Obacht: Lawinenwarnstufe 3

Schon von langer Hand geplant: unser Schneeschuhwochenende in Tirol. Die Wetterprognosen sind fantastisch. Sonne pur und an der Schneemenge scheitert es diesmal auch nicht. Aber da sind wir schon beim Thema: Lawinenwarnstufe 3 in ganz Tirol. Das bedeutet erhebliche Lawinengefahr: Ski- und Schneeschuhtouren erfordern lawinenkundliches Beurteilungsvermögen.

Die Mädchen sind verunsichert – definiere lawinenkundliches Beurteilungsvermögen – hmmmmmm. Aber wir sind diesmal mit Bergführer unterwegs. Ohne Reinhold wären wir wohl erst gar nicht vor die Tür, geschweige denn auf den Hang. Vorab gab es natürlich eine Ausrüstungsliste. Neben Schneeschuhen und Stöcken, braucht es eine Lawinen Notfallausrüstung.

Das muss abseits der Piste mit

Für das schnelle Auffinden und Ausgraben eines Verschütteten sind drei Gegenstände ein absolutes Muss auf Touren:

Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS):

Über eine Signalsuche wird das Lawinenfeld systematisch abgesucht.

Sonde:

Nach der LVS Ortung wird hiermit die exakte Verschüttungstiefe bestimmt.

Schaufel:

Jetzt gilt es so schnell wie möglich den Verschütteten auszugraben.

Zusätzliche Ausrüstung: Rucksack mit Lawinenairbag

Diese Notfallsysteme sollen die Verschüttung verhindern, müssen jedoch aktiv vom Besitzer ausgelöst werden. Aus diesem Grund unbedingt vor einer Tour mit dem Auslöseprozedere vertraut machen. Auch muss auf die korrekte Wartung des Airbags geachtet werden, z.B. das richtige Einsetzen der  Patronen.

Von Kopfkino und schwarzen Büchern

Gut gerüstet geht es in der früh los. Der Tag beginnt mit Sonne und blauem Himmel. Schneeschuhe anziehen, Wanderstöcke einstellen, gefühlte 100 Schichten anziehen – ich zähle zu der verfrorenen Sorte.

Bevor es nun ins Gelände geht, gibt es den obligatorischen LVS-Check: alle Geräte werden auf „Senden“ gestellt und unser Bergführer prüft alle Gruppenmitglieder, ob das LVS einwandfrei funktioniert. Alles prima. Los geht es in noch flachem Gelände, schnell wird es jedoch steiler und schnell liegt das Tal weit unter uns. Da ist es, das Kopfkino: Ist das LVS auch wirklich an, wie steil ist es hier eigentlich, gab es da gerade nicht ein komisches Geräusch? Ich erinnere mich an das in schwarz gehaltene Lawinenbuch auf dem heimischen Couchtisch – nach Lektüre dieses Werkes möchte man eigentlich nie wieder ins freie Berggelände. Das das Buch schwarz ist, sagt ja schon alles…Unser Bergführer erzählt etwas von Triebschnee der hier am Hang vor uns herrscht – das hat man doch schon mal in Zusammenhang mit Lawinenbildung gehört?! Aber ich weiß, dass ich mich auf Reinhold verlassen kann und so kommen die Mädchen gut hoch und mehr oder weniger elegant runter – die Oberschenkel danken am nächsten Tag mit einem ordentlichen Muskelkater.

Sicherer am Berg

Wir berichteten bereits über die Tourenvorbereitung im Herbst (z.B. Lawinenlagebericht lesen und verstehen!). Was ihr darüber hinaus tun könnt:

DAV Risiko-Checkliste:

Generell zum Thema „Lawine“ aufschlauen. Kompaktes Basiswissen vermittelt die Risiko-Checkliste. Hier geht’s zum kostenlosen Download.

DAV SnowCard:

Die handliche Plastikkarte bietet Entscheidungshilfe bei der Tourenplanung und unterwegs. Sie stellt farblich das Risikopotential eines Berghanges dar und basiert auf dem amtlichen Lawinenlagebericht und dem klassischen „Faktorencheck“ (wie hoch ist die Gefahrenstufe, wie steil ist der Hang, ist die Hangexposition günstig oder ungünstig etc.). Weitere Infos und Bestellmöglichkeit findet ihr hier.

Lawinen Notfallausrüstung (LVS, Sonde, Schaufel):

Wenn ihr nicht allzu im Winter unterwegs seid, könnt ihr die (teils kostspielige) Ausrüstung zunächst bei einer der Servicestelle des DAV auszuleihen. Seid ihr öfters unterwegs lohnt sich die Anschaffung der Gerätschaften, z.B. von Marken wie Pieps, Ortovox oder Mammut. Vor Anschaffung lohnt es sich einen aktuellen LVS Geräte Testbericht durchzulesen. Hier bietet u.a. der DAV nützliches Anhaltspunkte für die Kaufentscheidung.

Lawinenkurse / LVS-Training:

Wichtig ist, dass die Suche regelmäßig geübt wird, damit ihr diese im Notfall sicher und schnell anwenden könnt. Denn nach bereits 15 Minuten sinkt die Überlebenschance eines Verschütteten drastisch. Anbieter die uns gefallen:

DAV: Das Angebot reicht von Tages- bis zu Vertiefungs LVS-Geräte-Trainings mit angeschlossener Schneeschuhtour. Die Ausrüstung kann gleich mit gebucht werden.

Saftey Academy von Ortovox: Hier gibt es drei verschiedene Kursarten – Training Basic, Touren und Training Basic, Touren und Training Advanced – für Tourengeher als auch Freerider. Vermittelt wird alles Relevante zur Verschütteten-Suche, Rettungsmethodik und zum optimalen Tourenmanagement. Darüber hinaus bietet Ortovox eine Reihe von kostenfreien Tages- Lawinenkursen in bestimmten Region an. Die nächsten sind ab 15. Februar buchbar!

Lawinen Camp Bayern: Neben dem obligatorischen LVS-Basis- und Intensivkurs sind spezielle Entscheidercamps für Schneeschuh oder Ski und exklusive Lawinenkurse für zwei Personen im Angebot.

Unser Winter Tourentipp: Hoher Napf (2.247 m)

Ausgangsort: Schmirn (1.405m), Tirol, Österreich.
Gehzeit: 2 – 2,5 Stunden
Höhenmeter: 860 m
Charakter: maximal mittelschwere Tour mit tollem Blick auf den Olperer. Mitunter lawinengefährdet, aus diesem Grund immer Lawinenwarndienst beachten. Gefahrenstellen, wie der Steilaufschwung über dem kleinen Hütterl (Schwimmschnee!) und der oftmals eingewehte schmale Gipfelrücken, können durch Geländekönnen deutlich reduziert werden.
Beste Jahreszeit: Dezember bis März
Kartenmaterial: Kompass Karte Nr. 36, Innsbruck/Brenner, 1:50.000

(Melli)