Panoramatag im Zillertal

Dass man in Schlaflagern nie besonders gut schläft, wird mir heute zum Vorteil. Um 5:23 werde ich unruhig. Ganz schwaches Licht dringt von draußen herein und kündigt den Tag an. Die Fenster sind von innen beschlagen aber man erkennt eine erste klare Silhouette. Nachdem wir gestern bei tief liegendem Nebel und strömendem Regen angekommen sind, hatten wir keine Ahnung von dem Panorama.

 

Rings um die Hütte stehen schweigend im Morgenlicht fast 3000 Metern hohe Berge. Nach hinten die grasigen Spitzen über die wir gekommen sind. Nach vorne das mächtige Massiv des Tuxer Ferners mit jeder erdenklichen Wintersport-Infrastruktur. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen. In Zehn Minuten habe ich einen kleinen Hügel hinter der Hütte bestiegen um die östliche Talseite zu sehen. Kaum bin ich oben, empfangen mich die ersten Strahlen der Sonne am Horizont. Es wird ein guter Tag.

HERAUSFORDERUNGEN AM MORGEN

Die heutige Etappe führt uns über die Friesenbergscharte. Bereits von der Hütte aus erkennt man das blockige Gelände neben den Resten des einst mächtigen Tuxer Ferners. Nun ist das Massiv durchsetzt von Liftanlagen, Bewirtschaftungsstrassen und Panoramarestaurants für den Skibetrieb. Noch immer aber ist der Anblick faszinierend. Die zwei Stunden Aufstieg zum Spannagelhaus vergehen schnell. Der Himmel ist blau und wir wissen das gute Wetter nach den letzten Regentagen sehr zu schätzen. Nachdem aber für den frühen Nachmittag bereits wieder Gewitter gemeldet sind, beobachten wir eine Wolke hinter der Scharte kritisch. Der Weiterweg zur Friesenbergscharte stellt uns vor einige Herausforderungen. Die Brücke über den Gletscherbach fehlt, lange Schneefelder, blockiges unwegsames Gelände immer weiter hoch auf 2962 Meter. Die dünner werdende Luft macht uns langsam. Immer wieder aber bleiben wir mit kindlicher Freude stehen und meinen Bergkristalle zu finden. Die Hosentaschen der Berghose sind nun voll mit kleinen, fast durchsichtigen Steinchen, die wahrscheinlich bei der nächsten Wäsche vergessen und entsorgt werden.Add Text or Shortcode

SCHARTE MIT AUSSICHT

Als wir die Scharte erreichen ist der Blick auf die andere Seite unbeschreiblich. Die Mädchen quietschen vor Freude. Nachdem die Scharte aber nur knapp einen halben Meter breit ist, stapeln wir uns beim Fotos machen. Die anfänglich beäugte Wolke hat sich fast aufgelöst und lässt einen unversperrten Blick auf das Zillertal zu. Wir sehen die Friesenberghütte, den Schlegeisspeicher und viele viele weitere Gipfel, die wir nicht beim Namen kennen. Der anschließende Abstieg erfordert noch etwas Konzentration. Das Drahtseil ist lose und die vielen Spitzkehren schwindelerregend steil. Die letzte Stunde vor der Olperer Hütte wird auf einem Teilstück des Berliner Höhenweges zurück gelegt. Wir können uns vor Panorama gar nicht retten und bleiben immer wieder verzückt stehen um Bilder zu machen.

DIE OLPERER HÜTTE

Die erst 2007 neu erbaute Olperer Hütte empfängt uns mit moderner Behaglichkeit. Wir sind überrascht von den schönen Zimmern, es gibt Hühner und Ziegen, ein Panoramafenster in der gemütlichen Stube und eine große Auswahl an Wein und Spirituosen. Wegen des labilen Wetters die kommenden Tage werden wir den Olperer nicht bestiegen, nehmen uns aber vor, zu einem späteren Zeitpunkt unbedingt wieder zu kommen. Für alle, die jetzt schon den Ausflug in den Hochgebirgsnaturpark Zillertaler Alpen planen wollen: www.olpererhuette.de Nach einem guten Abendessen erleben wir noch etwas ganz besonderes. Das schlechte Wetter desnächsten Tages schickt seine Vorboten. Eine Regenfront zieht durch das Tal und verabschiedet sich nach einer Stunde mit einem Regenbogen, der seines Gleichen sucht. Der Topf Gold ist eindeutig hier zu finden.

(Barb)