Hüttenwochenende #5: Rosengarten-Runde

Seit Melanie und ich 2014 die Alpen überquert haben (die lange Runde von München nach Venedig) sind mir die Dolomiten nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Über zwei Wochen sind wir damals den Dolomitenhöhenweg #2 gelaufen und ich war schockverliebt in dieses Gebirge. So vollkommen anders als unsere lieblichen Voralpen. So gewaltig, massiv, spektakulär, dass man es kaum in Worte fassen kann. Erst vier Jahre später mache ich mich wieder auf zu einer Tour.

Die Dolomiten

Die Dolomiten sind eine Gebirgsgruppe der südlichen Kalkalpen. Bedeutet: Italien! Norditalien, aufgeteilt auf die Provinzen Belluno, Trient und Südtirol. Seit 2009 gehören Teile der Dolomiten zum UNESCO-Weltnaturerbe Dolomiten. Man kennt verschiedene Teile, man hat Bilder auf Instagram gesehen, von Hütten gelesen und Mythen von großen Klettersteigen gehört. Höchster Berg der Dolomiten ist die Marmolata mit 3342 Metern Höhe. Weitere bekannte Gipfel oder Massive sind die Drei Zinnen, die Sella, der Rosengarten, der Schlern, die Geisler und der Langkofel.

Diesmal soll es der Rosengarten sein! Klingt irgendwie lieblich und ist von der Sage um König Laurin umgeben. Hier wird versucht das rote Glühen der Bergregion zur Dämmerungszeit zu erklären. Ein Liebesgeschichte, ein uneinsichtiger Zwerg, Zaubergürtel, Tarnkappe und eben die Hochebene um Gartl und Vajolettürme.

Die Anfahrt von München dauert 3:20h und führt über Gamrisch, Innsbruck, Brenner, Brixen, Bozen. Von hier kann man noch nicht erahnen was einen erwartet. Erst wenn man die schmale Bergstraße viele Serpentinen hoch ins Eggental nach Tiers fährt erblickt man die majestätischen Türme der Rosengartengruppe.

Schlernhaus und Vajolet Hütte

Die Rosengartengruppe ist von einem sehr engen Hüttennetz durchzogen. Man läuft kaum zwei Stunden ohne an einer weiteren Hütte vorbei zu kommen. Und was für Hütten! Massive Bollwerke, alpine Refugien aus Stein und Holz. Gebaut für die Ewigkeit, den Elementen trotzend und doch ein heimeliger Ort der Bergsteiger willkommen heißt.

Auf meiner Tour entscheide ich mich für zwei Hütten zum übernachten. Das Schlernhaus und die Vajolet Hütte. Auf dem Weg aber komme ich vorbei an der Tierser Alpl, der Grassleitenpasshütte, der Rotwandhütte und der Rosengarten Hütte. Jeweils ebenso verlockend und gut für eine Mittagsrast oder zumindest ein Fotomotiv.

Das Schlernhaus ist eine große Schutzhütte, die bereits von Weitem erkennbar ist. Sie liegt unterhalb des Monte Pez, quasi auf dem Schlern und ist von der Hütte in einer viertel Stunde erreichbar. Eignet sich also bestens für Sonnenunter- oder Aufgang, denn vom Petz aus hat man ein vortreffliches Panorama. Der weitreichender Ausblick öffnet sich in die Dolomiten und zu den Gletschern des Alpenhauptkammes – dazu herrliche Tiefblicke auf die Seiser Alm. Und natürlich sieht man die Rosengartengruppe in der Dämmerung!

Als ich auf die Hütte komme ist Volksfeststimmung. Die Dorfgemeinschaft ist versammelt, Blasmusik spielt, es gibt Geisselschnalzer, Bierfässer und ausgelassene Stimmung. Der große Speiseraum gleicht eher einem Rittersaal, das Essen ist gut, das Hüttenteam jung und motiviert.

