Dolomiten #supergeil

Von der Kreuzwiesenalm sieht man in der Entfernung hell den Peitlerkofel leuchten. Der Doppelgipfel scheint uns still den Weg zu weisen, denn heute führt uns die Etappe an diesem ersten ‘Dolomit’ vorbei, bis ins Vilnösstal. Die Entfernung wirkt unrealistisch weit, doch die angesetzten 8,5 Stunden reine Gehzeit werden es möglich machen.

WEG UND ZIEL

Seit langem das erste Mal haben wir bereits früh am Morgen strahlend blauen Himmel. Der Weg führt uns über weitläufige Almflächen, im steten bergauf und bergab über Grate und kleine Gipfel. Je höher wir kommen, desto mehr Gipfel ringsherum werden frei. Nach Norden können wir einen letzten Blick auf die schneebedeckten Zillertaler werfen, während nach Süden der Peitlerkofel – und damit die Dolomiten – immer näher rücken. Wir kommen vorbei an Kühen, Almen und einem See mit Boot. Die ganze Zeit über 2000 Meter bis wir zum Würzjoch hinabsteigen müssen.

ZICK UND ZACK

Kurzes Entsetzen über die viel befahrene Passtraße und den gut besuchten Wanderparkplatz mit angeschlossenem Touristenhotel, lassen uns schnell weiter gehen. Inzwischen sind wir dem Peitlerkofel erschreckend nahe gekommen. Ganz in der Entfernung können wir unseren heutigen Startpunkt nur erahnen. Es gilt nun diesen massiven Berg zu umrunden und über die Peitlerscharte auf der anderen Seite in der Schlüterhütte Unterkunft für die Nacht zu finden. Während der Tag bisher recht einsam begann, kommen uns auf diesem Wegstück viele Wanderer entgegen. Durch die Passtraße einfach zu erreichen, verirren sich auch einige Touristen mit eher unpassenden körperlichen wie ausstattungstechnischen Vorraussetzungen auf den doch alpinen Steig bis in die Scharte. Auch wir sind schon lange auf den Beinen und müssen unsere letzten Kraftreserven mobilisieren. Über schier endlose Kurven geht es im steilem ZickZack die helle Schuttreisse hinauf.

Oben angekommen werden wir mit einem Ausblick belohnt, der alle Mühen vergessen lässt. Nun sind wir endgültig in den Dolomiten angekommen.

AUF UND AB

Der Abend vergeht kurzweilig. Wir plaudern mit Nick und Richard, Vater und Sohn aus New York. Die Schlüterhütte bietet uns urige Unterkunft, wenn auch das Lager durch kratzige Pferdedecken ein bisschen verliert.

Am nächsten Morgen führt uns der Weg von der Schlüterhütte zuerst auf einem lieblichen Panoramaweg entlang der Höhe. Bereits von weitem sieht man, wie sich ein Schuttaufstieg in steilen Serpentinen zwischen zwei enormen Felsflanken bis zur Roa-Scharte hochwindet. Wir reihen uns ein, in die Karawane zur ersten von mehreren Scharten des heutigen Tages. Anders, als bei bekannten Gipfeltouren, ist unsere Fortbewegung eher streckenbestimmt. Die Entfernungen sind rückblickend kaum vorstellbar. Jede Scharte aufs Neue, eröffnet den Blick auf ein neues Massiv, in ein Tal oder auf gar eine ganze Gebirgsgruppe.

HIER UND JETZT

Der aussichtsreiche Tag findet Ruhe im Hotel Cir am Grödner Joch. Wir treffen auf eine Mischung aus ‘Shining’ und ‘The Grand Budapest Hotel’, eine verwaiste Ansiedlung auf dem Scheitelpunkt einer viel befahrenden Passstraße. Alles scheint in den 90gern stehen geblieben. Der morbide Charme der Lobby und schlecht sitzende Anzüge des Personals lassen uns zwar schmunzeln, dennoch wissen wir den lang entbehrten Komfort von echten Handtüchern, Steckdosen und Salatbuffet zu schätzen.

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