Sauber wird man immer.

Ich bin jetzt erst in der Lage diesen Artikel zu schreiben, denn heute Nacht durfte ich im Doppelzimmer mit gepflegtem und fast schon luxuriösem eigenen Bad nächtigen. Es geht ums Duschen.


Ein bestimmter Jingle begleitet mich oft beim ersten Blick in die Hütten Dusche: die Filmmusik des Spielfilms ‘Psycho’ vom Alfred Hitchcock. Nach knapp vier Wochen ist man zwar abgehärtet, aber nicht blind (auch wenn ich als Sicherheitsmaßnahme immer öfter die Kontaktlinsen vor dem Duschen rausnehme).
Sauber wird man immer.

BRETTER UND HAKEN

Mein persönliches Highlight gab es auf der Tissi Hütte: drei quergelegte Bretter über dem Abfluss eines italienischen Stehklos, Duschkopf an der Wand installiert, fertig ist die (nicht abschließbare) Wellnessoase. Kostet fünf Euro. Ach ja, und das Geld für das Wasser muss man im vorgelagerten Flur – nackt, da keinerlei Hänge- oder Ablagefläche in der Duschtoilette vorhanden – einwerfen, wo auch schon die nächsten Wanderer auf wahlweise eine freie Toilette oder Dusche warten. Man lernt sich so zumindest bereits vor dem Abendessen kennen.

ZEIT IST GELD

Duschen ist zeitlich begrenzt. Je nach Hütte sind es zwei bis fünf Minuten. Dann geht das Wasser entweder aus oder wird kalt – eiskalt, gebirgsbachkalt, kurz vor dem Gefrierpunkt auf jeden Fall. Wenn man gerade seine Haare einshampooniert hat, kann dies zu ernstzunehmenden Problemen führen: Schockfrosten des Gehirns oder man muss, zur Belustigung anderer Wanderer, halbnackt, nur mit Handtuch, zum Hüttenwirt und um eine neue Duschmarke betteln. Uns ist Gott sei Dank nur ersteres passiert.
Nach einer gewissen Zeit und mit etwas Übung perfektioniert man auch den ‘ich will den Badboden auf keinen Fall berühren’ Tanz. Auf einem Bein und Turnschuh balancierend, mit dem aberwitzig kleinen Handtuch (welches mehr an Vileda Fensterlappen als Handtuch erinnert) abtrocknend, Hose und T-Shirt einbeinig anziehend, den Waschbeutel dabei immer Blick, da dieser sich kurz vor Absturz auf den überfluteten Badboden befindet.

UNSERE TIPPS FÜRS HÜTTEN-DUSCHEN

An dieser Stelle ein paar praktische Tipps von der (Dusch-) Front, die das Waschen leichter machen:

– Alles in EINEN Beutel packen und hoffen, dass es EINEN Haken in der Kabine gibt.
– Vorbereitung ist alles: Duschassistent vor der Kabine positionieren und um Münzeinwurf bitten sobald Duschgel & Co bereit stehen.
– Duschassistent um Countdown bitten und ggfs. beeilen.
– Gemeinsam Duschen. Spart Zeit, Geld und Ressourcen (ja, auch das haben wir ausprobiert. Es führt zu einer noch engeren Bindung zum Wanderkameraden) 

(Melli)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

5 × zwei =