MTB Camp: Biken, Yoga, Faszientraining

Nach unserer Transalp nun das zweite Radl Highlight in diesem Jahr: MTB Camp in Saalbach Hinterglemm. Für ein Wochenende heißt es Biken, Yoga und Faszientraining. Und und on top stehen MTB Profis wie Tibor Simai und Timo Pritzel als Coach zur Seite. Das ist natürlich sehr lässig, ich bin jedoch auch etwas nervös. So hochkarätige Profis sollen MIR das Freeriden beibringen?! Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. So stehe ich mit meinem Mann in voller Radl Montur und mit klopfendem Herzen Punkt 13 Uhr vor unserem Hotel. Bereit für alles was da kommen mag.

Perfekt eingestellt

So nach und nach füllt sich der Platz mit einer bunten Mischung aus Downhill Hobeln, Fullface Helmen und Protektoren. Weit und breit keine Frau in Sicht. Wo bin ich da nur gelandet?! Ich habe Fluchtgedanken. Einfach im Zimmer verstecken? Aber bei genauerem Hinsehen entdecke ich, zu meiner Erleichterung, doch noch das ein oder andere Mädl und Mountainbiker ohne Abfahrtsmaschine. Ich atme auf. Mittendrin wuseln die Coaches wie die fleißigen Bienchen von Bike zu Bike, stellen Bremsen und Dämpfer ein, optimieren Zugstufen (was es nicht so an einem MTB gibt) – immer angepasst auf den Fahrer und das Einsatzgebiet. Das Material ist damit perfekt vorbereitet, es kann losgehen.

Jeder wie er kann

Gruppeneinteilung für das Techniktraining. Selbsteinschätzung ist angesagt – das gilt auch übrigens für die Wahl der Protektoren. Hier sollte jeder ein Gefühl dafür haben, was nötig ist. Ich teile mich also in die relaxte Gruppe (= Freeride Anfänger) ein UND trage das maximale Set an Schutzausrüstung. Sicher ist sicher. Tibor Simai ist mein Coach, ein Glücksgriff, denn er kann die Dinge einfach prima erklären. Und zu lachen gab es ständig etwas. Wir üben Vorderrad anheben (ich bemühe mich redlich), enge Serpentinen fahren (ich falle in fast jeder Kurve um), steile Passagen langsam bergab meistern (ich weigere mich hartnäckig die Vorderradbremse ordentlich zu ziehen) und machen einen Abstecher in einen kleinen Pumptrack (ja das macht Spaß!).

Trifft die linke auf die rechte Gehirnhälfte

Nach zwei Stunden Technik geht es zurück zum Hotel. Das ursprünglich angekündigte Faszientraining wird durch ein Gedächtnis-/ Koordinationstraining ersetzt. Einer der Sponsoren des Camps, die Sportschule Puch, leitet die Session. Soviel vorweg: es wird viel gelacht über andere, aber vor allem über sich selbst. Die bunt gemischte Gruppe hüpft fleißig in Ringe, fängt Säckchen, bildet Quersummen während Arme und Beine in getrennte Richtungen gestreckt werden. Wir stolpern, machen Witze. All das soll die beiden Gehirnhälften besser miteinander verknüpfen und uns so helfen, in anspruchsvollem Situationen beim Biken schneller reagieren zu können. Sollte das nicht geklappt haben, so ist auf diesem Weg zumindest das Eis zwischen allen Camp Teilnehmern gebrochen worden. 

