SAY CHEESE – Die richtige Kamera für alle, die lieber draussen sind

Jeder Bergsteiger erlebt atemberaubende Aussichten und besondere Momente, die er gerne festhalten und dokumentieren möchte. Ob mit professionellem Anspruch, als Schnappschuss, für das persönliche Archiv oder die Fototapete – das ‘Draussen’ fordert besonderes Zubehör, durchdachte Technik und vor allem das richtige Händchen bei der Auswahl der Kamera. Immer wieder wurden wir gefragt, welches Equipment wir auf dem Weg nach Venedig dabei hatten. Hier stellen wir vor, geben Überblick und informieren über unsere Technik-Packliste, wertvolle Erfahrungen und praktische Tipps.

Welche Kamera? …Es kommt ganz drauf an!

Vor der Entscheidung für ein Kamerasystem ist es essenziell, sich genaue Gedanken zu machen, was man eigentlich will. Die altbekannte ‘eierlegende Wollmilchsau’ gibt es auch hier nicht. Es gilt, Prioritäten setzen und Entscheidungen treffen. Dazu sollte man sich selbst folgende Fragen kritisch stellen:

Wie gut kenne ich mich selbst mit Kameras aus?
Welche Qualität sollen die Bilder haben, bzw, was mache ich danach mit den Bildern?
Was für eine Tour mache ich? Anspruch, Klima, Dauer?
Welche Art von Bildern werde ich hauptsächlich machen? Schnappschüsse, Videos, Panoramen
Wieviel Gewicht bin ich bereit extra zu tragen?
Wieviel Zeit möchte ich ins Fotografieren und Nachbearbeiten investieren?

Unterschiedliche Arten von Kameras

“Auf jeden Fall aber kümmern sich die Menschen zuviel um die photographische Technik und zu wenig um das Sehen. (Henri Cartier-Bresson)”

Wie bereits der berühmte Fotograf Henri Cartier-Bresson festgestellt hat, geht es weniger um die Technik, als viel mehr um das Auge des Fotografen. Eine teuere Kamera ersetzt nicht das Gefühl für Bildaufbau, die Wahrnehmung für besondere Momente oder das Feingefühl im richtigen Moment abzudrücken. Daher ist manchmal vielleicht wichtiger, Zeit in die Schulung des Auges zu investieren, als in neues Equipment.

An dieser Stelle fällt es schwer, konkrete Modelle zu empfehlen. Die Technik verändert sich rasant und eine Vielzahl an Herstellern überbietet sich regelmäßig mit Features und Details. Daher bieten wir hier vorerst einen kurzen technischen Überblick über gängige Kamera-Systeme.

Kompaktkamera und Smarphone

Klein. leicht und unkompliziert – diese Eigenschaften machten Kompaktkameras lange zur ersten Wahl für Einsteiger. Inzwischen aber hat das Smartphone ihnen fast den Rang abgelaufen. Die Bildqualität, Gestaltungsmöglichkeiten und Apps der Handys können sich sehen lassen und bestechen auch noch durch Handlichkeit und Verfügbarkeit. Ohne sich um technische Detail kümmern zu müssen, kann man Schnappschüsse und Selfies machen und dabei trotzdem auf eine vernünftige Bildqualität zählen. Persönlich habe ich keine Kompaktkamera mehr dabei auf Touren. Dafür ist das iPhone stets griffbereit – und kann zur Not auch den Heli holen.

Systemkamera

Die Systemkamera ist im Gegensatz zur SLR Kamera kleiner, leichter und flexibler bei ähnlichen Gestaltungsmöglichkeiten. Die Zubehörvielfalt ist im Vergleich zwar etwas eingeschränkt, aber sie bietet die Möglichkeit mit Wechselobjektiven zu arbeiten,  und lässt dem Fotografen damit eine breites Feld an Möglichkeiten. Auch die Bildsensoren sind fast auf dem Niveau einer Spiegelreflexkamera. Eine komplett manuelle Bedienung ist möglich, aber durch eine Bandbreite an Bildprogrammen und Features nicht essenziell. Ich persönlich benutze seit einiger Zeit eine Olympus OMD10 und bin sehr zufrieden. Dieses Kameramodell ist auf jeder Bergtour dabei und überzeugt mich als Designer sowohl in der Bildqualität als auch in der fancy Retro Optik.

