Hüttenwochenende #4: Alpine Hüttenrunde im Pitztal

Wenn man aktuell versucht am Wochenende einen Lagerplatz zu reservieren, wird mal vielerorts auf den September verwiesen. Es scheint als seien alle Hütten im Münchner Einfluggebiet für die Saison ausreserviert. Da lohnt es sich manchmal ein bisschen weiter weg zu gucken und Neuland zu entdecken. Sowohl was die Hütten angeht, aber auch müssen es nicht immer die aller bekanntesten Gipfelziele sein.

Pitztaler Bergwelt

Das Pitztal ist ein südliches Seitental des Inntal, etwa 40 km lang und verläuft weitgehend parallel zum Ötztal. Etwas weniger bekannt und doch nicht minder schön. Die Struktur der Berge ist sehr ähnlich. Wir befinden uns in den Zentralalpen, die Berge sind durchaus hoch. Von lieblichen Wiesenhängen geht es richtig weit hoch auf weit über 3.000m. Es gibt große Gletscher, ein gut ausgebautes Hüttensystem und ein dichtes Wintersportnetz. Man kennt vielleicht den Pitztaler Gletscher oder die Hochzeiger Bergbahnen aus dem Winterurlaub. Für den Sommertourismus kann man diese Strukturen natürlich auch nutzen, wobei hier weitaus weniger Beträge herrscht.

Von München aus ist man in gut 2h20min in Jerzens, wo wir unsere Wanderung beginnen. Man fährt über Garmisch, Fernpass und zweigt dann bei Imst ins Pitztal ab. Gut also machbar für ein langes Wochenende. Solang kein Ferienbeginn ist oder aus irgendwelchen anderen Gründen die enge Passstraße verstopft ist – wunderbar.

Erlanger Hütte und Ludwigsburger Hütte

Die zwei Hütten auf der Tour sind sehr unterschiedlich. Die Erlanger Hütte liegt auf 2.500m und stammt aus den 30gern. Bei unserem Besucht ist sie vielleicht halb belegt, die Wirte sind sehr herzlich und entspannt. Wir werden persönlich empfangen, finden Platz in einem putzigen 2er-Zimmer und genießen am Abend ganz feines Steinbockgulasch. Die Stimmung ist entspannt, alle genießen die Ruhe und die Aussicht. Die Hütte liegt gleich unterhalb des malerischen Wettersees. Hier nehmen wir ein eiskaltes Bad und fühlen uns erfrischt von dem langen Tag.

Die Ludwigsburger Hütte empfängt uns in ganz anderer Stimmung. Voll belegt, Lagerplatz und die Toilette am anderen Ende des Hauses. Auf der Terrasse ist es zu voll, die Duschmünze reicht nur für 30 Sekunden und wahrscheinlich denken wir schon wieder zu viel an den kommenden Montag. Ich will nicht zu viel motzen, es gibt auch einen schönen Kinderspielplatz, das Essen war erstaunlich gesund und es gab keine Schnarcher im Lager. Abends kamen alle Kühe, zwei Pferde, ein Esel alle runter zur Hütte und grasten im Sonnenuntergang. Sehr Stimmungsvoll.

Wildgrat und Fundusfeiler

Hier haben wir es mit zwei alpinen Schmankerln zu tun. Vor der Tourenplaung hatte ich von diesen beiden Gipfeln nichts gehört. Der Wildgrad ist schnell zu verwechseln mit der Wildspitze, doch nicht vergleichbar mit dem Anspruch. Wildgrat und Fundusfeiler also, lassen sich zu einer schönen Rundtour im Pitztal verbinden. Es erben sich drei herrsche Wandertage, mit Etappen von 6 bist 7 Stunden. Beide Gipfel sind um die dreitausend Meter hoch. Der ein knapp drunter, der andere knapp drüber. Beide werden im oberen Teil durchaus alpin. Es gib kraftraubende Blockkletterei, bröseligen Fels, luftige Kraxelstellen und weite Schuttreißen. Zwischendrin aber sind wir verzückt von blühenden Alpenrosen, wilden Bächen, grasenden Schafen und lieblichen sich schlängelnden Wegen. Bis auf die direkten Gipfelanstiege ist die Tour recht unkompliziert. Oben sollte man sich allerdings gut konzentrieren und ordentlich hin fassen.

Obacht bei der Tourenplanung

Ich habe diese Tour aus einem dieser kleinen lustigen Hefte vom Alpenverein. Stehen schön an der Servicestelle, kostenlos zum mitnehmen. Alle möglichen Touren, von leicht bis schwer. Und eigentlich würde man davon ausgehen, dass der Alpenverein halbwegs sinnvolle Empfehlungen gibt. Nun bin ich doch recht viel in den Bergen und kann meine Fähigkeiten ganz gut einschätzen. Auch habe ich schon einige Touren geplant, Beschreibungen gelesen und Risiken abgeschätzt. Bei dieser Tourenbeschreibung allerdings ist irgendwas schief gegangen. „Pitztaler Sonnenrunde für Genusswanderer und Familien“. Die Gipfelanstiege werden als „kurz stramm bergauf“ bezeichnet und die Zeitangaben sind völlig absurd. Zum ersten mal stutzig werden wir, als die Dame an der Gondel (die nimmt man für die ersten Höhenmeter aus Jerzens) die Augen weit aufreißt und uns wart, das sei doch eine schwarze Tour. Die zweite Überraschung kommt beim Blick auf den Wegweiser. Während in unserer Tourenbeschreibung 3-4 Stunden für den gesamten Weg bis zur Hütte angegeben sind, steht hier es dauert schon 4 Stunden nur bis zum Gipfel des Wildgrat.

Zuerst denken wir an eine gesunde Warnung an die Touristen. Soll sich ja keiner Überfordern und unnötig in Bergnot kommen. Doch die Tour zeigt wirklich, dass hier was nicht stimmt. Wir brauchten tatsächlich genau so lang wie auf dem Schild steht. Und der Gipfelanstieg ist absolut nicht für Genusswanderer geeignet. Für uns war das gut machbar, doch der ein oder andere könnte hier in Schwierigkeiten kommen.

Wie geht man damit um? Ich muss mich selbst an die Nase packen. Auch ich habe nicht nochmal extra recherchiert. Zwar habe ich eine richtige Wanderkarte dabei, doch habe ich weder bei den Hütten angerufen um nach den Bedingungen zu fragen, noch habe ich die Gipfeltouren im Netz recherchiert. Es soll uns eine Lehre sein!

Die Daten:

Dauer: 3 Tage
Übernachtung: Erlanger Hütte / Ludwigsburger Hütte
Highlights: Baden im Wettersee
Gipfel: Wildgrat und Fundusfeiler