Wandererlebnis Karwendelmarsch

Normalerweise ist unsere Gastbloggerin KP1040237atrin auf zwei Rädern in den Bergen unterwegs. Doch dieses Jahr galt es für sie ein herausforderndes Projekt zu Fuß in Angriff zu nehmen: den Karwendelmarsch. Das bedeutet 52 Kilometer und 2.300 Höhenmetern (bergauf UND bergab) in nur 14 Stunden – von Scharnitz nach Pertisau.

 

Wie schnell die Zeit verfliegt! Ein Event, für welches man sich im tiefsten Winter angemeldet hat, ist auf einmal da. So ging es mir mit dem Karwendelmarsch. Anmeldung im Januar, nachdem man an Silvester beschlossen hat, dass man unbedingt mitmachen will, und auf einmal ist bereits Ende August und der Termin steht vor der Tür.

Mit 3,7 km/h marschieren

In den zwei Jahren davor habe ich schon „Langwanderluft“ auf der 24h-Wanderung in Berchtesgaden geschnuppert. Die Herausforderung sollte nun sein, die Strecke in der vorgegebenen Zeit zu schaffen. Rein rechnerisch reicht eine Mindestdurchschnittsgeschwindigkeit von 3,7km/h. Da jedoch der Checkpoint Eng bei 35km bereits um 14.30 Uhr, also nach „nur“ 8,5 Stunden erreicht werden muss, damit man für den Rest der Strecke nicht aus dem Rennen genommen wird, ergeben sich für die ersten 35km knapp über 4km/h. Darin nicht berücksichtigt die notwendigen Pausen für Essen, Trinken, Umziehen, Fotos machen… Aber genug der Mathematik, man will ja eigentlich nur ein tolles Naturerlebnis.

Countdown – noch 12 Stunden bis zum Start

Am Freitag Nachmittag ging es also los in Richtung Scharnitz. Übernachtet habe ich aus Mangel an freien Unterkünften in Mittenwald. Dort gab es – wie sollte es auch anders sein – noch eine ordentliche Portion Pasta und ab ins Bett. Der Wecker sollte um 4.50 Uhr klingeln, denn Start war um 6 Uhr in der Früh. Es war schon lustig zu erleben, wie sich dann am Morgen eine lange Autoschlange durch Scharnitz bewegte. Die Bewohner standen mehrheitlich am Fenster oder hatten es sich mit Kaffee in den Vorgärten bequem gemacht, um dem Treiben zuzusehen. Klar, für sie war an Schlaf angesichts der vielen Autos auch nicht mehr zu denken.

Bloß den Stempel nicht vergessen

Pünktlich um 6 Uhr ging es dann los. Beeindruckend, wenn sich gut 2500 Starter im Dunkeln in Bewegung setzen. Es gibt zwei verschiedene Wertungen für den Karwendelmarsch: Lauf und Marsch. Und so sprinten die Läufer voraus, die Wanderer hinterher. Es kündigt sich ein warmer, wolkenfreier Tag an. Im letzten Jahr hatte es beim Start in Strömen geregnet. Dann lieber 30 Grad und Sonne. Zunächst ging es über Forstwege am Karwendelbach mit gemäßigter Steigung bergan. Die erste Labestation bei 9,5km bietet warmen Biokäutertee und Obst. Wichtig: Stempelkarte nicht vergessen! Nur mit Stempeln jeder Labestation gibt es am Ende das Finisherpaket.

Ein schlechter Tag für Mountainbiker

Nach dieser ersten Station geht es zunächst noch weiter sanft ansteigend in Richtung Karwendelhaus bis es dann in Serpentinen die letzten Meter deutlich bergauf führt. Da jeder sein eigenes Tempo geht, zieht sich eine lange, aber eher dünne Schlange den Weg entlang. Man hat definitiv nicht das Gefühl, mit so vielen Menschen gleichzeitig unterwegs zu sein. Gerade hier auf dem Weg zum Karwendelhaus wir mir jedoch klar: falls ich jemals die Karwendelrunde mit dem Mountainbike fahren möchte, mache ich das nicht am Tag des Karwendelmarsches. Die Mountainbiker haben einiges damit zu tun, uns Wanderer immer wieder zu überholen und sich im Slalom um uns herum ihren Weg nach oben zu bahnen. Labestation 2: Karwendelhaus bzw. knapp unterhalb dieses in einer weiten Kurve. Wieder heißt es: Wasser, ein wenig Energie (diesmal gibt es leckere Brote und tolle Fruchtriegel) und natürlich der Stempel.

