La Palma: Ritt auf dem Vulkan

Während es bei uns noch kühl und regnerisch ist, genießt man im April auf La Palma bereits beste Voraussetzungen für den Start in die Radlsaison: Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad, ein riesiges Trailnetz und obendrein eine atemberaubend schöne Landschaftsvielfalt. Willkommen in unserem persönlichen Bike Paradies!

La Palma ist die nordwestlichste und die grünste Insel der Kanaren. Sie ist vulkanischen Ursprungs, welchem sie ihre hohen Berge, der Roque de los Muchachos ist mit 2.426 Metern der höchste, wie auch ihre üppige Vegetation verdankt. Für unseren Bikeurlaub wählen wir die Station Magic Bike in Los Llanos. Die dazugehörige liebevoll geführte Hippie Anlage El Porvenir ist eine wahre Oase mitten in der Altstadt und bietet alles was das Mountainbike Herz freut: einen Bikeverleih inklusive Werkstatt, in welcher Tobi mit Rat und Material bereit steht. Eine Selbstversorger Küche mit viel Platz im Kühlschrank und aller Gerätschaft, die man zum Kochen so braucht. Gemütliche Zimmer, teilweise mit eigener Terrasse. Und vor allem nette Leute, die wie wir, dass lieber draußen sein – ob auf dem Rad oder zu Fuß- lieben.

Pico Nambroque

Am ersten Tourentag fährt uns Sergio mit dem Shuttle zu unserem Ausgangspunkt, El Pilar. Von dort treten wir nochmal weitere 600 Höhenmeter bis auf 1.900 Meter auf den Pico Nambroque. Ein kurzes Stück gilt es noch das Bike zu tragen, bis wir unser wohl verdientes Bocadillo mit Käse und Avocado verspeisen dürfen. Teilen müssen wir dieses mit einer erstaunlich mutigen Eidechse, welche hinter unserem Rücken genüsslich, in unsere auf dem Stein liegende Semmel beißt. Auf staubigen gerölligen Untergrund geht es für die Gruppe über allerhand Absätze bergab. Mit Blick nach vorne gerichtet und “Gorilla-Position” lassen sich diese aber gut überwinden. Eine Schulklasse feuert uns beim Bergab Holpern begeistert an und bedankt sich mit Laola Welle. Dann geht es zum ersten Mal über schwarzen Lavasand. Unser Guide Daniel gibt uns gleich ein paar Tipps: Bremsen auf und mit dem Körper das Bike über die schwarze Fläche surfen. Zu guter letzt kommen wir noch in den Genuss des Marathon Trails. Ein für die Einheimischen angelegter flowiger Trail bringt uns über Anlieger, kleine Absätze und sogar mit etwas Airtime – wenn man will – bis nach El Paso. Über einen weiteren Trail und etwas Asphalt rollen wir bis nach Los Llanos unserem wohlverdienten Feierabend Bier entgegen.

Welcome to the Jungle Teil 1

Heute warten anspruchsvolle Trails auf uns und so sind wir dankbar, die meisten Höhenmeter dank Sergio wieder kräftesparend mit dem Shuttle zurück zu legen. Nur rund 100 Höhenmeter müssen pedaliert werden. Über mit Kiefernnadeln bedeckten Boden gehts für uns zunächst steil, dann gemäßigt bergab. Rutschige, aber nicht besonders enge Kurven erwarten uns hier. Wir verlassen kurz den Wald um dann wieder in eine atemberaubend grüne Landschaft, den Dschungel von La Palma, einzutauchen. Im Trail geht es jetzt vornehmlich um die richtige Linienwahl, um größeren Steinen auszuweichen und anspruchsvolle Absätze ohne kopfüber Salto zu meistern. Mental ist man ständig gefordert und die zentrale Position auf dem Bike und ein paar Ersatzschläuche werden zu den besten Verbündeten auf dieser Abfahrt. Manch Schlüsselstelle wird geschoben. Und dann kurz vor der Mittagspause kommt es zum Sturz. Bei einem Absatz verabschiede ich mich über den Lenker, das Bike landet direkt auf mir. Naja, wenigstens ist einer von uns weich gefallen! Etwas benommen bleibe ich erstmal liegen. Da ich die letzte bin, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich Zentimeter für Zentimeter unter dem Radl hervor zu kämpfen. Dank Protektoren bleiben größere Schrammen aus, die Schienbeine und Hände werden sich jedoch in den nächsten Tagen noch hübsch verfärben. Christoph stürzt folgenschwer auf Hand und Arme. Er wird zwei Tage pausieren müssen. Weiße Verbände, die er nicht ohne Stolz trägt, begleiten den Mann den restlichen Urlaub.

