Online am Berg

Um einen Blog zu führen braucht es hin und wieder eine Internetverbindung. Gerade ein Blog lebt davon, regelmäßig befüttert zu werden. Zu Hause macht man sich darüber wenig Gedanken. Netz und WLAN sind inzwischen nahezu überall verfügbar und meist hat man eine monatliche Flatrate, die einen wenig über Kosten grübeln lässt. Mir war klar, dass das am Berg nicht einfach werden würde – noch dazu, wenn wir Deutschland einmal verlassen haben.

STAATSGRENZE UND NEULAND

Die ersten vier Tage macht eine nahezu durchgehende Netzabdeckung – dazu WLAN in den Pensionen – das bloggen kinderleicht. Es entstehen keine Kosten und auch umfangreiche Bilderalben lassen sich mühelos online stellen. Kaum aber haben wir Vorderriss verlassen, passieren wir auch bald die österreichische Staatsgrenze. Je weiter wir uns ins Karwendel hineinbegeben, desto zurückhaltender zeigen sich die fünf Netzbalken auf dem Smartphone. Wenn es überhaupt Netz gibt, dann ist die Verbindung sehr schwach und reicht maximal um kurze Lebenszeichen an die Familie zu senden. Kaum aber um Blog, Facebook und google Analytics zu steuern. War wohl auch nicht anders zu erwarten.

DATENVOLUMEN UND ZUSATZPAKET

Nun ist man gewohnt, das Roaming am Handy auszuschalten. Die Gebühren werden gespart und man wartet lieber auf das nächste WLAN. Mein Mobilfunkbetreiber stellt mir freundlicherweise jährlich 7 Tage kostenloses Roaming im europäischen Ausland zur Verfügung. Danach kostet es 1.99€ für 24h online. Die viel diskutierte Gesetzesänderung zur Abschaffung der Roaminggebühren tritt bei mir angeblich erst bei einer Vertragsverlängerung in Kraft.

Nun sind zwei Euro am Tag verkraftbar und ich aktiviere den kleinen Schieber auf meinem iPhone optimistisch Richtung Roaming. Drei von fünft Netzbalken sollten ausreichen um ein paar Bilder und einen Beitrag auf den Blog zu stellen. Facebook kucken, Mails lesen, den Wetterbericht für die nächsten Tage checken. Plinnngggggg. Nach nicht all zu langer Zeit bekomme ich eine SMS. Das verfügbare Datenvolumen von 50MB sei für heute verbraucht und ich könne weitere 50MB für 1,99€ freischalten. Hä? Das vermeintlich großzügige Angebot von zwei Euro am Tag beschränkt sich also auf lächerliche 50MB? Damit komme ich natürlich nicht weit.

WLAN ODER DIE GUNST DES WIRTES

Inzwischen sind sogar die meisten Hütten im digitalen Zeitalter angekommen. Reservierungen werden bequem über ein Onlineformular gemacht und teils aufwendige Websites informieren über Angebote, Wandertouren und Speisekarten. Sucht man auf der Hütte nun nach einem WLAN, findet man oft ein gesperrtes, hütteneigenes Netz, das leider aber nur den Betreibern zur Verfügung steht. Wir haben Glück. Das ein oder andere Mal gelingt es uns, den Hüttenwirt zu überzeugen, uns das Passwort zu geben. Im Gegenzug berichten und verlinken wir.

ES GEHT UNS GUT

Nun geht es aber nicht nur um den Blog. Im Gebirge kann ein funktionierendes Telefon oft lebensrettend sein. Die Familie macht sich Sorgen, gerade wenn die Mädels allein unterwegs sind. Es empfiehlt sich, regelmäßig Lebenszeichen abzusetzen und besorgte Mütter auch jenseits des Blogs über das Wohlbefinden zu informieren.

Es war die dritte Etappe. Morgens bekomme ich eine SMS meiner Mutter. Es sei Starkregen angekündigt und man warne im Gebirge vor Murenabgängen. Ob wir nicht bitte einen Tag abwarten könnten… Ähm. Nein. Ambitioniert schreibe ich der Mutter zurück, sie möge sich keine Sorgen machen und ich würde mich melden sobald wir die ‘Gefahrenzone’ verlassen haben. Der Aufstieg zur Tutzinger Hütte verläuft problemlos. Von Schlammlawinen keine Spur. Zeit, eine erlösende Nachricht anzusetzen. Kein Netz. Was nun? Hätte ich der Mutter nicht explizit eine Entwarnung angekündigt, wäre das egal. So aber renne ich eine viertel Stunde rund um die Hütte, stets mit ausgestrecktem Arm, wild fuchtelnd auf der verzweifelten Suche nach Empfang. Es dauert. Fürs Telefonieren reicht es noch nicht. Die erste SMS geht nicht durch. Die zweite dann schon. Wir reden kurz. Alles gut.

HÜTTENBUCH UND GIPFELEINTRAG

Das habe ich genau einmal so gemacht. Es ist im Gebirge einfach nicht möglich, zuverlässig online oder erreichbar zu sein. Ob für einen Blog oder besorgte Mütter. Um einen Tourenverlauf nachvollziehbar zu machen und uns im Zweifelsfall zu lokalisieren, gibt es auf den meisten Hütten ein Hüttenbuch. Hier trägt man ein, wann man da war, wo man hingeht, Telefonnummer, DAV Sektion und ggf. Hinweise zum Tourenverlauf. Ähnliches System findet man auf den meisten Gipfeln. Das Gipfelbuch ist nämlich nicht dazu da, Wanderer zu lyrischen Höchstleistungen zu motivieren. Die Angaben dienen einer möglichst genauen Bestimmung der Position eines Wanderers und helfen dem zielgenauen Suchen.

(Barb)