Guffert – Aussichtsberg und alte Bekannte

Nicht ganz bis nach Venedig. Aber es ist nur ein Tag Zeit und der Drang nach draussen ist ungebremst. Kein Hirschberg, Herzogstand oder Wallberg. Keine Gondel, keine Karawane und auch keine Flipflop-Flachlandtiroler. Der 2194 Meter hohe Guffert bildet mit dem Guffertstein einen auffälligen Doppelgipfel im Rofangebirge und liegt zwischen Achensee, Inntal und den bayerischen Voralpen. Wir sind heute ‚lieber draussen‘ allerdings nur in halber Besetzung. Dafür aber mit einem alten Bekannten und tierischer Begleitung.

Jan lernen Melanie und ich bereits in der ersten Woche auf dem Weg nach Venedig kennen. In unserem Bericht ‚Kameraden auf Zeit’ schreiben wir über Bekanntschaften, Gespräche und Vater und Sohn. Heute aber begleitet mich nur der Sohn. Dafür aber mit Hund Charly. Das ist neu für mich – mit Hund am Berg. Aber es gibt unterwegs keine panischen Kühe und ich bin immer wieder beeindruckt, wie bergtauglich so ein kleiner (wahnsinnig niedlicher) Beagle eigentlich sein kann.

Wir haben Glück mit dem Wetter. Obwohl für den Nachmittag Regen angekündigt ist, empfängt uns der mächtige Gebirgsklotz mit strahlend blauem Himmel und spätsommerlichen Temperaturen. Der Aufstieg gestaltet sich abwechslungsreich. Von Steinberg geht es zuerst durch schattigen Wald und bald zwischen dichten Latschen weiter bergauf. Es wird keine Zeit verschwendet. Der Weg ist steil und wir gewinnen zügig an Höhe. Immer wieder kommen die Hände zum Einsatz. Ein kurzes Stahlseil. Eine steile Stufe. Charly ist mal vor uns, mal hinter uns, dann wieder für eine Weile im Dickicht verschwunden. Aber offensichtlich geht es ihm gut. Schon sind wir auf einem grasigen Plateau, das sich wunderbar für eine Brotzeit eignet. Wir reden über Wanderwege, Werdegänge, Veganer und die Hundeschule. Die Berge machen redselig und die gemeinsame Erinnerung schafft Vertrauen. Der Blick reicht übers Karwendel bis zum Alpenhauptkamm. Obwohl wir noch vor wenigen Wochen irgendwo da hinten drüber gewandert sind, scheinen die Gipfel unwirklich weit weg zu sein.
Von hier aus ist es nicht mehr weit. Der felsige Gipfelanstieg erfordert allerdings noch etwas Konzentration. Der Hund tut sich fast leichter als wir, hat er doch vier anstatt zwei Beine zur Verfügung. Inzwischen haben sich dunkle Wolken zusammengebraut und das Kreuz kurzfristig in trübes Weiß gehüllt. Gipfelfoto. Gipfelschnaps. Dann ein zügiger Abstieg. Kurz bevor es richtig zu Regnen beginnt, kommen wir wieder ins Tal. Ein guter Tag.
Die Tour in Kürze:
Gipfel: Guffert (2194 Meter)
Aufstieg: ca. 1200 hm
Zeit: ca. 3 Stunden Aufstieg, ca. 2,5 Stunden Abstieg
Ausgangsort: Steinberg/Tirol
Einkehr: Keine Hütte unterwegs. Gasthof ‚Waldhäusl‘ im Tal
Schwierigkeit: Meist leichte Bergwege. Beim Gipfelanstieg ist Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich.
Tipp: Tour mit (bergtauglichem) Hund gut machtbar, da keine Viehweiden oder Almen gekreuzt werden.

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