Lieberdraussen Lieblings-Herbsttouren

“Die Bergsaison ist jetzt ja dann vorbei.” hören wir es immer wieder von weniger bewanderten Bekannten. Schade, denn eigentlich gibt es noch so viele Möglichkeiten. Nur weil November ist und weiter oben schon Schnee liegt, heißt das noch lange nicht, dass man drinnen bleiben muss. Wir haben für euch unsere Lieblings-Herbsttouren zusammengestellt. Für Langschläfer, Kraxler, Gipfelsammler und Angeber. Auf eine Wandersaison bis mindestens Silvester!

Spätherbstliche Stimmung am Rotwandhaus... nicht mehr lange bis die Sonne untergeht.
Spätherbstliche Stimmung am Rotwandhaus… nicht mehr lange bis die Sonne untergeht.

Tour für Gipfelsammler: Jägerkamp, Aiplspitz, Taubenstein, Rotwand. 

Region: Schliersee/Spitzingsee
Dauer: ca. 7 Stunden
Schwierigkeit: einfache Wanderung über Berg- und Almwege. Nur am Aiplspitz ein bissl Gekraxl bis zum Gipfel. Für jeden gut machbar, der Hände und Füße halbwegs unter Kontrolle hat und hier und da tiefe Einblicke mag.

So sieht’s aus: eine tolle Runde am Spitzingsee. Man parkt am Besten am Spitzingsattel. Von dort geht es links hoch über die Schönfeldalm zum Jägerkamp. Wenn man alle Gipfel mitnehmen will, geht man früh los, so dass man an diesem ersten Gipfel noch ganz allein ist. Von hier aus weiter zur Aiplspitze mit toller Sicht ins Alpenvorland. Am Taubenstein begegnen einem die ersten Turnschuhtouristen die mit der Gondel hoch sind. Für uns geht’s aber noch weiter, kurz auf den Gipfelfelsen und dann um das ganze Rotwandmassiv herum. Nach dem Gipfel wartet das ganzjährig geöffnete Rotwandhaus mit Kaiserschmarrn auf uns! Für den Abstieg empfehlen wir die Route über den Pfannengraben. Hier reihen sich unzählige Gumpen mit kleinen Wasserfällen, tiefen Schluchten und rauschenden Wassern aneinander. 
Das ist toll: die Tour ist zwar recht lang für eine Herbsttour, aber lohnt sich sehr! Man durchwandert ein großes Gebiet und hat unglaublich viel Abwechslung in der Strecke. Wenn man alle mitnimmt, hat man fünf Gipfel bestiegen!
Und bei Schnee: Das Rotwandhaus ist ganzjährig bewirtschaftet. Man kann die Tour also auch gut bei winterlichen Bedingungen gehen. Allerdings sollte man immer die Lawinenlage im Auge behalten.

Großartige Aussicht vom Höhenweg am Kolbensattel Richtung Kofel.
Großartige Aussicht vom Höhenweg am Kolbensattel Richtung Kofel.

Tour für Angeber: Kofel

Region: Ammergauer Alpen, Talort Oberammergau
Dauer: 2,5 Stunden
Schwierigkeit: Aussichtsreiche Tour auf imposanten Felszinken mit leichter Kraxelei.

So sieht’s aus: Die Tour beginnt in Oberammergau und führt auf den aussichtsreichen Hausberg. Schon von weitem sieht man den charaktervollen Felsen hervorragen. Man glaubt kaum, dass man diesen doch so einfach und schnell besteigen kann. In einer knappen Stunde erreicht man über stramme Serpentinen im Wald den Einstieg in die Kraxelei. Hier sieht man alles. Von Turnschuhen bis Klettersteigset – mei, mann muss halt wissen was man sich zutraut. Wir fassen gut hin und sind in 20 Minuten über ein paar Stahlstifte und zwei kurze Seile auf dem Gipfel. Von hier genießen wir die Aussicht und die nicht ganz verdiente Brotzeit. Wer von hier aus noch nicht genug hat – und der Tag noch lang genug ist – kann weiter über einen gemütlichen Höhenweg bis zur Kolbensattelalm. Fürs Kids ist hier allerlei geboten: von Kletterwald über Kaiserschmarrn bis zur Sommerrodelbahn ins Tal.
Das ist toll: Die Tour eignet sich super als Trainingstour. Schnell rauf. Schnell runter. Aber ordentlich schwitzen und super Aussicht. Für Bergneulinge immer beeindruckend, wenn man sagen kann, dass man da schon oben war.
Und bei Schnee: Nachdem der Gipfel nur 1342 Meter hoch ist, ist oft weit bis in den Winter Schneefrei. Wir waren auch schon mal bei sehr winterlichen Verhältnissen oben – naja, da ist das Stahlseil dann scho a bissl kalt.

