Mit Houdini auf dem West Highland Way


Schwedische Funktion in schottischem Wetter

Bei dem Namen Houdini denken wir schon lange nicht mehr an den amerikanischen Entfesselungskünstler. Houdini Sportswear ist in den letzten Jahren zu einem festen Begriff in der Outdoor Branche geworden und hat sich längt einen Namen gemacht mit nachhaltigem Handeln und überzeugendem Design Konzept. Grund genug sich die Marke und die Produkte mal genauer anzusehen. Die Gelegenheit könnte nicht besser sein, zwei Wochen Schottland mit allem, was das Wetter so hergibt: Mit Houdini auf dem West Highland Way.

Unerschrockene Frauen voran

Houdini ist eine schwedische Firma, gegründet 1993 von Lotta Giornofelice. Sie stellen vornehmlich funktionelle Outdoor-Bekleidung her und bieten dabei das komplette Sortiment von der Unterhose bis zur Hardshell. Alles begann in den Kinderjahren des Materials Stretch-Fleece. Heute kaum mehr wegzudenken, in den 90ger aber eine wahre Revolution. Das erkannte auch die schwedische Gründerin bei einem Klettertrip in Neuseeland, da das Material zu der Zeit in Europa noch fast unbekannt war. Sie begann also mit einer kleinen Produktion und sorgte damit in der Branche für Aufmerksamkeit. Eine hartnäckige Frau in einer stark männerdominierten Branche – dazu ein innovatives Produkt und ein ganz neuer Ansatz im Design.

Lotta hatte es sich zur Aufgabe gemacht funktionelle Bekleidung herzustellen, die nicht wie solche aussah. Damals ein völlig absurder Ansatz. Es ging in der Branche noch rein um die Funktion. Dass ein Teil modisch aussieht und dem Träger Spaß macht, war absolut irrelevant.

Damals wurde der erste Power Houdi entwickelt – ein Produkt, das noch heute der Renner im Programm von Houdini ist. Elastisch, multifunktional, stylish und langlebig ist die Fleece Jacke fester Bestandteil in vielen Outdoor-Kleiderschränken. Über die Jahre wurde der Power Houdi kaum verändert – bis auf die Tatsache, dass er inzwischen komplett aus recyceltem Material hergestellt wird. Und genau das ist es, was Houdini zu etwas ganz besonderem Macht.

Nachhaltigkeit auf allen Ebenen

Heute ist Nachhaltigkeit die zentrale Komponente von Houdini geworden. Gesehen habe ich das besonders eindrücklich auf der Outdoor letztes Jahr. Um die kompostierbaren Kleidungsstücke erlebbar zu machen, bestand der Messestand aus Hochbeeten und Gewächshäusern. Die Besucher konnten selbst Samen pflanzen, die dann in Houdini Erde wachsen würden. Ein schöner Gedanke!

Houdini hat viele nachhaltige Projekte auf den Weg gebracht. Ob eben kompostierbare Kleidung, Second-Hand-Verkäufe, Verleih-Aktionen oder Recycling. Es geht immer darum unserem Planeten so wenig wie möglich zu schaden. Mit der Vision “Maximum Experience. Zero Impact” möchte Houdini ihren Kunden großartige Erlebnisse in der Natur ermöglichen ohne dabei irgendwelche Spuren zu hinterlassen. Vollständig geht das natürlich nicht, sonst würden wir auch einfach garnicht in die Berge gehen. Die Marke geht aber mit gutem Beispiel voran und inspiriert uns achtsamer mit unserer Umwelt umzugehen.

Denn auch so kann ein Unternehmen nachhaltig geführt werden. Es muss kein Widerspruch sein nachhaltig zu handeln und ein rentables Unternehmen zu leiten. Ganz im Gegenteil. Es ist eine unbedingte Vorraussetzung. Denn nur wenn wir unseren Planeten schützen und für weitere Generationen erhalten kann in Zukunft überhaupt ein Unternehmen bestehen.

