E-Bike: Segen oder Fluch?

Ich bin ein friedliebender Mensch. Es liegt mir fern, zu schimpfen, zu verallgemeinern, zu verurteilen oder unsachlich zu argumentieren. Doch wenn ich auf einer breiten Forststraße bergauf strampelnd von einer zeternden Rentnerin auf dem E-Bike überholt werde und herablassend darauf hingewiesen werde, man müsse doch hintereinander fahren – ist meine Geduld schnell am Ende. Ich kann mir einen lästerlichen Kommentar über unfähige E-Biker nicht verkneifen. Die gleiche Dame passieren wir auf dem steilen Weg herunter, während sie fluchend dem Bike kaum Herr wird und fast im Graben landet.
Das E-Bike. Geniale Erfindung oder Ausgeburt unserer Eitelkeiten? Wir versuchen sachlich zu bleiben und schauen uns ein wenig um.

Die Revolution des Verkehrs

Genial: das E-Bike könnte den städtischen Verkehr komplett verändern. Würden alle Pendler auf Zweirad umsteigen, würden Abgase, Parkflächen und Kosten gespart. Der Anzugträger käme  trotzdem entspannt und schnell zur Arbeit. Oft bewegungsarme urbane Alltagsabläufe wären durchbrochen und noch dazu könnte das Radln richtig Spaß machen.

Das Unfahrbare wird fahrbar

Kürzlich haben wir von Flowinger (E-Bike power by Flowinger), Bike Guide und RadlShop Inhaber gehört, dass das Pedelec (eine Form des EBikes) inzwischen groß im Kommen ist. Nicht in der Stadt, sondern richtig aufm Berg. Knifflige Trails bergauf, die bisher auch dem versiertesten Biker verwehrt blieben, sind nun plötzlich fahrbar. Auch ganz unterschiedliche Paare – wir denken natürlich an toughe Mädels mit eher stadttauglichen Partnern – können gemeinsame Touren planen und jeweils auf angenehmem Niveau Natur und Sport genießen.

Die Erweiterung der Komfortzone

Mei, wir haben auch schon geschwitzt. Und geflucht. Und fast gekotzt. Steile Rampen, schottrige Pfade und schier ewige Steigungen bringen einen Biker schonmal ins Zweifeln. Wie wunderbar wäre eine kleine Erleichterung. Dabei geht es nicht unbedingt nur um den sportlichen Biker. Auch ältere Menschen, oder weniger fitnessorientierte, werden mit dem E-Bike mobiler, agiler und entdecken auf angenehme Weise eine Sportart neu.

Wo bleibt die natürliche Auslese?

Die Oberschenkel brennen, die Wadlen krampfen, die Pumpe schlägt am Anschlag. Man hat Zeit investiert und Geld. In Fahrtechnikkurse und Equipment. In Übungstouren und Ersatzschläuche. Die Belohnung ist ein flowiger Trail, eine fantastische Aussicht und die Gewissheit, ehrlich dafür gearbeitet zu haben. Trifft man nun unterwegs – wie eingangs beschrieben – auf weniger kampfbereite “Sportler”, so ist schnell die Geduld am Ende. Kommt dann noch ein überheblicher Kommentar, so fragt man sich ernsthaft, wo die natürliche Auslese bleibt. Muss jeder Mensch auf jeden Berg? Um jeden Preis? Schafft man es nicht selbst, so lässt man sich tragen oder tunen? Kann man nicht zufrieden sein, mit einem den Fähigkeiten angepassten Ziel?

Gefahr für Mensch und Mitmensch

Allen Eitelkeiten zum Trotz gibt es doch ganz sachliche Gründe, das E-Bike im Gebirge kritisch zu sehen. Die Kraftunterstützung beim bergauf fahren, lässt einen schnell die eigenen Grenzen vergessen. Ein eine Tour, die alleine nicht mehr machbar ist, birgt vielleicht auch Herausforderungen (von Etikette am Berg fange ich nicht an), die allein mit Schubkraft nicht zu lösen sind. Schließlich muss man die Strecke auch wieder herunter fahren. Und das möglichst ohne sich selbst oder andere zu verletzen.

Ich möchte keineswegs auf E-Bikes schimpfen. Oder gar auf das Alter. Als Mountainbiker sieht man sich oft in der Kritik, unachtsam, oder gar eine Gefährdung für andere zu sein. Genau hier möchten wir ein Bewusstsein schärfen, und für den richtigen Einsatz von Material und Fähigkeiten werben. In diesem Sinne: PEDAL-ON!

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