Diese Socken kommen in den Müll

Nun geht es in den ersten Abstieg runter zum Kleinen Ahornboden, wo die nächste Labestation auf uns wartet. Der Abstieg über breite Forstwege ist erstmal locker, doch der Anstieg wird nun langsam anspruchsvoll. Das Ziel ist die auf gut 1.800 Meter liegende Falkenhütte. Es gilt also gut 500 Höhenmeter zu erklimmen. Zunächst auf Forstwegen, dann das letzte Stück auf einem schmalen, sehr steilen Pfad. Nicht umsonst wird dieser Anstieg von den Teilnehmern am meisten gefürchtet. Auch ich komme ordentlich ins Schwitzen, kann aber dennoch die grandiose Landschaft genießen. Oben an der Falkenhütte bietet sich eine tolle Aussicht auf den Weg, der schon hinter uns liegt und auf das, was noch kommt. Und das wird – zumindest für mich – richtig hart. Zuerst geht es wieder angenehm auf und ab unterhalb der Lalider Wänden entlang. Dann jedoch beginnt der Abstieg runter zur Eng. Insgesamt 600 Höhenmeter steilen, rutschigen und nicht enden wollenden Weg hinab. Volle Konzentration ist erforderlich. Ich bin froh, dass ich mit Stöcken unterwegs bin! Aber es machen sich meine Socken bemerkbar: scheuern nun an fast allen Stellen. Notiz an mich selber: diese Socken nicht mehr für Wanderungen nutzen!

Nach gefühlten 3 Stunden erscheint endlich die Alm am Talboden. Es ist nicht mehr weit und will nur noch dort unten ankommen. Da in Eng die Kurzstrecke zu Ende ist und somit einige der Teilnehmer ihr Rennen beenden und in den Bus steigen werden, der sie zurück nach Scharnitz bringt, fällt die Labestation in Eng entsprechend größer aus. Es gibt neben der obligatorischen Verpflegung und Stempelstation noch einen Zeitnahmebogen sowie die Finishertheke für die Kurzstrecke.

Endlich geht’s wieder hoch

Ich setze mich und genieße einen Becher Heidelbeersuppe und die energiespendenden Fruchtriegel. Ein Blick auf die Karte zeigt mir, dass es jetzt erst einmal wieder bergauf geht. Das Gramaijoch will erklommen werden. Ich und meine Oberschenkel und Füße freuen sich über die Aussicht, wieder bergauf steigen zu dürfen. Das liegt mir definitiv mehr. Auf dem Weg zum letzten Höhepunkt unserer Wanderung hat sich das Feld deutlich ausgedünnt. Man merkt, dass das Tempo abgenommen hat. Offensichtlich bin ich nicht die einzige, die Körner beim letzten Abstieg gelassen hat. In Serpentinen geht es nun den Hang hinauf zum Gramaijoch. Überholen wird schwierig, aber ich komme an, geniesse die Aussicht, mache Fotos.

Laufen ist definitiv besser als gehen

Ab hier sind es „nur“ noch 11 Kilometer – und zwar bergab. Ich beiße die Zähne zusammen. Zum Glück nehmen wir ca. 70 Prozent der Höhenmeter schon auf den ersten 3 Kilometer, dann geht es ab der Gramaialm sehr gemächlich fallend in Richtung Pertisau. Mir tut jedoch mittlerweile alles weh: Beine, Füße, Rücken. Ich merke die 10 Stunden, die ich bereits unterwegs bin. Noch 5 Kilometer! Bei meiner Geschwindigkeit bedeutet das noch 1 Stunde gehen. Das ist lang, vor allem, wenn man wie ich als Läufer weiß, dass man das in unter 25 Minuten schaffen würde. Zumindest laufend. Ich verfalle also in einen schnellen Trab. Und siehe da: laufen geht besser als gehen. Was eine Wohltat, sich dem Ziel in dieser Geschwindigkeit zu nähern. Ich passiere das Ortsschild von Pertisau. Noch einmal links abbiegen, dann die Hauptstraße runter. Da ist der Zielbogen. Nun noch richtig in den Zieltunnel abbiegen. Nach rechts. Wo ist die Zeitnahmematte? Noch 300 Meter. Und endlich. Ende. Geschafft. Ich bekomme direkt meine Finishermedaille umgehängt. Die Uhr zeigt 11 Stunden 21 Minuten. Ich bin fix und alle. Nicht nur die lange Dauer, die steilen Abstiege, sondern auch die Sonne und Wärme haben an mir gezehrt. Die 24 Stunden-Wanderung in Berchtesgaden, aber auch der letzte Marathon, scheinen gegen diesen Marsch lächerlich entspannt. Zum Glück werde ich abgeholt und muss mich einfach nur noch auf den Beifahrersitz des Autos hieven.

Fazit

Der Muskelkater in den Oberschenkeln hält noch 3 Tage an. Ich kann kaum laufen, sehr zur Freude meiner Kollegen am Montag im Büro. Aber schon kreisen die Gedanken ums nächste Jahr. Wieder mitmachen? Klar! Wieder der Marsch? Vielleicht. Vielleicht aber auch der Lauf. Denn die letzten Kilometer laufen war viel einfacher als marschieren…

Ich kann den Karwendelmarsch jedem empfehlen, der die gewisse sportliche Herausforderung in grandioser Landschaft sucht. Die tolle Organisation und ständige Betreuung durch die Bergwacht machen es zu einem leicht zugänglichen und sicheren Erlebnis. Und wer sich noch nicht an die lange Strecke ran traut, kann ja auf den 35 Kilometer üben.

Du willst auch zum Karwendelmarsch?

Alle Infos für 2016 findest du hier

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