Draußen schlafen für Anfänger: Was soll das?

Wir sind lieberdraussen. Ja. Aber Nachts nicht unbedingt. Bisher. Schon lange hege ich den romantischen Traum von wilden Campingtrips durch einsames Fjell, von Lagerfeuern, Einsamkeit und Entdeckergeist. Und dazu gehört natürlich auch den Schlafplatz nach draussen zu verlegen.

Ich hab es gehasst

Um ehrlich zu sein, das letzte Mal Zelten war ich mit 14. Evangelische Jugend, beim Kanufahren auf der Wörnitz. Ich habe es gehasst. Das Paddeln und das Zelten. Aber gut. Es sind seitdem viele Jahre vergangen und ich habe meine Leidenschaft für Berge entdeckt, viele Gipfel bestiegen, bin dreckig geworden und nass. Aber irgendwie gab es nie den Freundeskreis oder die Bergkumpels mit denen es tatsächlich zu einem ernsthaften Camping Trip gekommen wäre. Dabei meine ich nicht die deutschen Dauercamper am Gardasee, sondern ein echtes Abenteuer in wilder Natur.

Was ist ein Abenteuer?

Früher waren Abenteuer richtige Expeditionen. Es galt neues Territorium zu erobern und fremde Kulturen kennen zu lernen. Wenn man (meistens Mann) auf ein Abenteuer ging und falls er von diesem auch tatsächlich zurückkam, so gab es so viel zu erzählen. Die Aufmerksamkeit der normalen, weniger abenteuerlustigen Bevölkerung (und vor allem der Frauen) war dem Abenteurer sicher und die Gesprächsthemen vorgegeben.

Im Duden wird das Abenteuer beschrieben, als „eine risikoreiche Unternehmung oder auch ein Erlebnis, das sich stark vom Alltag unterscheidet. Es geht um das Verlassen des gewohnten Umfeldes und des sozialen Netzwerkes, um etwas Wagnishaltiges zu unternehmen, das interessant, faszinierend oder auch gefährlich zu sein verspricht und bei dem der Ausgang ungewiss ist.“

Ja. Das klingt schon eher nach meiner Vorstellung. Verlassen des gewohnten Umfeldes. Ein Erlebnis, das sich stark vom Alltag unterscheidet. Interessant. Faszinierend. Wunderbar. Naja. Über den ungewissen Ausgang müssen wir noch reden…

Kultur vs. Natur

Was meinen wir mit dem Begriff „Natur“? Ist es das reine „Draußensein“? Als Gegenteil von drinnen? Beginnt die Natur bereits beim Blumenbeet oder der Parkanlage? Stadtrand und Isarufer? Oder müssen wir raus? Weit weg, wo es wild wird und wir keine Menschen mehr finden? Natur, als das nicht Vorhandensein von menschlicher Zivilisation. Vielleicht funktioniert der Begriff so: Natur auf der einen Seite und Kultur auf der Anderen. Quasi als Gegenbegriff. Je weniger Mensch, desto mehr Natur.

Auf der Suche nach… wonach eigentlich?

Mir geht es nicht darum, große Gefahren zu bezwingen. Ich möchte nicht gegen wilde Tiere kämpfen, keine Weltreise machen oder eine unentdeckte Art finden. Es geht um ein Abenteuer im Kleinen. Vielleicht nennen wir es tatsächlich Microabenteuer. Ein kleiner Ausbruch aus dem Alltag. Ein interessanter Exkurs, der mich auf andere Gedanken bringt, inspiriert und mir die ein oder andere Grenze zeigt.

Wir sind – besonders in Großstädten – den ganzen Tag von menschengemachten Dingen umgeben. Alles um uns herum ist irgendwie gebaut, geordnet, geformt, erfunden, beschriftet – von Menschen, Computern oder Maschinen. Es gibt kaum einen Flecken, der einfach so sein darf, wie er ist oder sein will. Im echten Leben arbeite ich als Designer. Bin also noch dazu den ganzen Tag damit beschäftigt, selbst Dinge zu gestalten und zu beurteilen.

Mein Drang nach draußen ist vielleicht also die bewußte Abkehr von dem Leben in der Stadt. Der Ausgleich und der Kontrast zu einem kulturellen Alltag. Ich begebe mich absichtlich in eine Umgebung, die nichts von mir will. Es geht nicht darum, mir etwas zu verkaufen. Ich soll keine Regeln befolgen und muss auch nichts bewerten. Draußen kann alles einfach sein. So wie ich auch. Es ist Ruhe. Aber nicht im Sinn von fehlenden Geräuschen. Nein. Es geht um die Ruhe in der Wahrnehmung. Visuelle Ruhe. Ich meine die Konzentration auf etwas Anderes. Die Dinge passieren einfach, ohne dass ich etwas muss.

