Feuer machen für Anfänger

Als Kind waren wir leider nicht bei den Pfadfindern. Wir haben keine Survival-Camps im Outback besucht und irgendwie auch nie richtig Campingurlaub gemacht. Zu unserer Schande müssen wir gestehen: bis gestern haben wir noch nie selbst ein Lagerfeuer gemacht. Und das allerschlimmste: im Ernstfall hätten wir wahrscheinlich auf männliche Unterstützung gewartet. Schluss damit, das wird jetzt gelernt.

In der Theorie wissen wir jetzt schon wie das geht. Aber könnten wir im Zweifelsfall wirklich ein ordentliches, wärmendes Lagerfeuer machen? Da kommen gleich die einschlägigen Bilder hoch. Von reibenden Händen an dürren Stöckchen. Von mickrigem Rauch und verzweifeltem Pusten. Naja gut, gönnen wir uns den Luxus von einem Feuerzeug, na oder zumindest von Streichhölzern. Ohne den Wald abzubrennen oder eine Rauchvergiftung zu bekommen? Wir wagen es also…an einem kalten Morgen im Dezember, weit draußen an einem Isar Kiesufer wo keiner motzen kann… und so geht’s:

1. Den richtigen Platz finden

Die Feuerstelle sollte weit genug weg von Häusern, Wäldern und allem Brennbaren sein. Wir wählen eine Stelle am weiten Kiesbett der Isar. Na gut, hier hat schon mal jemand Feuer gemacht. Wir finden einen schwarzen Aschehaufen und aufgetürmte Steine außenrum. Das Wasser ist nicht weit und es gibt nichts Brennbares im Umkreis von einigen Metern.

2. Feuerholz suchen

Die Entfernung zu Brennbarem bedeutet aber auch, dass wir jetzt auf die Suche gehen müssen. Ein kleiner Wald am breiten Ufer wird uns bestimmt mit Holz versorgen. Es ist Winter, am Boden liegt überall nasses Laub und im Wald wirkt alles etwas verschlagen. Natürlich hat keiner einen getrockneten Stapel Brennholz vorbereitet.

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Wir brauchen verschiedene Arten von Hölzern. Als unterste, schnell zu entflammende Schicht eignet sich “Fichtenreisig”. Also die kleinen dürren Ästchen am unteren Baumstamm. Oder Birkenrinde. Durch den Hohen Öl- und Pechgehalt im Holz brennt die gut. Hiervon brauchen wir ne ganze Menge. Also einen Stapel machen (und sich merken so der liegt) und weiter suchen.

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Als nächstes brauchen wir dickere Äste, die länger brennen und ein stabiles Feuer machen machen, mit ordentlich Glut. Auch dieses Holz muss trocken sein, was die Suche schon schwieriger macht. Wir stapfen also über gefrorenen Waldboden und lassen unseren Blick schweifen über Gestrüpp, Geäst, Gefälltes, Geschlagenes…Buchen musst du suchen! Entweder trockene Äste, die noch am Baum sind oder schon unten liegen. Wenn keine Buchen in der Nähe sind, eignen sich auch unsere gängigen Nadelhölzer: Fichte. Kiefer. Tanne.

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Wir sammeln von etwa fingerdicken Ästen bis hinzu halben Bäumen, alles was halbwegs brauchbar aussieht. Es ist praktisch eine kleine Axt oder Säge dabei zu haben. Sonst bekommt man das Holz definitiv nicht in Lagerfeuer-Format. Vielleicht müssen wir hier mal nachrüsten…

3. Schön stapeln

Jetzt frohlockt die Deko-Seele. Je schöner der Stapel, desto besser das Feuer. Wir stapeln von klein nach groß. Ganz unten den struppigen Reisig. Zu handlichen Päckchen gefaltet, in die Mitte der Feuerstelle gelegt. Darüber die fingerdicken Äste, die wir vorher auf ca. 30 cm gekürzt haben. Diese Äste werden schön in Tipi-Form ringsum an den Reisig angelehnt, dass alles kompakt und stabil steht.

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4. Feuer machen

Um das Feuer anzuzünden braucht es entweder ein kleines Bündel Reisig oder praktische Anzünder aus getränkter Holzwolle. Wir benutzen Streichhölzer, die man am Stein anzünden kann. Fühlt sich gleich nach Survival-Camp an, geht aber natürlich auch mit ganz normalen (trockenen) Streichhölzern oder mit einem Feuerzeug. Brennt unser Anzünder, wird er schnell ganz unten in den Stapel gestopft. Der Fichtenreisig fängt schnell Feuer. Es knack und raucht. Etwas Druck von oben schafft mehr Kontakt.

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5. Feuer am Leben erhalten

Nun zeigt sich wie gut unser Holz ist. Die dickeren Äste müssen Feuer fangen. Darauf legen wir nach und nach die ganz dicken Scheite. Pusten hilft. Es flackert und lodert. Nach ca. 10 Minuten ist das Feuer stabil und auch das dicke Holz beginnt zu brennen. Ganz entspannen können wir uns hier aber noch nicht. Das Feuer braucht unsere Aufmerksamkeit.

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Dran denken

Wenn man das zum ersten Mal unter Anleitung macht, scheint alles logisch. Da hat wer mitgedacht und sich um alles gekümmert. Wir sehen uns aber schon allein am Werk. Leicht panisch und mittelmäßig verpeilt. Daher hier nochmal eine kleine Liste der praktischen Helferlein:
Streichhölzer oder Feuerzeug, Axt oder Säge, Handschuhe um Reisig vom Baum zu brechen, Wasser um das Feuer zu löschen und natürlich irgendwas tollen zum brutzeln, kochen oder garen. Sinnvoll ist auch, alles schön griffbereit zu haben. Dann gibt’s keine Überraschungen oder Panikattacken.

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Aber Obacht

Es ist natürlich zu beachten, dass offene “Bodenfeuer” offiziell verboten sind. An der Isar und auch sonst wo. Zu groß ist die Gefahr von Bränden, gerade im Sommer, wenn Gras und Bäume trocken sind. Da können Feuer leicht außer Kontrolle geraten. Ist das Holz frisch und feucht oder werden Abfälle verbrannt, entwickeln sich auch noch schädliche Rauchgase… Besonders wenn Amateure am Werk sind, Schmarrn machen, unachtsam sind, keine Ahnung haben oder keine Rücksicht nehmen, ja dann gehört ein Feuer verboten.

Und jetzt?

Feuer machen ist erst der Anfang. Wir sind angefixt von echter Wildnis, von ursprünglichem Abenteuer und wir wollen mehr. Feuer machen ohne technische Helferlein? Richtiges Essen kochen auf dem Feuer? Wild campen? Wer weiß was passiert. Vielleicht fangen wir sogar bald mal einen Fisch.