Fazit Transalp

Nun ist es drei Wochen her, dass wir erfolgreich unsere Transalp mit ALPS geradelt sind. Zeit sich ein bisschen Gedanken zu machen. Lest hier von Erkenntnissen, Überraschungen und Einsichten.

Katastrophale Kalorienbilanz

Wer meint eine Transalp wäre eine gute Diät, hat sich schwer getäuscht. Zwar verbraucht man echt ordentlich Kalorien, aber die holt man sich mehr als genug wieder zurück.und ich meine nicht die Vielzahl an lustigen Energy Riegeln die man sich alle Stunde reinzieht. Fast jedes Hotel auf der Tour war top. Die Liga, die man sich sonst selten alleine gönnt. Vier Sterne, Sauna, Wellness und natürlich auch mehr als reichlich Abendessen. Vier Gänge. Nein, fünf müssen es schon sein, noch ein Salat Buffett dazu, ach und den Aperitif nicht vergessen. Mehr als einmal sind wir völlig überfressen vor zehn im Bett. Um beim Frühstücksbüffet gleich wieder zuzuschlagen.

FAZIT: Finger weg vom Dessertbuffet oder einfach neue Hosen kaufen.

Gemischtes Doppel

Man kann bei der Buchung der Tour Doppel- und Einzelzimmer buchen. Es sind ja nicht nur Pärchen unterwegs. Sind mal alle Einzelzimmer im Kontingent ausgebucht, besteht noch die Möglichkeit ein halbes Doppelzimmer zu buchen und mit einem anderen Tourmitglied untergebracht zu werden. Theoretisch eine feine Sache. Nur kann man hier auch große Überraschungen erleben.

FAZIT: Früh genug buchen!

Wem gehört der Schrankkoffer?

Drei Unterhosen. Drei T-Shirts. Zwei Paar Socken. Und das für fünf Wochen. Wenn man (Frau) muss, dann kann man auch. Muss man nicht, wiegt die Tasche plötzlich 20 Kilo. “Ach, ich kann doch nicht die Radlhose zweimal hintereinander anziehen. Für jeden Tag ein Trikot. Und frische Socken. Abends zum Essen will ich ja halbwegs normal aussehen. Der Fön muss mit. Die schönen Schuhe. Was zu lesen. Badesachen.” Zack. Ist der Koffer voll. Und schwer. Gepäcktransport ist in diesem Fall was wunderbares. Hätten wir gewusst, dass es jeden Tag einen kostenlosen Waschservice im Hotel gibt, hätten wir uns allerdings doch so einiges sparen können.

FAZIT: wir sind halt doch Mädchen. Zu unserer Verteidigung: wir hatten kein Make Up dabei!

Die Gruppe hilft übern Berg

So wurde uns die Dynamik angekündigt. Und ja, so ist es tatsächlich. Wir Lachen viel über fremde Duschhauben, treffen uns in der Sauna, tauschen Fotos aus oder witzeln über zu enge Trikots. So sehr man eine “Reisegruppe” blöd finden mag, wir haben eine herrlich entspannte Zeit. Ein Mehrwert, den man sich selbst nicht organisieren kann. Ist zwar immer ein Glücksspiel – in diesem Fall aber haben wir gewonnen.

FAZIT: yeahh die Gruppe! Vielleicht sieht man sich nochmal aufm Trail.

Irgendwer ne Extrawurst?

Über unseren Guide Martin haben wir bereits gesondert berichtet. Die Chemie stimmt und wir fühlen uns gut aufgehoben. Die Gruppe hat Spaß und akzeptiert Martin gerne als Leitwolf. Ist vielleicht nicht immer so, aber wir haben echt Glück. Die Orga von ALPS macht es ihm möglich uns eine perfekte Tour zu präsentieren. Herrlich recherchierte Wege, super Hotels und interessante Etappen. Mittags warten reservierte Tische an den schönsten Plätzen auf uns. Es gibt voll beladene Platten mit Käse und Wurst, hausgemachte Bolognese oder die Weltbeste Polenta. Oft bleibt uns keine Wahl, aber genau das macht es besonders. Und ich bin mir sicher, die ausgeklügelte Orga würde sich auch bestens um einen Veganer kümmern.

FAZIT: Da gibt’s nix zu meckern. Für fühlen uns Premium und genießen das Rundum-Sorglos-Paket.

TransWAS?

Grundsätzlich war ja Plan eine Transalp zu fahren. Also einmal ÜBER die Alpen. Auch wenn wir nicht am Marienplatz losfahren, so ist der Gedanke einer Überquerung doch, dass es flacht ist, dann Berge kommen und dann wieder flach. irritierend ist daher, dass wir eigentlich mitten IN den Alpen losfahren. Auch am Comer See hat man nicht unbedingt das Gefühl am Meer zu sein und die Alpen tatsächlich überquert zu haben. Der Charakter einer Überquerung bleibt also ein bisschen aus.