Herrliche Aussicht am Zwiesl.
Herrliche Aussicht am Zwiesel.

Tour für Langschläfer: Zwiesel, 1.348 Meter

Region: Zwischen Bad Tölz und Lenggries, Talort Lehen
Dauer: 3 Stunden
Schwierigkeit: Gemütliche Tour auf gut markierten Forst- und Bergwegen. Auch prima geeignet für einen Wanderung mit Kind und Kegel.

So sieht’s aus: Die Tour beginnt am Parkplatz unterhalb der Gaststätte Waldherr. Von dort startet man – oft zusammen mit Spaziergängern – auf einem Forstweg. Gleich zu Anfang wird es einem ordentlich warm, denn es geht, wenn auch nur kurz, ordentlich steil über freie Wiesen bis zum Waldrand. Sobald man in den Wald eingetaucht ist, legt sich jedoch der Trubel, denn die meisten Spaziergänger haben sich nun verabschiedet. Gut ausgeschildert marschiert man nochmals steil bergauf, bis man die Bergbahn des Blombergs passiert. Von dort ist man im Nullkommanix beim Blomberghaus auf 1203 Meter Höhe, welches bis Anfang Dezember geöffnet hat. Wer mag, macht hier eine erste Kaffeepause. Meist ist jedoch so viel los, dass man gerne zügig Richtung Zwieselberg weiterzieht. Zunächst über eine Forststrasse, dann über steinige und erdige Absätze bis man über eine weitläufige Wiese bereits das Gipfelkreuz des Zwiesel sieht. Am Gipfel lohnt sich eine ausgiebige Brotzeit mit Blick auf das hügelige Umland. Der Abstieg erfolgt über die Schnaiter Alm und dann in engen Kehren steil bergab, bis man wieder beim Gasthaus Waldherr ankommt.
Das ist toll: Ausschlafen und dennoch eine Bergtour machen! Die Tour auf den Zwiesel bietet Berggenuss ohne große Planung bei dennoch wunderbarem Panorama vom Gipfel aus.
Und bei Schnee: Die Tour eignet sich super im Winter. Bei Schnee ist die Tour nicht sehr Lawinengefährdet und gut gehbar.

Immer wieder gerne: der Leonardistein am Tegernsee. Kurz und knackig rauf für eine herrliche Rundumsicht.
Immer wieder gerne: der Leonardistein am Tegernsee. Kurz und knackig rauf für eine herrliche Rundumsicht.

Tour für Kraxler: Leonhardstein, 1.452 Meter

Region: Tegernsee, Talort Kreuth
Dauer: 3,5 Stunden
Schwierigkeit: Meist gut markierte Wege und Steige. Zum Teil exponierte Stellen auf den letzten Metern bis zum Gipfel. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit schaden hier nicht.

So sieht’s aus: Man erkennt den Leonhardstein (auch: Leonhardistein) sofort durch seine markante Form – ein Felszacken inmitten des lieblichen bayrischen Voralpenlandes. Vom Parkplatz in Kreuch führt ein vornehmlich schattiger schmaler Pfad durch den Bergwald. Vorbei an Wasserfällen gelangt man zum eigentlichen Bergfuß. Ab hier wird es deutlich steiler und anstrengender – über meist glitschige Wurzeln und steinige Stufen geht’s bergauf. Je trittsicherer man ist, desto zügiger ist man hier unterwegs. Auf den letzten Metern zum Gipfel nimmt man gerne nochmal die Hände zu Hilfe und klettert über eine steinige Rinne bis zum Gipfelkreuz. Der Abstieg erfolgt dann auf dem gleichen Weg zurück.
Das ist toll: Eine kurze, aber abwechslungsreiche Wanderung, die im Vergleich zu umliegenden Gipfeln verhältnismäßig wenig begangen ist.
Und bei Schnee: Um Lawinen muss man sich hier wahrscheinlich wenig Sorgen machen. Wenn aber die Kraxelei oben zu verschneit oder vereist ist, wird’s ungemütlich.