Am nächsten Tag erreiche ich die Vajolet Hütte. Ganz anders gelegen, ein einem Kessel umrandet von Vajolettürmen, Rotwand und Rosengartenspitze. Die Hütte dient besonders Kletterern und Klettersteiggehern Unterschlupf – was man bereits an Material und Outfit der Besucher sieht. Gleichzeitig ist die Hütte für viele Italiener ein Tagesausflug, da sie von der anderen Seite leicht und schnell erreichbar ist. Es ist also viel los! Aber wen wundert das, bei der Aussicht…

Bärenfalle, Grassleitenpass, Vajoletttüme

Die Tour führt mich in drei Tagen einmal um und durch die Rosengartengruppe. Von außen betrachtet kann man sich kaum vorstellen wie das gehen soll. Schier unüberwindbar stehen die riesen Felstürme vor einem.

Man nähert sich aber ganz geschickt von der Seite. Von Weißlahnbad aus geht es in 3-4 Stunden und knappen 1.600hm aufs Schlernhaus. Man kann also gemütlich aus München losfahren und den Aufstieg noch am selben Tag machen. Der Weg führt durch die so genannte Bärenfalle. Ein schluchtartiger Einschnitt bringt einen über enge Stiegen und steile Stufen in konsequenter Steigung zum Tschafatschsattel. Von hier aus wird es flacher und es geht über die Schlern-Südflanke zur Hütte hoch.

Der nächste Tag beginnt mit einem entspannten Übergang auf dem Schlernplateau, immer mit der Rosengartengruppe im Blick. Immer näher kommt man steilen Felsflanken, bis man selbst hinabsteigt und nach guten zwei Stunden die Tierser Alpe erreicht. Kurzes Gekraxel im Felsgelände und über mäßig steile Schutthänge zum Molignonpass. Das Wetter ist bei meiner Tour sehr durchwachsen. Immer wieder ziehen dichte Wolken durch die Felskessel, so dass nur sequenziell der Blick frei wird. Doch gerade das macht es spannend! Denn kurze Zeit später erreiche ich eine weitere Einsattelung, die mir den Blick auf den Grassleitenkessel öffnet. Zuerst – durch Wolken verhangen – sehe ich nur die steile Schuttrinne die mich in unzähligen Serpentinen in den tiefen Kessel hinab führt. Links und rechts ragen endlose Felsen auf. Bis plötzlich der Blick frei wird auf das, was mir bevor steht. Hat man einmal den Kesselboden erreicht, muss man eine noch größere Steigung auf der anderen Seite überwinden, die von hier bedrohlich und kräftezehrend wirkt. Doch wie es in den Dolomiten so ist, es sieht alles ein bisschen schlimmer aus, als es dann tatsächlich ist. Bis zum Grassleitenpass brauche ich eine knappe Stunde und ich bin weder abgestürtzt, noch musste ich vor Erschöpfung oder Panik umkehren.

Die Grassleitenpass-Hütte ist erreicht und bietet eine tolle Rast. Beste Ausblicke in das obere Vajolettal und auf die Gipfel ringsum. Von hier geht es gemütlich in einer Stunde zur Vajolet Hütte.

Der letzte Tag führt mich zurück nach Weißlahnbad. Die Etappe ist lang, führt aber über weite Strecke um die West- und Südflanke des Rosengartenmassivs. Vorbei an der Rotwand Hütte und entlang eines zauberhaften Höhenwegs.

Unendliche Möglichkeiten

Die beschriebene Tour ist nur eine der vielen Möglichkeiten. Die Etappen können aufgrund der Hüttendichte auch länger oder kürzer gestaltet werden. Die Runde muss keine Runde sind, sondern könnte einen auf als Überschreitung weiter Richtung Grödnertal oder Sellastock führen.
Besonders bei guter Sicht erkennt man schnell wie eng beieinander die vielen Highlights der Dolomiten liegen. Überall ragen diese unverwechselbaren Formationen auf und laden einen ein länger zu verweilen. Ich bin noch lange nicht fertig mit den Dolomiten. Als nächstes stehen – hoffentlich bald – die drei Zinnen auf dem Programm.

Die Daten:

Dauer: 3 Tage
Übernachtung: Schlernhaus, Vajolet Hütte
Highlight: Aussicht, Landschaft, Italien!
Gipfel: keine, der Weg ist das Ziel!