4. Königsetappe: hoch, runter, hoch, runter

Wir starten eine Stunde früher, denn es wird heute die anspruchsvollste Etappe unserer Transalp. Jedoch sind die Beine müde, die Hälfte der Gruppe invalid (Schulter, Rippen, Knie) und es ist arschkalt. Na sauber, da freut man sich doch schon richtig auf die angekündigten Rampen. Mit dieser positiven Einstellung und einer gehörigen Portion Respekt,  starten wir in Tag vier.

800 Höhenmeter und Gangcheck

Hört sich eigentlich nicht schlimm an. Man bedenke jedoch, dass in den Wadeln der Mädls bereits 148 Kilometer und 3.010 Höhenmeter stecken. Wir wollten es aber nicht anders und strampeln somit tapfer die ersten steilen 200 Höhenmeter nach oben. Gefühlte alle 30 Sekunden der Gangcheck – verdammt, das ist bereits der kleinste (wiederholt sich noch mehrmals an diesem Tag)! Doch dann wird es weniger steil, eine Schotterserpentine reiht sich an die nächste, Routine kommt auf. Sogar eine Mädls Unterhaltung über Freeride Schuhe (ja, man braucht zwei Paar), Radlklamotten (warum sind die für Frauen immer rosa oder lila?!) und Wildpferde (die hier irgendwo sein sollen) ist drin.

2.000 Meter: Durchzug und Fresskoma

Und plötzlich endet das monotone pedalieren und die erste Bergetappe des Tages ist geschafft. Wir sind hoch oben auf dem Dös Radond. Jetzt heißt es warm anziehen. Lange Hose, Mütze, Primaloft und Handschuhe kommen zum Einsatz. Es zieht wie Hechtsuppe, aber die Gruppe braucht erstmal Energie- und Flüssigkeitszufuhr. Ganz nebenbei haben wir eines der schönsten Panoramen. So stellen wir uns die Bergwelt Kanadas oder der USA vor.

Einmal Zähne klappern

Wir freuen uns nun auf den wohlverdienten Trail bergab ins Val Mora. Der kalte Fahrtwind lässt jedoch die Zähne klappern. Es pfeift an den Ohren. Unser Weg wird manchmal abenteuerlich schmal, wir queren Geröllfelder, haben Tiefblick, aber genau das macht den Reiz aus. Dann Mittagspause bei gehaltvoller Polenta mit Ei und Speck. Nur ein Espresso bewahrt uns vor dem Fresskoma.

400 Höhenmeter und Gangcheck

Der zweite Anstieg des Tages. Auch hier Spitzkehre an Spitzkehre, Gangcheck – verdammt das ist bereits der kleinste – aber irgendwann ist man oben, auf dem Passo Alpisella. Pause, wieder winddicht einkleiden, lange Radhandschuhe. Ab jetzt nur noch Downhill bis Livigno, unser Etappenziel für heute. Endlich können die Beine etwas entspannen, dafür werden die Finger beim Bremsen bergab umso mehr gefragt. Die Gruppe schafft es aber sturzfrei nach unten – es wäre auch kein Platz mehr frei im ‘Krankentransport Fahrzeug’ (wahlweise Gepäckshuttle, Postbus oder privat PKW). So ausgepowert, lassen wir die Königsetappe bei riesigen Eisbechern und einem kleinen Shoppingausflug in die Stadt, Livigno ist ein Zollparadies, ausklingen. Ein gelungener Tag!

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