Hüttenwochenende #3: Einfache Gletschertour im Ötztal

Für viele Bergsteiger ist es ein großer Traum einmal einen 4.000er zu besteigen. Eine Hochtour mit Seilschaft, Gletscherspalten und hochalpinen Aussichten. Doch wenn es nicht unbedingt die magische vier braucht, dann gibt es dieses Abenteuer auch ohne eine geführte Reise in die Schweiz. Das Ötztal beispielsweise bietet eine ganze Reihe von sagenhaften Hochtouren. Diese Tour ist eine ideale Einsteigertour mit tollen Aussichten, einfachen Routen und gemütlicher Hütte.

Wo der Ötzi wohnt

Im 65 Kilometer langen Tal befinden sich die fünf Gemeinden Sautens, Oetz, Umhausen, Längenfeld und Sölden. Das Ötztal ist vor allem durch seine Wintersportgebiete in Sölden-Hochsölden, Obergurgl-Hochgurgl und Oetz international bekannt. Von München fährt man ca. 2,5 bis 3 Stunden ins das Tal hinein. Für eine Tagestour zu weit, aber wenn man ein langes Wochenende hat, lohnt sich die Anreise allemal.

Den Ötzi kennt man auch. Zumindest vom Hörensagen. Der Mann aus dem Eis, Mumie vom Similaun – ist eine Gletschermumie aus der späten Jungsteinzeit bzw. Kupfersteinzeit und sorgte 1991 für großes Aufsehen. Mithilfe der Radiokohlenstoffdatierung wurde der Todeszeitpunkt des Mannes auf zwischen 3359 und 3105 v. Chr. bestimmt, das Alter der Mumie beträgt damit heute circa 5250 Jahre. Man kann noch heute die Fundstelle besuchen. Bei uns steht das aber heute nicht auf dem Plan.

Vernagt Hütte (Würzburger Haus)

Die Vernagthütte, auch Würzburger Haus genannt, ist eine Alpenvereinshütte der Sektion Würzburg des Deutschen Alpenvereins. Sie liegt im hinteren Rofental im Weißkamm der Ötztaler Alpen, unterhalb des Guslar- und des Vernagtferners.

Der Aufstieg erfolgt von Vent auf dem bezeichneten Weitwanderweg. Zunächst geht man auf der Straße oder westlich auf dem Pfad zu den Rofenhöfen, 2011 m. Von hier geht es weiter auf dem Fahrweg zur Rofenalm, 2096 m, bei der sich die Talstation der Materialseilbahn befindet. Wir dürfen netterweise unsere Autos hier abstellen und sparen uns damit eine Stunde Teerstraße. Von dort geht es sanft geradeaus in das Tal hinein, einige Serpentinen hoch, um den Rücken herum und leicht absteigend in den Graben des Vernagtbaches und weiter talein, bis der Weg zuletzt nach links über den Bach und hinauf zur von weitem sichtbaren Hütte führt.

Die Hütte ist sehr imposant. Mit gut 50 Betten und 70 Lagern nicht gerade klein. Auffallend sind die neu gemachten Bäder. Sehr hübsch. Es gibt zwei große Terrassen mit guter Sicht. Das Essen ist überraschend gut. Die Halbpension umfasst Suppe, Salat!, Spaghetti Bolognese und Palatschinken mit Eis.

Fluchtkogel

Der Fluchtkogel liegt inmitten des Weißkammes und zählt alleine schon wegen der relativ leichten Erreichbarkeit und seiner fantastischen Aussicht zu den beliebteren Gipfelzielen in den Ötztaler Alpen. Fantastischer Blick über den mächtigen Gepatschferner bis hin zur mächtigen Weißkugel, die wie ein Wächter am westlichen Ende des Ferners über dem Firn thront. Ebenso in die Gegenrichtung zur Hochvernagtspitze und zur Wildspitze – dem höchsten Berg Nordtirols. Wir kommen von der Vernagthütte, sind in ca. 3 Stunden am Gipfel. Es geht über schneereichen Gletscher in mäßiger Steigung und sehr aussichtsreich zum Gipfel. Dieser wäre auch von der anderen Seite aus zu erreichen. Über das Brandenburger Haus. Dieses sehen wir von der Entfernung mitten im Gletschermeer thronen.

Für uns ist die Tour entspannt. Wir sind acht Personen, also zwei Seilschaften. Klar braucht es Gletscherausrüstung und entsprechende sicherheitsdienliche Kenntnisse. Wir üben also alle nochmal den Mannschaftszug und den Umgang mit Eispickel. Unsere Gruppe ist ganz durchmischt. Vom bergerfahrenen Vollprofi bis zum Gletscherneuling alles dabei. Wir sind also gut aufgehoben und die Tour ist bestens für unsere Gruppe geeignet. Danke an dieser Stelle nochmal an die Orga!

Seuffertweg zur Breslauer Hütte

Diese Ecke des Ötztals hat nicht nur Gletscher zu bieten. An unserem letzten Tag beschließen wir über den Seuffertweg zur Breslauer Hütte zu gehen. Ein stückchen runter von der Hütte und auf der andern Talseite wieder raus. Von hier aus in gut drei Stunden auf angenehmen Panoramaweg in leichtem Berg auf und ab bis zur Hütte. Hier geht es um absolutes Genusswandern mit fantastischen Ausblicken auf die umliegenden Gipfel. Belohnt wird man an der Breslauer Hütte mit herrlichem Kaiserschmarren oder Topfenstrudel und entspannter Atmosphäre auf der Sonnenterrasse. Von hier ist der Weg runter zum Auto nicht mehr weit – in gut einer Stunde (und 800hm Serpentinen runter) sind wir wieder am Parkplatz.

Die Daten:

Dauer: 3 Tage
Übernachtung: Vernagt Hütte 2755m
Highlights: Aussicht vom Fluchtkogel auf das Brandenburger Haus mitten im Gletschergebiet
Gipfel: Fluchtkogel 3.500m