Roque de La Muchachos

Die Waden der Gruppe schmerzen, der Rücken ist verspannt und so sind wir alle nicht traurig , dass es heute etwas gemäßigter auf Mountainbike Tour geht. Sergio fährt unseren Bus samt Radanhänger geschickt die engen Serpentinen bis nach Tinizara. Entspannt pedalieren wir erstmal rund sechs Kilometer in leichtem auf und ab durch malerische Weinberge, Blumen- und Kakteenlandschaften. Kurz vor der Pause gilt es nochmal das Rad zu schultern und für rund zehn Minuten bergauf zu tragen. Wir kreuzen nun den Trail Roque de La Muchachos auf dem es wieder in stetigem auf und ab weitergeht. Es ist alles dabei: Tiefblick, der manch einen Radlern zu Schiebepassagen zwingt, verblocktes Gelände mit allerhand Stufen, aber auch flowige Passagen auf staubigen Untergrund. Ab jetzt ist Endspurt bis zum Küstenort Tazacorte. Auf einem alten Karrenweg geht es holprig in nicht enden wollenden engen Kurven nach unten. Ich schiebe um die Kurven – ordentlicher Tiefblick und mangelnde Konzentration raten ir dazu. Die letzten Kilometer geht es dann aber entspannt über Asphalt direkt ans Meer.

Welcome to the Jungle Teil 2

Wir starten in El Pilar. Verteilt auf fünf Kilometer, geht es 150 Höhenmeter für die Gruppe bergauf. Hört sich nicht viel an, dank Calima, einem heißen Wüstenwind aus Afrika, wird’s bei 31 Grad dennoch ganz schön schweißtreibend bis wir den Reventon Pass auf 1.416 Metern erreichen. Es geht nun wieder in den “Dschungel”. Auf dem Camino Real, dem allerersten Trail La Palmas, fahren wir wie immer holprig bergab. Volle Konzentration ist gefragt, geht es auch hier wieder um die richtige Linienwahl, insbesondere in den mit garstigen Steinen versetzten Kurven. Der Wald lichtet sich und unser Blick fällt nun auf eine wahre Mondlandschaft: schwarze Felsen und Sand, dazwischen vereinzelt einsame Bäumchen. Wir surfen, mehr oder weniger elegant, die letzten Tiefenmeter bergab, bis wir die ersten bunten Häuser von Santa Cruz erreichen. Die letzten Meter fahren wir durch die engen Häuserschluchten bis ans Meer. Bocadillo, kalte Cola und Cafe Solo sind jetzt mehr als wohlverdiente Energiespender. Mit dem Shuttle geht es dann nochmal nach El Pilar und von dort über den Marathon Trail nach El Paso und schließlich Los Llanos. Ich biege leider falsch ab und gehe unweigerlich verloren. Unser Guide Daniel liest mich nach etwas längerer Suchaktion und Telefonaten von der Straße auf. In der Zwischenzeit ist nun die andere Hälfte der Gruppe verloren gegangen. Doch auch diese findet sich irgendwann wieder und beim Feierabend Cerveza können alle schon wieder darüber lachen.