Endorphine und ein Platten

2. Tag. Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es für alle in den Bikepark. Meine “relaxte” Gruppe versucht sich erstmal an der Milka Line, einer flowigen und eher technisch einfachen Abfahrt in Saalbach Hinterglemm. Mit Dana Elena Schweika, einer leidenschaftlichen Four-Cross Racerin als Coach, übt die reine Mädlsgruppe also Kurventechnik, steile Bergab-Passagen, springen über den ein oder anderen Absatz. Und es ist wirklich sehr entspannt unter uns Mädchen und so langweile ich mich tatsächlich etwas. Ich wechsle damit zum Nachmittag in die nächst höhere Gruppe und habe erneut das Vergnügen mit Tibor. Auch hier erstmal Milka Line, diesmal aber in einem gaaaaanz anderen Tempo. Ich fliege gefühlt nur so über die Tables, um die Anlieger – die Endorphine tanzen Samba! So muss das sein :-). Als krönenden Abschluss des Tages fährt die Gruppe den sechs Kilometer langen Hacklberg Trail, eine der schönsten Abfahrten in dem Gebiet. Nach einem ersten steilen Stück bergauf – wir fahren in dichtem Nebel – geht es dann in stetigem auf und ab dahin. Mit einem breiten Grinsen bike ich, sogar ein bisschen Panorama hier und da, jetzt über eine Kante…..flopfloppfloppp. Ein Platten. Das erste Mal seitdem dem ich bike. Und ich habe bis auf einen Schlauch nichts dabei: kein Tool, keine Luftpumpe, na sauber. Und so bleibt nichts anderes übrig als Tibor mit großen Winkbewegungen auf mich aufmerksam zu machen. Ich bin in der ‘Mädchenfalle’: Er hilft, wechselt den Schlauch, pumpt auf. Ich höre mich Sätze sagen wie “Das hat mein Mann sonst immer dabei” und “meine Handschuhe sind ganz neu und ich möchte mir diese nicht dreckig machen.” Auweia. Lassen wir das mal so stehen.

Ommmm und Häschen hüpf

Der letzte Tag. Wir starten mit Yoga noch vor dem Frühstück. Timo Pritzel, seines Zeichens Dirt Jump Biker und Yogi – ja, das schließt sich nicht aus! – leitet die Klasse. Leise Musik, die Yogamatten sind bereits ausgelegt, es sind tatsächlich alle Camp Teilnehmer dabei. Hund, Krieger, Löwe und Taube wechseln sich ab. Atmen nicht vergessen! Laut Timo war Yoga seine Rettung nach all den Verletzungen und anschließenden Fehldiagnosen der Ärzte. Ja, man merkt ihm seine Leidenschaft für diesen Sport definitiv an.
Mit so viel innerer Energie versorgt, geht es zum ausgiebigen Frühstück. Draußen regnet es Hunde und Katzen. Die Voraussetzungen für einen schönen Bike Tag könnten besser sein. So beschließt ein Teil der Gruppe heute nochmal MTB Technik zu trainieren, um der Matschschlacht auf dem Trail zu entgehen. In der örtlichen Tiefgarage fahren wir im Slalom und engen Serpentinen um unsere Rucksäcke. Der Regen lässt nach, der Kurs wird auf den Parkplatz verlegt. Vorderrad anheben, Hinterrad anheben, ich schaffe meinen ersten Bunny-Hop – eine der Königsdisziplinen beim Mountainbiken. Mein Mann applaudiert anerkennend. Da ist man schon etwas stolz auf sich. Das ist ein guter Abschluss.

Fazit

Ich habe viel gelernt. Weiß nun was mit Schotterflechten und Pizzen gemeint ist (die unschönen Abschürfungen auf Schotter) und, dass man einen ausgeben muss, sollte man sich solch ein Exemplar zuziehen. Felgenbremsen sind Kasperlbremsen und ein Tour de France Rad darf nicht unter 6,8 Kilogramm wiegen. Ich bin bereit für ‘Wer wird Millionär’.  – Spaß beiseite –
So ein Camp bringt viel, insbesondere, wenn die Gruppen, wie bei uns, aus nur durchschnittlich acht Leuten bestanden. Die Coaches hatten es drauf jedem individuell etwas Neues beizubringen, wobei der Spaß immer im Vordergrund stand. Insbesondere für Paare und Freunde mit unterschiedlichen MTB Können ist solch ein Camp perfekt. Jeder kann tagsüber individuell trainieren und dennoch ein gemeinsames Wochenende verbringen. Ich habe sehr viel Motivation und neue Impulse aus diesem Wochenende mitgenommen, ja sogar etwas über vegane Energieriegel und Protein Shakes gelernt. Wer also Lust auf ein Rundum Sorglos Paket, engagierte MTB Profis und Bikepark hat, als auch offen für Neues ist (Vegan, Yoga, Gedächtnistraining), der ist auf solch einem MTB Camp perfekt aufgehoben.

Wo buchen?

Das Event wird über die Sportschule Puch und dem Sponsor Lifefood organisert. Ich bin über die Facebook Seite von Tibor Simai auf das Camp aufmerksam geworden und habe ganz einfach über ihn gebucht.

Hier gibt’s weitere Infos zur Region und den Coaches

Biken in Saalbach Hinterglemm Tibor Simai Timo Priztel Dana Elena Schweika

 

 

 

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