Dolomiten vom Feinsten

Wir haben den Sella Stock überschritten, den Piz Boé bestiegen, den Rosengarten umrundet, die drei Zinnen besucht… aber damit nicht genug. Die Dolomiten bieten uns schier endlose Tourenmöglichkeiten und begeistern uns immer wieder über die Maßen. Diesmal soll es eine Hüttentour im Gebiet der Fanes sein…

Instagramhölle am Pragser Wildsee

Der Pragser Wildsee hat es seit Instagram zu einiger Berühmtheit gebracht. Stylische Hipster posieren tausendfach vor dem türkiesgrünen Wasser und beeindruckender Felskulisse. Allein der Hashtag #pragserwildsee verzeichnet über 66.000 Treffer. Für uns bildet der See den Start der Tour und zeigt sich gleichzeitig von seiner hässlichen Seite. Wobei nicht der See in seiner Attraktivität versagt, sondern das, was die Sozialen Medien aus ihm gemacht haben. 

Überall tummeln sich asiatische, indische, arabische Besucher zwischen Souvenierläden, Wegweisern und viel zu vielen parkenden Autos. Während die Szenerie auf Instagram durch Einsamkeit und Unberührtheit begeistert, ist es hier einfach absurd voll. Wer will es ihnen verdenken, wir sind ja auch hier. Doch freuen wir uns, dass der Weg uns weiter führt und wir den Trubel bald hinter uns lassen können. 

Bergeinsamkeit am Saisonende

Kaum haben wir den Prager Wildsee hinter uns gelassen ist es still. Einsam. Leer. Kaum ein Wanderer begegnet uns auf dem Weg hoch zur Seekofelhütte. Wir haben das beeindruckende Panorama für uns allein. So geht es uns auf weiten Strecken der Tour. Vielleicht liegt es an der Jahreszeit – wir sind sehr spät unterwegs, die Hütten schließen in der nächsten Woche.

Dolomitenhöhenweg auf Abwegen

Der Weg orientiert sich an den Hauptkämmen der östlichen Dolomitengruppen gen Süden. Wir bewegen uns ein Stück auf dem Dolomitenhöhenweg Nr. 1, der den Pragser Wildsee mit Belluno verbindet. Von den Pragser Dolomiten, der Fanesgruppe, Nuvolào zur Croda da Lago – dann scheren wir aus und steigen nach Cortina d’Ampezzo ab. Die Wege sind durchgehend unschwierig. Täglich gehen wir zwischen 800 und 1100 hm und 5-7 Stunden. Wenn eine Etappe nicht ganz so lang ist, gibt es immer einen Hausberg, der uns die nötige Auslastung bietet. Die Panoramen sind phänomenal! Weite Blicke, tiefe Täler, hohe Gipfel und schier endlose Aussichten. 

Hütte, Ütia und Rifugio

Das Höhenprofil unserer Wanderung liegt zwischen 1500 und 2800 Metern. Drei Sprachgebiete werden dabei durchlaufen: das deutschsprachige Pustertal, das ladinische Fanesgebiet und das südlich des Passo Falzàrego beginnende italienische Gebiet. Deutsch, Ladinisch und Italiensich. Findet man auch auf den meisten Speisekarten. Von der Hütte, zur Ütia, bis wir irgendwann auf Rifugios übermachten. 

Zwischen Panorama und Kriegsstollen

Dass um die Grenze zwischen diesen Gebieten im Ersten Weltkrieg erbittert gekämpft wurde, davon zeugen rostiger Stacheldraht, Schützengräben und tiefe Stollen. Für uns jetzt ein malerisches Panorama. Vor gut 100 Jahren ein Kriegsschauplatz. Bedrückend. Was die einstige sogenannte Alpenfront dort an sichtbaren Spuren hinterlassen hat, ist heute in einem Freilichtmuseum an den Cinque Torri zu sehen.

Unterwegs mit Munich Mountain Girls

Mädels! Wie schön, dass wir uns gefunden haben. Ist man mal wieder auf der Suche nach Neuen Bergfreundinnen, so empfehlt es sich bei den Munich Mountain Girls nach gleichgesinnten Frauen zu suchen. So besteht unsere kleine Wanderschaft aus drei Damen: Valerie, Lisa uns meine Wenigkeit. Zum ersten mal gemeinsam am Berg und doch schon eine richtig gute Gruppe. Wie schade wäre es doch alleine unterwegs zu sein…

Ungeplanter Luxus

Seekofelhütte, Faneshütte, Rifugio Averau, Rifugio Croda da Lago. Vier Hütten und nicht ganz so geplanter Hüttenluxus. Wir starten bei der Seekofelhütte. Hier läuft noch alles nach Plan. Wir schlafen auf harten Betten im engen Zimmer, die Toiletten sind typisch italienisch im Stehen zu bedienen und Duschen gibt es einfach nicht. Ab und zu eine Woche mit Entbehrungen scheint uns das Richtige zu sein. 

Auf unserer Hüttentour allerdings ist spätestens ab der zweiten Hütte ungeplanter Luxus angesagt. Aus einem Lagerplatz auf der Faneshütte wird ein Zimmer. Ausgestattet mit Handtüchern (die echten aus Frottee!) nutzen wir die Dusche (mit Fön!). Im Rifugio Averau erwartet uns ein Zimmer mit Bettwäsche (frisch gewaschen und gebügelt! Nur für uns!) und Balkon (mit Blick auf den Sonnenuntergang). Als uns im letzten Refugio eine Outdoor-Sauna erwartet, sind wir endgültig davon überzeugt, dass diese Hüttentour nicht ganz den Vorstellungen entspricht – zu unserem Glück!