Skandinavisches Design

Als Designer in den Bergen hat man ein besonders kritisches Auge auf Outdoor Bekleidung. Sehr oft sieht man sich mit geschmacklosem Design konfrontiert, das in erster Linie funktioniert aber keinen ästhetischen Ansprüchen gerecht wird. Warum muss ich am Berg aussehen wie ein Depp? Wandervogel. Trekkingtrottel. Zu viel Eitelkeit ist auch nicht gut, aber offensichtlich geht es ja auch anders. Denn besonders wenn Materialien und Schnitte durchdacht gestaltet und stilsicher kombiniert sind trage ich lieber, länger und öfter. Ich kaufe mir weniger, werfe weniger weg und schone allein damit schon die Umwelt. Das wiederum entspricht voll dem Nachhaltigkeitsgedanken und auch der Unternehmenshistorie von Houdini.

Sinn muss es machen

Vielseitig, zeitlos und nachhaltig – das sind die Schlüsselbegriffe. Nun bin ich kein Produktdesigner. Aber wenn man die einzelnen Komponenten ein bisschen hinterfragt kann man schon AHA Momente erleben. Ziel ist nicht, das nächste tolle Produkt zu entwickeln. Vielmehr geht es darum Produkte zu entwicklen die nicht altern. Nicht in der Funktion, nicht im Style und auch nicht in der Qualität des Produkts.

Bei Houdini geht es auch um Komfort. Ja das darf man immer nicht so laut sagen. Wir sind ja hier nicht auf Kuschelkurs. Aber wenn wir ehrlich sind, geht es doch sehr viel auch darum, dass wir uns wohl fühlen. Auch am Berg. Ich will bequeme Kleidung, wo ich nicht merke dass ich sie trage. Die Kleidung soll mich vor dem Wetter schützen, damit ich warm und trocken bin. Und es schadet auch nicht, wenn ich ein gutes Gewissen dabei habe weil sie nachhaltig produziert wurde.

Dabei spielt die Sinnhaftigkeit der Produkte eine zentrale Rolle. Brauche ich das wirklich? Kann die Jacke mehr, oder was anderes als die anderen? Ich muss zugeben, ich habe selbst mehr Jacken und Hosen im Schrank als ich eigentlich bräuchte. Und einige davon können exakt das Gleiche! Eine wäre also genug. Und wenn diese eine Jacke eben fürs Wandern, den Citytrip, beim Biken oder auf dem Weg in die Arbeit funktionieren würde – ideal! Meist aber hindert einen Schnitt und Farbe daran. Oder eben Funktion und Komfort. Mit den Produkten von Houdini wird zumindest ein sehr weites Spektrum abgedeckt. Die Farben sind so gewählt und kombiniert, dass alles zu allem passt. Die Produkte sind keinem eindeutigem Einsatzzweck zugeordnet. Die Stücke sind so vielseitig konzipiert, dass tatsächlich eine Menge damit zu machen ist.

Mit Houdini in Schottland

W’s BFF Jacket

Ich hatte das Vergnügen einige tolle Houdini Produkte in Schottland zu testen. Gleich unter extremen Bedingungen. Aber mit dem besonderen Anspruch, dass sowohl outdoor tauglich, als auch abends im Pub und in der Stadt vorzeigbar. Ich habe berichtet..

Die BFF Jacket ist eine klassische 2.5L Hardshell. Leicht, atmungsaktiv und natürlich wasserdicht. In Schottland eine unverzichtbare Komponente. Was auf den ersten Blick – oder eher den ersten Griff – auffällt: die Jacke ist extrem weich und leise. Kein kaltes Geraschel oder raue Oberfläche. Klar, ist auch keine ProShell. Aber ich bin ja auch nur in Schottland und nicht am MontBlanc.

Das zeitlose Design macht die Jacke zu einem echten Allrounder. Ich trage sie tagsüber auf dem West Highland Way, abends auf dem Weg in den Pub, beim Citytag in Edinburgh oder bei einer windigen Fährüberfahrt. Dabei bin ich nicht angezogen wie ein Outdoorfreak, sondern fühle mich ganz stylish. Clean, gerade geschnitten, keine unnötigen Details oder Applikationen. Dafür aber alle Features, die man braucht.

Der Schnitt bietet Bewegungsfreiheit und genug Platz für eine wärmende Schicht unten drunter. Zwar feminin geschnitten, aber im Vergleich zu anderen Jacken dieser Art eher lose. Die verstellbare Kauputze ist besonders bei schottischem Wind sehr wichtig. Sonst bläst einem gleich alles vom Kopf. Die Ärmel haben Klettverschlüsse, so dass es auch hier nicht unnötig zieht. Unter den armen die obligatorischen Lüftungs-Reißverschlüsse. Klar, die Nähe sind verschweißt und Wasserdicht.