Zum Abschluss

Heute geht es für die Gruppe ganz in den Süden von La Palma. Startpunkt ist wie immer El Pilar. Rund acht Kilometer geht es auf einer staubigen Piste sanft auf und ab. Immer wieder öffnet sich der Blick auf die Wolkendecke unter uns. Wir radeln durch malerische Vulkanlandschaft, vorbei an Pinienwäldern und schwarzem Gestein, welches nur durch gelbe Blumen durchbrochen wird. Dann heißt es in der Mittagshitze rund eine halbe Stunde das Bike auf einen Vulkan tragen. Der Schweiß läuft über das Gesicht und Arme herunter, die Schultern schmerzen unter dem Mountainbike, die Füsse rutschen immer wieder auf dem schwarzen Sand weg. Oben angekommen, machen wir erschöpft Pause. Auf dem Vulcano Trail geht es nochmal technisch zur Sache: spitze Steine, Absätze und loses Geröll fordern Mut an den Schlüsselstellen. Auf losem schwarzer Sand surfen wir bergab – man hört mich bereits von Weitem: wuahhh, huch…..aber macht Spaß, wenn man sich darauf einlässt. Auf dem Camino Los Graneles geht es flowig bis zum südlichsten Punkt La Palmas, dem Leuchtturm in Faro de Fuencaliente. Wir genießen den wunderschönen Blick auf die blaue raue See. Letzter Tagespunkt ist nur noch die Einkehr in der Zamora Bar, hoch über dem Meer. Es gibt frischen Fisch und Papas Arrugadas con mojon. Nach zwei kalten Bier ist die Gruppe ganz schön lustig und philosophiert über Whistler, Saalbach und Chile als nächste Bike Destination. Was für ereignisreiche und wunderschöne Tage auf dieser Insel!

Und am Ruhetag?

Von Los Llanos aus seid ihr mit dem Bus in circa 40 Minuten am Strand Charco Verde. Dieser ist nicht der größte der Insel, aber aus diesem Grund auch nicht so überlaufen wie sein Nachbar Puerto Naos. Der kleine, aber feine schwarze Sandstrand punktet mit Süßwasser Dusche und hat eine nette Strandbar, welche alles von Paella bis Kaffee und Nüsschen bietet. Hübsch anzusehende Rettungsschwimmer sorgen für Recht und Ordnung an diesem Strandabschnitt. Sonnenschirme können (außer an Feiertagen) gemietet werden. Den Abend könnt ihr dann in Tazacorte in einem der Restaurants direkt am Strand ausklingen lassen. Bei frischem Fisch und romantischem Sonnenuntergang fällt das nicht allzu schwer.

Bikeurlaub auf La Palma kompakt

Beste Reisezeit: Prinzipiell ganzjährig, fürs Biken bietet sich vor allem der Zeitraum Oktober bis April an, da dann das Wetter noch nicht allzu heiß ist.
Wie hinkommen? Die Kanareninsel wird regelmäßig von Linien (Lufthansa, Iberia) und Charter (Condor, AirBerlin) Fluglinien angeflogen. Radgepäck kostet extra und muss angemeldet werden. Bei der Condor kostet dies circa 100 Euro für Hin und Zurück und war überraschend unkompliziert – bei der Online Buchung wie auch Gepäckaufgabe.
Wo übernachten? Eine schöne Homebase ist das El Porvenir in Los Llanos. In der Altstadt gibt es in Laufnähe viele nette Restaurants. Besonders empfehlenswert ist das Don Escaldon mit toller Dachterrasse und das La Vitamina mit leckeren frisch gepressten Säften und sogar veganen Gerichten.

Wo Touren buchen? Bei Magic Bike La Palma oder Bike’n’Fun – beides in Los Llanos. Natürlich kann man auch mit GPS unterwegs sein. Beachtet, dass die Trails selten ausgeschildert, Wanderwege, auf denen man auch teilweise mit dem Bike unterwegs ist, sind hingegen gut markiert. Ist man das erste Mal auf La Palma, lohnt jedoch ein Guide um die schönsten Ecken der Insel unkompliziert kennen zulernen.
Welche Bikeausrüstung unbedingt mitnehmen? Protektoren (Knie und Ellbogen), Radhandschuhe mit langen Fingern, Bike Rucksack, Enduro Radhelm, durchsichtige Brille oder Goggle (es ist teilweise sehr staubig!), Ersatzschläuche, Tool und Luftpumpe. Habt ihr euer eigenes Mountainbike dabei, bringt auf jeden Fall einen Schutz gegen Steinschlag an eurem Rahmen an – das Gelände ist oft mit losem Geröll bedeckt.