Jotunheimen Classic Teil 1

1. Etappe: Anreise nach Gjendesheim

Bereits wenn man mit dem Bus von Oslo nach Gejdnesheim fährt bekommt man einen kleinen Vorgeschmack von der fantastischen Bergwelt von Jotunheimen. Knapp fünf Stunden ist man für die 300 km unterwegs auf einer sich schlängelnden Landstraße, die sich immer weiter hoch in die Bergebene zieht. Links und rechts sind nurmehr wenige Häuser zu erkennen und der Blick schweift über weite, karge Bergrücken. Obwohl man irgendwo auf 1200 m ist, ist die Baumgrenze fast überschritten.


Gjendesheim ist eine der großen Startplätze für Wanderungen. „Tal-Ort“ wäre übertrieben zu sagen, handelt es sich doch nur um eine DNT Hütte, einen Kiosk und einen Campingplatz. Nachdem die Straße durch fährt, ist hier aber viel los. Internationales Publikum, aber eben auch viele Norweger. Familien mit Kindern. Alt. Jung. Gruppen. Alleinreisende.

2. Etappe: Glitterheim im Einhornland

Die erste Berg-Etappe ist lang. 8 Stunden, über 22 km. Es gibt einige Ansteige, aber insgesamt ist es ein ausgeglichenes Auf und Ab. Vorbei an wilden Flüssen und ausgedehnten Seen. Der Blick reicht weit. Die Gedanken schweifen um so weiter. Es sind wenig Leute unterwegs. Wenn aber, dann sind sie dick bepackt, oft mit Zelt und Isomatte. Tageswanderungen gibt es hier nicht.

Es gibt einige lustige Hängebrücken, von denen ich gelesen habe, dass sie im Winter ganz abgebaut werden. Die Wege sind einfach, Gehgelände, teilweise blockig, viele Steine. Auf der ganzen Strecke sehe ich keinen einzigen Baum. Die Landschaft ist seltsam unberührt. Keine Almen, keine Wälder, keine Gipfelkreuze. Keine Kühe. Hier und da ein Schaf. Doch sind die Berge nicht nackt, sie vermitteln eher den Eindruck von Reinheit und Wildheit. Eine zurückhaltende Entschlossenheit. Der kleine Mensch zwischen drin geht ganz verloren.

Nach acht Stunden sehe ich von weitem die Hütte. Ganz klein auf der anderen Seite des Tals. Davor ein breiter, wilder Fluss, der sich ungebändigt durch das Tal schlängelt. Im Hintergrund zwei hohe Gipfel. Die Hütte heißt Glitterheim. Der Name hat mich von Anfang an begeistert und war mit ein Grund diese Tour zu gehen. Glitter-Heim. In meiner Vorstellung sehe ich Einhörner. Und Regenbögen. Nein, ich sehe den Fluss glitzern, den See und die Schneefelder weit oben auf den Gipflen…und mittendrin steht Glitternheim.

3. Etappe: Glittertind, Norwegens Nr. 2

Ich fühle mich sehr privilegiert zwei Tage hintereinander phantastisches Wetter zu genießen. Keine Wolke am Himmel, perfektes T-Shirt-Wanderwetter. Nicht zu heiß, nicht zu kalt. Heute ist ein Gipfeltag. Es geht über 1000hm rauf auf den Glittertind. Es gibt einen Gletscher, der wohl aber spaltenfrei ist. Schnee liegt zwar noch genug, der aber angeblich ohne weitere Schwierigkeiten zu begehen ist. Also los.

Über blockiges Gelände geht es etwa zwei Stunden bergan bis man den Schnee erreicht. Der Weg ist durch Steinmanderl und gemalte, rote „T“s gekennzeichnet. Je weiter man nach oben kommt, desto mehr sieht man von den Bergen außenrum. Der Blick öffnet sich weit. Doch der eigentliche Gipfel ist erst nach einiger Zeit zu sehen. Wie eine Perlenkette reiht sich eine Menschenkette auf dem Weg nach oben auf die Schneebedeckte Wächte. Bedrohlich ragt der Schnee über den Fels heraus, der etwa zehn Meter weiter unten sichtbar wird. Die Spuren aber sind ausreichend weit innen gesetzt, die Steigung nicht zu Steil. Der Gipfel liegt ganzjährig im Schnee, ist aber als zweithöchster Berg Norwegens sehr einfach zu begehen. Eine weitere Stunde im Schnee und ich erreiche problemlos den Gipfel. Fantastisch. Man hat ein rundum Panorama. Kein Zeichen menschlicher Zivilisation ist zu sehen. Nur Weite, Schnee und Einsamkeit.

Der Weg wieder ins Tal wird abgekürzt. Etwas unterhalb des Gipfels eignet sich der Gletscher für eine Rodelabfahrt. Zwar fehlt es mir an professionellem Gerät (in der Hütte gab es noch Zipfelbobs, die ich ignoriert habe), doch habe ich Handschuhe, Regenhose, Hardshell und eine super Alu-Sitzmatte, die einfach umfunktioniert wird. So werden 400hm eingespart!

4. Etappe: Spiterstulen, Pool und Sauna

Es ist schwierig, nach zwei wirklich fantastischen Etappen, die Erlebnisse noch zu toppen. So ist diese Strecke nach Spiterstulen zwar nicht minder attraktiv, aber der Erlbenislevel nicht ganz so hoch. Von Glitterheim geht entlang eines Flusses immer weiter hinten in das Tal. Fast auf gleicher Höhe bleibend folgt man dem Pfad, durchquert das Flussbett, klettert über massives Steinwerk und erreicht schließlich massive Gletscher, die bist unten ins Tal reichen. Teilweise aper, mit riesigen Spalten, weit oben im Schnee sieht man eine Rentierherde.

Nach diesem imposanten Schauspiel beginnt das Brockenfeld. Ich nenne es so. Denn es handelt sich um eine Strecke, vielleicht 1,5 Stunden über unhandliches Blockwerk. Jeder Schritt muss sitzen, höchste Konzentration ist gefordert. Augen und Füße hüpfen in perfektem Zusammenspiel über die Felsen.

Die restliche Strecke ist sehr aussichtsreich. Der Weg führt über eine weite Ebene, kaum mehr Höhenmeter sind zu gehen. Nach einer weiteren Stunde beginnt der Abstieg. Ich sehe zum ersten Mal seit drei Tagen wieder Bäume und eine Straße. Unten im Tal sieht man bereits die Dächer von Spiterstulen, der Unterkunft für die Nacht.

Nicht alle Hütten auf dem Weg sind DNT Hütten, so wie es auch bei uns private Hütten neben der DAV Hütten gibt. Spitersulen ist eher ein Berghotel. Es erwartet einen mit mehreren Häusern, traditionell gebaut. Das Hauptbaus hat einen wunderschönen Speisesaal mit Panoramablick und ein sehr stimmungsvolles Kaminzimmer. Pool und Sauna sind im Keller, es gibt Wifi und richtig tolles Essen. Spiterstulen ist der Ausgangspunkt für sehr viele Wanderungen. Unter anderem auch auf den Galdhopiggen, den höchsten Berg Norwegens

Lest hier von Teil 2 der Reise durch Jotunheimen!