Dresscode Finale

Die italienische Piazza in der Mitte des Dorfes, ist ein Platz auf dem sich gerne das dörfliche Leben versammelt. Rings herum Reihen sich Geschäfte an Pizzerien, die Gelateria an die Kirche und das imposante Rathaus. In der Mitte ein Brunnen, öffentliche Bänke und die üppige Bestuhlung des Café Centrale. Den ganzen Tag über herrscht hier Hochbetrieb. Ein wunderbarer Ort, um nachmittags einen Sprizz zu trinken und Menschen zu beobachten….

Nun sitzen wir erst seit fünf Minuten hier, und doch scheint es uns, als könnten wir genaue Sport-Persönlichkeitsprofile der vorbei gehenden Menschen aufstellen. Zumindest ist zu erkennen wer warum hier ist. Es scheint hier in Finalborgo einen unmissverständlichen Urlaubs-Dresscode zu geben…

Die Gravity-Fahrer

Auf der Piazza ist klar, wer alle Blicke auf sich zieht. Freerider, Downhiller, Enduro Fahrer – wie wir
sie auch nennen. Betont lässig kommen sie mit niedrigem Sattel ins Zentrum gerollt. Der After-Bike-Sprizz ist obligatorisch. Die aggressiv colorierten Fullface Helme nach oben geklappt, die Protektoren zu den Knöcheln geschoben. Dazu weite Klamotten, teils schreiend bunt mit Print, Karo, Muster aber durchaus mit Farbkonzept. Der Freerider legt Wert auf die modischen Details. So sehen wir farblich abgestimmte Schuhe zu Hosen, Helme zu Lenkern, Shirts zu Bikes. Und immer wieder ein blonder Zopf, der unter der ganzen Montur hervorlugt.

Die Tourenfahrer

Hier ist irgendwas schief gegangen. Auch wenn wir zum ersten Mal in Finale sind, merken wir schnell, dass das keine Gegend für gemütliche Fahrrad Touren ist. Doch die paar versprengten Tourenfahrer erkennt man gleich. Enge Trikots, Klickies, wir sehen sogar einen Gepäckträger. Besonders auffällig: Ungläubige Blicke bei den Unmengen an sehr potenten Bikes auf der Piazza. Ein kleines bisschen vielleicht wie wir noch letztes Jahr.

Die Kletterer/Camper

Der Kletterer ist auf den ersten Blick nicht so leicht zu erkennen, wie ein Biker, weil er ja schlecht
seinen Fels mitnehmen kann. So ist man erstmal auf das reine Styling beschränkt. Aber auch hier ist schnell klar: der Kletterer trägt weite Hosen mit engen Bündchen, dazu einfache Baumwoll Shirts. An kühlen Tagen viele Schichten, Kapuzenpulli, Strickmütze aber auch wenns warm ist. Gerne Flipflops, bunte Farben, wenig Prints. Ein bisschen Öko ist mit drin, gleichzeitig aber auch die offensichtlichen Must-Haves einschlägiger Marken Hersteller.

Die Italiener

Es ist schön, dass wir deutschen einmal nicht die lautesten sind. Die Italiener am Nachbartisch sind herrlich. Wildes Begrüßen und Stühle rücken, Gestikulieren und Schnattern. Wir verstehen kaum ein Wort aber die Geräuschkulisse verschwimmt zu einem vertrauten, gleichmäßigen Gurgeln, das sich irgendwie nach Urlaub anfühlt. Die älteren Damen sind alle gut gekleidet, onduliertes, regelmäßig gefärbtes Haar. Absatzschuhe, obwohl die letzte Hüft-OP was anderes einfordert. Die Herren im Anzug, leicht verbeult und teils aus einem anderen Jahrhundert – Doch immer mit Stil und Stolz. Von deutschem Renter-Beige keine Spur.

Und wir?

Wir sind das erste Mal in Finale und sind doch hier und da überrascht, wie sehr sich hier alles auf diese zwei Sportarten – Klettern und Biken – beschränkt. Man sieht kaum Familien oder Kinder. Sogar Rentnergruppen sind eher selten. Im Herzen fühlen wir uns den Bikern gerade am nächsten. Und der Dresscode? Wir hängen noch ein wenig zwischendrin. Schmunzelnd müssen wir feststellen, dass wir von allem ein bisschen sind. Melanie trägt das Orange-Lilane Zimtstern Shirt, Barbara die Gift-Gelbe Ion Short. Dazu aber gesellt sich der alte Tourenhelm, Softshell und Merino vom Bergsteigen und nicht zuletzt sitzen wir am Regentag stilsicher und laut schnatternd
beim Sprizz auf der Piazza.