Draußen kochen: Optimus und Trek’n Eat

Kürzlich habe ich gelernt, ein richtiges Lagerfeuer zu machen. Aber nicht immer ist das möglich und erlaubt schon garnicht. Was ist also, wenn man auf einer längeren Tour unterwegs ist und trotzdem warm essen möchte? Keine Hütte in Sicht und der ewigen Riegel leid? Nicht schwer schleppen und trotzdem gut essen? Auch hier hat sich die Industrie was ausgedacht. Trekkingmahlzeiten. Ich habe absolut keine Erfahrung damit und reagiere erstmal mit großer Skepsis. Lest hier von einem kulinarischen Ausflug und echten Aha-Erlebnissen mit Trek’n Eat und Optimus.

Mein erster Gaskocher

Um ehrlich zu sein, bin ich beim Thema Gas immer ein wenig ängstlich. Gasherde sind mir suspekt. Soll ich dann auch noch mit einem Feuerzeug oder gar Streichholz eine Flamme entzünden…naja, wenn ich muss, kann ich das schon. Aber ich werde schnell hektisch und überreagiere beim kleinsten Gasgeruch. Irgendwie habe ich Angst, dass alles in die Luft fliegt.

Wie also soll ich einen Gaskocher bedienen? Ich stelle mich der Herausforderung und freue mich auf ein ganzes Kochset von Optimus. Es nennt sich Elektra FE Kochset und besteht aus Topf mit Deckel, Windschutz und Crux Kocher. Nachdem das mein erster Gaskocher ist, schaue ich mir zunächst zu Hause alles ganz genau an. Ordentlich verpackt sieht das ganze System erstaunlich klein aus. Alle Teile passen gut ineinander. Verstaut ist es in einem Beutelchen und dazu gibt es sogar eine extra Thermohülle. Es wiegt insgesamt nur 358 Gramm und hat alles dabei was man so brauchen könnte. Ein beschichteter Topf mit Ausgiesser, eine robuste Bratpfanne (die gleichzeitig als Topfdeckel dient), ein Löffel, sogar ein Putzschwamm. Dazu natürlich die Gaskartusche, ein Windschutz, der Brenner und ein Anzünder.

Ich studiere ganz genau die Anleitung. Nicht, dass ich aus versehen irgendwas in die Luft sprenge. Hier gibt es auch alleinerlei Warnhinweise. Meine Angst ist also nicht übertrieben? Naja, kann ja auch nicht so schwer sein. Hier ist relativ einfach beschrieben was ich zu tun habe. Deckel von der Kartusche entfernen. Den Brenner drauf setzen und rein drehen. Füßchen aufklappen. Windschutz dran. Topf drauf. Am Regelventil drehen und gleichzeitig zünden. Das bekomm ich hin.

Tüte auf, Wasser rein

Wir machen einen Ausflug. Ich kann ja kaum meinen Kocher in der Wohnung testen. Es geht darum herauszufinden, ob die Ausrüstung für eine lange Tour geeignet ist. Ob ich sie tragen kann, bedienen will, ob das Essen schmeckt und ob ich mir vorstellen kann, das für mehrere Tage am Stück zu machen.

Der Hirschberg im Frühling. Die Tour ist kurz und einfach aber es liegt noch Schnee. Wie schön, wenn man oben was warmes zu Essen bekommt. Der Kocher samt Trekkingmahlzeit für drei gehen locker in den Rucksack. Das extra Gewicht ist kaum spürbar. Eine normale Brotzeit würde wahrscheinlich ähnlich viel wiegen (besonders wenn man wie ich immer ausgiebig mit Eiern, Karotten, Kuchen und belegten Broten packt). Ein bisschen sperrig sind die Trek’n Eat Tüten. Aber man kann sie gut knautschen und um Trinkflaschen und den Kocher herum drapieren.