Unser Guide ist super und wir möchten ihn nicht missen. Aber die Tatsache, dass wir nur hinterher radeln und uns um kein Kartenmaterial, Tourenführung oder Wegbeschreibung kümmern müssen, lässt ein Gefühl der Orientierungslosigkeit entstehen. Das tut den Touren und der Strecke zwar keinen Abbruch. Dem Fahrspass sowieso nicht. Aber dem persönlichen Abenteurer-Entdecker Gefühl.

FAZIT: Vielleicht müssen wir die Strecke bis St. Anton einfach nochmal so radln. Und ne eigene Karte mitnehmen.

Vom Wollen und Können

Wir haben über unser Training berichtet. Der Wille war da, aber oft nicht die Zeit dafür. Die Quittung dafür haben wir bekommen. Naja, wir waren auch in einer starken Gruppe unterwegs, so viel zu unserer Verteidigung. Aber es lässt sich nicht leugnen, dass wir doch sehr oft nach hinten abfallen und ziemlich schnaufen bei den steilen Stücken. Und da geht es nicht um Bequemlichkeit oder mädchenhafte Trietschelei, nein, wir können einfach nicht schneller. Selbst wenn eine tollwütige Kuh uns gejagt hätte, war da oft kein Saft mehr im Muskel. Bei allen Bergab-Etappen wiederum brausen wir entspannt, beseelt und angstbefreit vornweg. Offensichtlich hat unser Downhill-Training dann doch was gebracht. Immerhin.

FAZIT: Nächstes Mal mehr Kondi trainieren. Oder wir werden einfach Gravity Biker.

All in One

Eine Woche Mountainbike Transalp ist nicht zu vergleichen mit fünf Wochen München Venedig. Auch wenn wir uns wieder eine Alpenüberquerung gesucht haben, so doch wahrscheinlich nicht mit am Anspruch ein Event wie letzten Sommer zu wiederholen. Ja wir sind trotzdem wehmütig. Wo ist das Aussteigergefühl? Die Tiefenentspannung? Die Erkenntnisse? Also müssen wir mit einem anderen Maß messen. Nehmen wir einen gewöhnlichen Urlaub. Eine Woche frei. Und dafür haben wir verdammt viel gesehen. Tolle Leute kennen gelernt. Unsere Grenzen erlebt. Geflucht. Geschwitzt. Gequietscht. Und viele viele schöne Erinnerungen gesammelt.

Fazit: Die richtige Erwartungshaltung haben!

Und jetzt?

Hat man ein solches Ziel erreicht, hält die Freude darüber oft nur kurz an. Was nun? Wie weiter? Ruht man sich aus und klopft sich auf die Schulter? Fällt man in ein Loch und fühlt sich inhaltsleer? Oder greift man gleich die nächste Herausforderung an? Ich muss zugeben, seit wir zurück sind kein einziges Mal auf dem Rad gesessen zu sein. Die Wochenenden sind seltsam unverplant. Ich freue mich über gemütliche Abende mit Freunden und verschlafene Sonntage. Ja, es ist dann erstmal gut. Genau die richtige Zeit um die Gedanken schweifen zu lassen und die nächsten Abenteuer zu planen.

FAZIT: Ziele erreichen ist wunderbar. Aber man darf sich auch mal kurz darauf ausruhen.

 

Fazit vom Fazit

Wir können eine Transalp jedem nur ans Herz legen. Eine großartige  Erfahrung. Eine organisierte Tour hat viele Vorteile, die wir nicht missen wollten. Gepäcktransport, tolle Hotels, kompetente Guides, eine unterhaltsame Gruppe und vieles mehr. Das alles lässt einem die Möglichkeit sich ganz auf den Sport zu konzentrieren und die schönen Momente zu genießen. ALPS können wir an dieser Stelle absolut empfehlen. Wenn, dann machen wir das nochmal mit diesem Tourenanbieter. Die Orga ist top, die Cheffinnen mit Leidenschaft dabei, die Touren durchdacht und gut geplant.

Grundsätzlich muss man sich einfach darüber im Klaren sein, worauf man sich einlässt. Wer Menschen nicht mag, für den ist jede Gruppe Ballast. Wer spontan die Route ändern will, der braucht keinen Guide. Wer eine Transalp als Selbstkasteiung hoch hält, ist im Sternehotel fehl am Platz. Und wer eine Diät plant auch 😉

Schaut euch doch mal auf der Seite von ALPS um. Da ist bestimmt was interessantes dabei.

ALPS Website

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