Die Höllentalangerhütte

Beliebtes Ausflugsziel und unerlässlicher Stützpunkt auf dem Weg zu Deutschlands höchstem Berg: die Höllentalangerhütte. Knapp ein Jahr nach Eröffnung besuchen wir erstmals die neue Hütte.

Die Ur-Hölle

Seit mehr als 100 Jahren bot die alte Höllentalangerhütte, die so genannte “Ur-Hölle”, Bergsteigern und Ausflüglern Schutz und Unterkunft. Zahlreiche Umbauten, Lawinenschäden, Kriegswirren und Erweiterungen hat die Hütte überstanden – bis in den 1990 Jahren erstmals über einen Neubau nachgedacht wurden musste. Veraltet, zu klein, nicht vorschriftsgemäß, nicht lawinensicher. Viele Entwurfsphasen, Planungsstufen, Kostenrunden, Genehmigungsrückschläge und Nervenbündel später konnte im August 2015 der Neubau eröffnet werden. Das aber soll nicht das Aus für die Ur-Hölle sein. Sie findet eine neue Heimat auf der Praterinsel in München, als Teil des Alpinen Museums.

Schön gebaut und gut gedacht

Nähert man sich das erste Mal von der Klamm kommend der neuen Höllentalangerhütte so mag man erstmal etwas irritiert sein. Ein großer, heller Kasten mit flachem Dach. Kein Satteldach. Keine Fensterläden. Keine dunkel-urige Klischee-Atmosphäre. Dafür aber Panoramafenster, eine große Terrasse und ein moderner, fast designiger Gastraum.

“Jedes Gebäude entsteht aus dem Bauort.” So Stephan Zehl, der Architekt der neuen “Hölle”. So entdecke ich eine durchdachte Kombination aus Tradition und Moderne, aus Behaglichkeit und Zweckmäßigkeit. Ein stylischer Herrgottswinkel, ein uriges Schild auf neuem Holz, ein modernes Logo auf traditioneller Speisekarte. Ich freue mich über Zuchinikuchen und erstaunlich guten Espresso.

Nicht nur das optische Konzept geht für mich auf. Auch ist die Hütte nachhaltig gebaut. Teile des alten, immer wieder erweiterten Gebäudes, waren über hundert Jahre alt. Insgesamt entsprach der verschachtelte Bau nicht mehr den behördlichen Auflagen zu Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung, Energieeffizienz, Brand- und Lawinenschutz. Da hilft einem Hüttenromantik wenig. Der Neubau ist nun hochgedämmt, mit Kläranlage und eigenem Wasserkraftwerk für die ökologisch nachhaltige Stromerzeugung und erfüllt nun die neuesten Vorgaben.

Viel mehr als nur Zugspitze

Ich kannte die alte Höllentalangerhütte nur als Zustiegshütte zur Zugspitze. Vor vielen Jahren bin ich in den Genuss der Ur-Hölle gekommen und habe hier – nach einer vor Aufregung durchwachten Nacht – meine erste und einzige Besteigung der Zugspitze übers Höllental begonnen. So werden es viele tausend andere Bergsteiger vor und nach mir auch gemacht haben – wodurch die Hütte natürlich eine gewisse Beliebtheit und Bekanntheit erlangt hat.

Allerdings gibt es im direkten Umfeld der Hütte eine Vielzahl an durchaus anspruchsvollen und attraktiven Bergtouren, die leider etwas im Schatten der großen Madame stehen. Um so mehr sollte man sich diese Gipfel genauer ansehen, vielleicht spart man sich die Menschenmassen und erlangt einen ungeahnten Blick aufs Zugsitzmassiv.

Ich freue mich schon auf Touren zum großen Waxenstein, zur südlichen Riffelspitze, zur Gieskarscharte, zum Höllentorkopf oder gar weiter bis zum Osterfelder. Der Stangensteig verspricht beeindruckende Blicke in die darunter liegende Höllental Klamm. Der Übergang zum Kreuzeckhaus ist aussichtsreich und familientauglich. Ach, und allein schon der Weg hin zur Höllentalangerhütte ist die perfekte 2-Stunden-Kaffee-Klatsch-Runde.

Zahlen und Fakten

Talort: Garmisch-Partenkirchen / Hammersbach
Höhe: 1387m
Zustieg / Touren: 1,5-2,5 Stunden
Schlafplätze: 2 Matratzenlager mit je 23 Plätzen, 10 Sechsbettzimmer, gesamt 106
Ausstattung: Waschräume & Duschen, WC Damen / Herren, Trockenräume, Schuhräume, Gruppen-/ Seminarraum, WLAN, Webcam

Pächterfamilie: Silvia & Thomas Auer
Reservierung: +49 163 554 2274, info@hoellentalangerhuette.de