Wir sind schnell oben und suchen uns einen windgeschützten Platz. Ein bisschen befremdlich, hier einen Kocher aufzustellen. Braucht es da? Nein, aber es ist ja auch erst ein Testlauf. Wieso also nicht. Gerade am einsamen Gipfel kann ein warmes Essen doch nicht schaden.

Ich habe zuhause die Anleitung studiert, also weiss ich jetzt genau, wie die Einzelteile zusammenpassen. Ruckzuck ist der Kocher aufgebaut. Der Topf vom Kochset eignet sich wunderbar um Wasser zu erhitzen. Die angegebene Menge passt optimal rein. Nun geht es ans Anzünden. Puh, ich bin ein bisschen aufgeregt. Beim Set ist ein kleiner Zünder dabei. Also Ventil aufdrehen, es rauscht, das austretende Gas. Schnell zünden, klackklack und zack, brennt die Flamme blau. Wars das? Es rauscht laut. Ich kann mit dem Ventil die Flamme steuern. Topf drauf. Abwarten. In knapp zwei Minuten kocht das Wasser. Erstaunlich schnell!

Auf dem Speiseplan steht heute: Sojabolognese, Couscous mit Hühnchen und Chili con Carne. Zur Nachspeise etwas ganz besonderes: Mousse au Chocolat! Wir sind sehr gespannt.

Die Zubereitung der Mahlzeiten ist einfach. Kleine Grafiken auf der Rückseite machen sogar das Lesen überflüssig. Man braucht nur heißes Wasser einfüllen, umrühren und abwarten. Das machen wir genau drei Mal, für jedes Gericht einmal. Ich fünf Minuten ist unser Mittagessen fertig.

Kann das schmecken?

Wenn man selbst gerne kocht, sind einem Fertiggerichte grundsätzlich suspekt. Wir denken an Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe, an Chemie und ungesund. Trek’n Eat aber hat sich zum Ziel gemacht alle Mahlzeiten ganz natürlich zu verarbeiten. Das bedeutet: keine Konservierungsstoffe, keine Farbstoffe, keine Geschmacksverstärker. Die Mahlzeiten sind aus gefriergetrockneten Bestandteilen zusammengemischt. Durch die Gefriertrocknung sind noch Vitamine und Mineralien drin. Die Hauptmahlzeiten haben alle im Schnitt 600 Kalorien, was mir aber irgendwie wenig erscheint. Aber es wird von erhöhten Energieverbrauch bei sportlicher Aktivität gesprochen und tatsächlich werden sie wohl auf viele richtige Expeditionen mitgenommen. Die Produktpalette ist groß. Wir sind überrascht, was man alles gefriertrocknen kann: Rotes Fischcurry, Wild-Gourmet-Topf, Waldpilz-Sojaragout mit Nudeln aber auch Rührei mit Zwiebeln und Karamel Amaretto Creme.

Wir starten unsere Testreihe bei Sojabolognese mit Nudeln. Die Beutel sind hitzefest und haben einen Standboden. Also kann man die fertige Mahlzeit super einfach abstellen. Also los geht’s. Der erste Löffel überrascht. Der zweite auch. Entweder wir haben richtig Hunger, oder es schmeckt einfach. Ich gebe es ja ungern zu, aber tatsächlich ist das Nudelgericht garnicht so schlecht. Fast schon lecker. Die Nudeln haben eine gute Konsistenz und schmecken richtig tomatig. Gut gewürzt und ordentlich aufeinander abgestimmt. Da kann man nicht meckern. Was mir anfänglich als wenig Tropckenmasse erschien, ist zu einer fetten Portion geworden. Schwer liegt der Beutel in der Hand. Davon wird man auch satt, wenn man etwas weiter gelaufen ist, als wir heute.

