Poly-Hyper-Extra-Super-Mega-Tex

Geht man auf den Berg, kommt man daran nicht mehr vorbei: Funktionsmaterialien. In den letzten 20 Jahren hat sich hier wahnsinnig viel getan und neben dem alt-bekannten GORE-TEX gibt es eine Vielzahl von Membranen und Fasern die uns das Leben draußen leichter machen. Gegen Wasser, Wind und Kälte, extra-leicht, schnell-trocknend, mega-robust, super-weich, hyper-was-weiss-ich. Schnell verliert man den Überblick. Wir versuchen ein bisschen aufzuräumen…

Wer kann was? Oder besser: was brauche ich überhaupt?

Blickt man auf die Beschreibungen der einzelnen Membranen bekommt man schnell das Gefühl sofort den Kälte-Hitze-Schweiss-Tod zu sterben, wenn man in „normaler“ Kleidung in die Natur geht. Es ist erstaunlich, was die Industrie möglich gemacht hat, doch ist ein kritischer Blick durchaus angebracht. Nicht jede Voralpenwanderung braucht eine Hardshell und nicht jeder Winterspaziergang muss in perfekter Wärmeisolation ablaufen. Gerade der over-equipte Großstädter sorgt immer wieder für Belustigung und soll auch uns hier ein mahnendes Beispiel sein. Um aber die richtige Wahl treffen zu können, müssen wir halbwegs wissen was da draußen angeboten wird und wozu wir die ganzen Wunder-Membranen brauchen.

GORE-TEX

Kurz gesagt: Steht für wasserdicht. Aber auch für winddicht und atmungsaktiv.

So geht’s: GORE-TEX ist eine Membran mit Poren, die etwa 20.000-mal kleiner sind als Wassertropfen. Das heisst, Wasser kann nicht durchdringen. Wasserdampf in Form von Schweiss von innen allerdings schon. Wird seit 50 Jahren weiter entwickelt und ist heute in unterschiedlichen Laminaten für verschiedene Einsatzbereiche spezialisiert. Nahezu alle großen Outdoor-Marken verarbeiten die Membran und setzen ihren Produkten so einen Qualitätsstempel auf.

Braucht’s des wirklich? Keiner will nass werden wenn es regnet. Aber nicht immer ist eine GORE-TEX Pro mit all ihrer Robustheit und einer Wassersäule von bis zu 30.000 mm nötig. Es kommt auf die Stärke des Regens an und auf die Dauer. Auf die Temperatur und die Bewegungsintensität. Bei aller Wasserdichtigkeit, manchmal ist es besser ein bisschen nass zu werden, als mit nackten Armen von innen an eine kalte, nasse GORE-TEX Jacke zu reiben. Zwar ist die Membran atmungsaktiv, aber nicht in dem Ausmaß, wie es manchmal erforderlich wäre.

WINDSTOPPER

Kurz gesagt: Stoppt den Wind. Wasserdampf kann entweichen.

So geht’s: Die Windstopper Membran ist auch aus dem Hause Gore. Wie der Name schon sagt, Wind wird gestoppt, dadurch bleibt mehr Wärme beim Körper. Wasserdicht ist die Membran aber nicht.

Braucht’s des wirklich? Wir standen alle schon mal auf einem windigen Gipfel und haben es kaum ausgehalten die Aussicht zu genießen. Wind zieht durch alle Ritzen und lässt uns schnell auskühlen. Ob gegen Fahrtwind auf dem Bike oder einen kalten Ostwind – eine Windstopperjacke macht definitiv Sinn. Ich denke sogar, sie kommt öfters zum Einsatz als eine klassische Hardshell. Wasserabweisend ist die Membran nämlich sogar auch.

POLARTEC

Kurz gesagt: Erfinder von Fleece. Macht warm. Trocknet schnell.