Abenteuer verboten?

Die Möglichkeiten im Alpenraum sein Zelt aufzuschlagen, sind begrenzt. Besonders, wenn man dem typischen Campingtouristen aus dem Weg gehen will und die wilde Romantik sucht – riskiert man eine empfindliche Geldstrafe. Der Bußgeldkatalog (allein schon dass es so was gibt, was man sich auch online ansehen kann) sieht hier Strafen von 50-2500 Euro vor, je nach dem ob man in einem Landschaftsschutzgebiet, Naturschutzgebiet, mit dem Zelt oder Camper unterwegs ist. Ach ja, und unterschiedlich nach Bundesland. Typisch deutsch? Naja, an vielen Stellen haben die Regeln Sinn. Aber was bleibt dann?

Ich frage einen Wildnis-erprobten Freund. Hier klingt das immer so einfach. Und natürlich lacht er über mich. Man darf sich nur nicht erwischen lassen. Er habe schon so viele Nächste draußen verbracht, in den Bergen, an der Isar, im Wald oder irgendwo unterwegs. Gerade hier läge auch der Reiz. Man will ja gerade nicht auf einen Campingplatz oder in die Nähe des Trubels. Je mehr Einsamkeit man sucht, desto sicherer ist man eben auch vor irgendwelchen überkorrekten Aufpassern.

Trau ich mich wirklich?

Denke ich an meine bisherigen Abenteuer zurück, waren diese nachts von festem Bulliblech umgeben oder von soliden Hüttenwänden. Aber Zelten oder gar biwakieren? Dazu kam es eben nie. Aber warum? Wenn ich darüber nachdenke fällt mir eine Mischung aus Ausreden, Argumenten und Tatsachen ein, die immer ausreichten, um mich Übernacht in feste Behausungen zu bringen. Lag es wirklich immer nur daran, dass es verboten war oder niemand zum Zelten mitgekommen ist? Oder war es vielleicht auch der bequemere Weg?

Bisher habe ich diese Art des Abenteuers nicht aktiv gesucht. Wahrscheinlich auch, weil mir die Vorstellung ein gewisses Unbehagen bereitet. Ich fühle mich schutzlos. Ausgeliefert. Das Alleinsein verliert plötzlich seinen Reiz, weil die Gedanken darüber, ob da nicht doch jemand (oder etwas!) ist, überhand nehmen. Besonders in freier Natur gibt es zu viel Interpretationsspielraum. Zwar vermute ich hier keine Bären oder Wölfe, doch gerade die Ungewissheit darüber, was es sonst sein könnte, macht mich unruhig. Es knackst. Raschelt. Ein Fuchs? Ein Hase? Vielleicht doch ein Mensch? Aber was macht der hier? Und um diese Uhrzeit kann er nur Ungutes im Schilde führen. In wachem Zustand habe ich diese Gedanken unter Kontrolle und kann mich selbst beruhigen. Begibt sich mein Unterbewusstsein aber in einen delierischen Halbschlaf, können wahnwitzige Szenerien entstehen – und jeder kleine Vogel wird zu einem gefräßigen Monster.

Nun gut, damit muss ich lernen umzugehen. Es muss auch nicht gleich eine Nacht in dunkelstem Wald sein. Allein sowieso nicht. Und ein Zelt wäre sicherlich auch von Vorteil. Ich muss also üben. Mit dem Ziel bis zum Sommer fit zu sein, für ein einsames norwegisches Fjell, nur mit mir und meinem Abenteuergeist.

Was braucht es für mein Abenteuer?

Nun habe ich bereits gelernt, Feuer zu machen. Ich kann einen Gaskocher bedienen und mir allerlei leckere Rezepte für einen Ausflug nach draußen ausdenken. Ich bin gut zu Fuss und kann schwere Rucksäcke tragen. Wenn ich diesen aber packen soll für einen Übernachtungsausflug draussen, fehlt mir die Erfahrung. Was brauche ich? Was nicht? Wie kann ich meinen Kram so optimieren, dass ich alles habe, was nötig ist, aber nichts schleppen muss, was sich als Ballast herausstellt? Das wird die Aufgabe der nächsten Monate. Die richtige Ausrüstung. Die nötige Übung. Und vor allem: ausreichend Gelassenheit lernen, um das Abenteuer draußen auch genießen zu können.