uns noch gut verständigen und treffen auf viele sehr freundliche Einheimische. Auch wenn sie für uns wahrscheinlich in eine Tiroler Version von Hochdeutsch verfallen, fühlen wir uns sehr gut aufgehoben.

Je weiter wir nun in den Süden vorstoßen, desto häufiger aber hören wir italienische Worte. Auch genaues Zuhören hilft uns wenig beim Verstehen, dafür denken wir sofort an Spaghetti, Espresso und la Dolce Vita. Ein neues Berg-Gruß-Vokabular muss her! Jetzt, mitten in den Dolomiten, erweitern wir unseren Sprachhorizont. ‘Ciao’ geht uns noch leicht von der Zunge. ‘Salve’ allerdings ist komplett linguistisches Neuland. Klingt aber toll. Ich sehe Caesar und Lorbeerblätter, antike Statuen und das alte Rom. Herrlich.

Wie man sich wohl in Venedig grüßt?

(Barb)

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