Nachdem wir noch zwei weitere Mahlzeiten zum testen dabei haben, wechseln wir uns ab. Couscous und Chili. Zu dritt schaffen wir kaum die drei Portionen. Die Bolognese ist mein Favorit. Das Chili ist auch ganz fein, für meinen Geschmack aber etwas salzig. Vom Couscous hätte ich mehr erwartet. Irgendwas hat eine komische Konsistenz. Wir finden nicht heraus, ob es das Hühnchen ist oder irgendein Gemüse. Aber hey, wir haben ganz gut gegessen.

Der krönende Abschluss: die Mousse au Chocolat. Von diesem Dessert haben wir bereits Geschichten gehört. Offensichtlich ist es in Outdoor-Kreisen berühmt. Die Zubereitung irritiert etwas, da man KALTES Wasser zufügen muss. Und dann ordentlich aufschlagen. Und damit meine ich AUFSCHLAGEN. Mit Rühren ist hier nichts zu holen. Und siehe da, das Pulver wird zu einer cremigen Masse, schokoladig und von erstaunlich überzeugende Konsistenz. Boaaa. Was ein Knaller! Eine Schokoladenbombe. Alleine kann keiner diesen Beutel essen. Es ist also kein Dessert, sondern eigentlich eine Mahlzeit, die man sich am besten in der Gruppe teilt. Dafür wunderbar. Und eine herrliche Belohnung für einen anstrengenden Bergtag.

Was bleibt, ist ein Haufen Müll. Ich bin etwas unzufrieden, auch wenn wir gut gegessen haben. Unsere Hände sind eingesaut, da man direkt aus dem Beutel ist. Nachdem eine Gabel nicht lang genug ist, um wirklich gut darin zu arbeiten, muss die ganze Hand in den Beutel. Naja, und den Rest kann man sich vorstellen. Was uns auch auffällt: die ganze Koch Aktion hat uns irgendwie um den Gipfel Moment gebracht. Wir waren so damit beschäftigt, alles zuzubereiten und auszuprobieren, dass das Gucken und Schauen zu kurz kam. Das geht tatsächlich beim Käsebrot besser.

Wann es sich lohnt

Ziel unseres Ausflugs war es nicht, die Brotzeit zu ersetzen. Bei der klassischen Wochenendwanderung empfehlen wir sicherlich nicht Gaskocher und Trekkingmahlzeiten. Wenn man aber länger unterwegs ist, kann das durchaus Sinn machen. Nun gehen wir zwar auf keine monatelangen Expeditionen, doch gibt es Touren, bei denen man über mehrere Tage an keiner Hütte oder Ortschaft vorbeikommt. Es muss also alles Essen getragen werden. Und dann werden plötzlich die Details wichtig. Wieviel wiegt ein Essen? Wie kann ich abwechslungsreich und ausgewogen essen? Was ist lang genug haltbar und kalkulierbar in der Planung?

Hier sehe ich die großen Vorteile von Trek’n Eat. Das Essen ist auf diese Anforderungen optimiert. Wenn ich mit dem Zelt unterwegs bin, habe ich wahrscheinlich auch so viel Zeit, dass die Gipfelrast nicht ausschlaggebend ist. Ich freue mich vielleicht sogar, mich nur mit meinem Essen zu beschäftigen und unkompliziert eine warme Mahlzeit zu bekommen. Für uns wird wichtig sein, die Mahlzeiten wirklich vorher zu testen. Ich möchte unterwegs nur Lieblingsgerichte dabei haben und keine Überraschungen erleben. Wenn es geht, werde ich immer auf „richtiges“ Essen ausweichen, aber für den optimierten Ernstfall sind die Trekkingmahlzeiten eine gute Wahl.

Der Kocher von Optimus hat mich voll überzeugt – sowohl die Handhabung, als auch die Leistung. So einfach hatte ich mir das nicht gedacht. Neben Mahlzeiten von Trek’n Eat kann ich mir aber auch gut vorstellen, hier richtig zu kochen. Gemüse anbraten, Rührei machen, Nudeln kochen, vielleicht sogar ein Fleisch. Sofern das Packvolumen und Gewicht meines Rucksacks es zulassen.