So geht’s: Polartec ist nicht DIE eine Membran, sondern Hersteller von zahlreichen Funktionsmembranen mit verschiedenen Einsatzbereichen und Materialstärken. Was mit dem ersten synthetischen Fleece begann ist heute mehr als vielfältig: von leichten Baselayern über wärmende Stoffe bis hin zu Materialien für extreme Wetterbedingungen.
Das Polactec Alpha beispielsweise ist eine äußerst atmungsaktive, synthetische Wärmeisolation. Damit ist sie prädestiniert für bewegungsintensive Sportarten. Im Gegensatz zu Daune und anderen synthetischen Wärmeisolationen ist Polartec Alpha ein durchgehend locker gestricktes Gewirk, das durch die weite Maschenbindung und den leichten Flor Platz für Lufteinschlüsse und damit Wärmeisolation bietet. Das Material transportiert Feuchtigkeit vom Körper weg, gleichzeitig findet ein permanenter Luftaustausch statt. Optimal bewährt sich Alpha in leichter Isolationsbekleidung, die sowohl im Aufstieg als auch in Ruhephasen getragen werden kann, ohne, dass es zum Hitzestau kommt.

Braucht’s des wirklich? Wärme ist ein entscheidender Faktor. Sowohl bei schweißtreibenden Aufstiegen, also auch in Ruhephasen. Kühlt der Körper zu schnell aus, ist des mit der Leistungsfähigkeit vorbei. Also, her mit der Polartec-Jacke! Sollte in keinem Rucksack fehlen. Für alle Fälle, sie passt aufgrund des geringen Gewichts und der hohen Kompressionsfähigkeit überall mit rein. Lest dazu bald mehr über eine Polartec Isolationsjacke von Millet.

MERINO

Kurz gesagt: Wolle von einem Merino-Schaf. Stinkt nicht. Kratzt nicht.

So geht’s: Im Outdoor-Bereich hat sich Merino als Funktionsmaterial mittlerweile fest etabliert. Wer will schon stinken am Berg?! Noch dazu ist Merinowolle ein nachwachsender, natürlicher Rohstoff. Der Unterschied zu anderen Arten von Schurwolle besteht in der Faserstärke: Merinofasern sind fein und weich. Im Gegensatz zu „normaler“ Wolle fühlen sie sich auf der Haut daher nicht ganz so kratzig an. Kommt aber ganz auf die Verarbeitung und Marke an. Merinowolle bleibt warm am Körper, auch wenn sie nass ist. Sie transportiert Feuchtigkeit vom Körper weg und hat geruchsneutralisierende Eigenschaften.

Braucht’s des wirklich? Oh ja. Wer einmal mit einem Kunstfasershirt auf einer längeren Tour war oder gar versucht hat es am nächsten Tag nochmal zu tragen, weiss warum. Wir haben unsere Merino-Shirts schon sämtlichen Härtetests unterzogen. 5 Tage am Stück tragen geht. Man müffelt ein kleines bisschen nach Schaf, mehr aber nicht.

FJÄLLRÄVEN G1000

Kurz gesagt: Material mit spezieller Wachsbeschichtung.
So geht’s: Der Stoff besteht zu 65% aus Polyester und zu 35% aus Bauwolle und ist mit einer feinen Schicht Greenland-Wax überzogen. Diese kann erneuert werden, sogar zuhause in Eigenregie. Das legendäre Material des schwedischen Outdoor-Pioniers Fjällräven wird seit 50 Jahren in Outdoor-Bekleidung und -Taschen eingesetzt. Das Material ist robust und herrlich pflegeleicht. Ist die Wachsschicht frisch, so ist das G-1000 Wasserabweisend und sorgt auch für eine gewisse Winddichte.

Da braucht’s das: Natürlich gibt es systematische Materialien die ähnliche Funktionen haben. Aber nichts geht über den natürlichen Charme einer G-1000 Hose. Ich trage meine seit nunmehr 12 Jahren, was auch von einer Langlebigkeit (und meinem konstanten Gewicht) spricht. Ich wachse die Hose nach ca. 5 Wäschen und sie bekommt wieder diesen festen Griff und alle ihre Funktionen.

Natürlich gibt es auf dem Markt noch viele weitere Fasern und Membranen, die wunderwas alles können. Viele Hersteller haben inzwischen sogar eigene Patente und dadurch auch ganz eigene Begrifflichkeiten. Die kann sich eh keiner alle merken. Wir halten es aber für wichtig, sich vor einer Tour Gedanken zu machen. Temperatur, Sonne, Regen, Wind, Bewegungsintensität und Länge der Tour geben die Rahmendaten vor. Und nun gilt es die richtige Auswahl zu treffen…