Bei all der Funktion aber kommt die Jacke sehr unprätentiös daher. Zurückhaltend. Skandinavisch. BFF bedeutet übrigens “Best friends forever”. Und genau das ist die Jacke auch.

Power Houdi

Mal ehrlich, Fleecejacken hat man ein paar im Schrank. Es geht darum irgendwie warm zu machen, bei wenig Gewicht, und schnell trocknen tun die auch noch. Aber darf’s auch ein bisschen mehr sein? Der Power Houdi von Houdini ist eine multifunktionale Jacke aus Polartec Power Stretch Pro. Von innen kuschelig weich und warm, von aussen glatt und clean. Es passt gut unter eine Shell Jacke, am kalten Gipfel, bei Skifahren oder einfach abends am Lagerfeuer. Das Houdi hat eine gewisse Haptik, Griffigkeit, Volumen. Da hat man was in der Hand!

Die zeitliche Ästhetik und die langlebige Qualität sind wohl Grund dafür, dass die Jacke seit 15 Jahre nahezu unverändert bei Houdini im Programm ist. Der Kleiderschrank braucht einfach eine solche Jacke – das reicht dann auch und alle anderen Jackerl können weg.

Was ich besonders mag, sind die langen Ärmel mit Daumenschlaufen. Sie liegen angenehm eng an, so dass hier wirklich kein Lüftchen rein kommt. Bei kaltem schottischem Wind ein tolles Detail! Die Kapuze mit dem hohen Kragen tun ihr restliches.

Wenn man in den Produkatalog guckt, stellt man fest, dass es das Houdi in vielen Farben gibt. Man sich also einmal genau das Passende raussuchen. Und das passt dann auch zur Hardshell. Die Farben sind von der Natur abgeleitet und passen harmonisch stilsicher zusammen.

W’s MTM Motion Light Pants

Auf meiner Tour in Schottland habe ich eine Hose von Houdini dabei. Nicht etwas als Wanderhose, sondern als multifunktionale Alternative! Die Motion Light Pants ist luftig, windresistent und extrem atmungsaktiv, bei gerade mal 190g. Das Gewicht spielt bei Weitwanderungen schon eine Rolle, daher bin ich über dieses sportliche Packmaß sehr happy.

Houdini hat für seine Hosen ein spezielles Designkonzept entwickelt. Es nennt sich „Made to Move“ und orientiert sich an den natürlichen Bewegungen des Menschen. Für die Funktion bedeutet das absolute Beinfreiheit, für die Optik heißt das ein moderner Schnitt, der eher zu einem urbanen Hipster passt. Der Schnitt ist auffällig, die nähe laufen diagonal, da wo man sie nicht vermuten würde. An kritischen Stellen gibt es gar kein Nähte und der natürliche Stretch des Materials wird so genutzt dass meiner Bewegung keine Limits gesetzt sind.
Das Resultat ist beeindruckend. Kaum spürbar sitzt die Hose und bewegt sich mühelos mit. Ich kann sie mir gut beim Klettern oder Boulder vorstellen, lange Schritte und lässiges Auftreten sind selbstverständlich. Der auch perfekt für den Pub am Abend und die Kulturtage in Edinburgh. Und wenn die Wanderhose wirklich mal vor Schlamm steht, kann man die Motion Light Pants auch super am Berg anziehen.

Willst du auch ein neues Lieblingsstück?

Schau doch mal bei Houdini vorbei. Die Marke ist noch nicht in allen Stores vertreten, manchmal sind auch nur kleine Teile der Kollektion erhältlich. Doch es lohnt sich! Die Homepage ist sehr hübsch gestaltet und man findet allerlei Informationen über Houdini’s Mission.

Beim Sporthaus Schuster beispielsweise findet ihr eine ganz gute Auswahl. Im Onlineshop kann man vorab auch ein bisschen stöbern. Und dann am besten in der Mittagspause im Laden am Marienplatz anprobieren. Auch bei der Bergzeit gibt es einen Markenshop. Allerdings ist das anprobieren hier immer nicht ganz so leicht – von München kommt man so selten bei den Shops in Holzkirchen und Gmund vorbei. Wenn man es nachhaltig betrachtet ist also – bestellen, schicken lassen, die hälfte wieder zurück schicken – doch nicht so nachhaltig.