Digitale Spiegelreflex

Die digitale Spiegelreflexkamera (SLR für steht für Single Lens Reflex) ist die Königsklasse der Kameras mit sicherlich dem professionellste Anspruch. Hier ist fotografische Erfahrung, Zeit und Leibe zum Detail gefragt. Manuelle Einstellungsmöglichkeiten, hohe Bildqualität, experimentieren mit Blende und Belichtungszeit, Wechselobjektive, Mehrfachbelichtungen – für den versierten Fotografen eine große kreative Spielwiese. Die Spiegelreflexkamera kann zwar alles, sie muss aber immer noch bedient und getragen werden – ist sie doch im Ausmaß und Gewicht mit Abstand der Spitzenreiter. Für meine Bergabenteuer nutze ich nur noch selten meine Spiegelreflexkamera. Die Canon 60D ist mir aber bei leichten, kurzen Touren ein guter Begleiter und weckt meine Passion für das beste Bild. Obacht ist hier noch auf Hütten und in Schlaflagern geboten: eine große SLR Kamera zieht sehr viel Aufmerksamkeit auf sich. Nun ist das Bergvolk meist anständig, doch würde ich meine teuere Kameraausrüstung nicht unbeobachtet im Lager liegen lassen.

GoPro und ActionCam

Die jüngste Kategorie der hier vorgestellten Kameras könnte genauso gut unter ‘Video’ laufen. Zwar können die kleinen ActionCams auch Fotos machen, sie sind aber ursprünglich für Bewegtbild gemacht. So wird auch die Auflösung nicht nur in Megapixeln gerechnet, sondern in Videoauflösung und Bildern pro Sekunde. In Punkto Robustheit sind sie unschlagbar. Wasserdicht, wahnwitzig klein und einfachst zu bedienen, lassen sie sich kaum mit herkömmlichen Systemen vergleichen. Allen voran die GoPro – aus dem Actionsport kommend, eignen sie sich trotzdem wunderbar für normalo-Abenteuer und lassen jede Schnullitour nach Extremsport aussehen. Die Vorteile lassen sich aber nicht ganz ungetrübt genießen: so einfach die Bedienung ist, sie hat fast keine Optimierungs- oder Einstellungsmöglichkeiten, die Bilder können bei fast allen Modellen vorher nicht angeschaut werden und an Wechselobjektive ist garnicht zu denken.

In dieser Übersicht sind die wichtigsten Entscheidungsfaktoren aufgeführt. Das richtige System muss jedoch jeder für sich selbst finden.

lieberdraussen-Kameratypen

Nützliches und Essenzielles

Stative und Halterungen

Es gibt eine Vielzahl von leichten und sehr handlichen Stativen, die besonders im Outdoor Bereich sehr nützlich sein können. Ob ungewöhnliche Perspektive, Selbstauslöser oder Langzeitbelichtung – draußen kann man oft die Kamera nicht sicher ablegen, man findet keinen Ebenen Untergrund oder es fehlt schlichtweg jemand, der die Kamera hält.

Ich habe inzwischen mit drei verschiedenen Systemen gearbeitet und jedes hat Vor- und Nachteile. Das klassische Dreibein-Stativ gibt beispielsweise von Manfrotto in verschiedenen Größen und Gewichten. Je kleiner desto leichter, dafür aber auch instabiler und geringer in der maximalen Höhe. Die aus Carbon sind besonders leicht, aber auch entsprechend teuer.

Die sog. GorillaPods gibt es auch in verschiedenen Größen, hier zählt aber mehr das Gewicht der Kamera. Die beweglichen Arme lassen sich super flexibel an allem befestigen und sind für den Einsatz draußen bestens geeignet. Einziger Nachteil: man kann die Arme in der Länge nicht variieren.

Ganz neu in Stativ Jungle ist der Selfie-Stick. An einem ausziehbaren Arm wird das Smartphone oder die ActionCam befestigt und man kann wunderbar Aufnahmen von sich selbst machen. Für andere Aufnahmen eignet sich der Stick allerdings weniger, da er nicht selbst steht und auch nirgends befestigt werden kann. Dafür aber ist er klein und leicht und passt in jeden Rucksack.

Schutz und Transport

Neben der klassischen Kameratasche gibt es verschiedene Möglichkeiten das Equipment für Outdoorabenteuer zu verstauen. Essenziell ist immer, dass es halbwegs stoßfest verpackt ist und nicht nass werden kann. Mir persönlich ist besonders wichtig, dass ich schnell dran komme und nicht immer erst den ganzen Rucksack absetzen, aufmachen und auspacken muss. Folgendes System hat sich bewährt: für Smartphones gibt es schlanke wasserdichte Hüllen (Lieblingsstück von Outdorr Research), die gleichzeitig auch vor Kratzern schützen. Das Gerät lässt sich durch die Oberfläche bedienen, es bleibt also alles verpackt und dicht. So trage ich das Telefon meist sogar in der Beintasche meiner Wanderhose. Ich komme schnell dran und es ist auch beim nächsten Wolkenbruch geschützt.

Die Systemkamera habe ich in einer möglichst kleinen Kameratasche direkt am Bauchgurt vom Rucksack befestigt. So ist die Kamera schnell griffbereit und trotzdem geschützt. Bei einer Spiegelreflex Kamera geht das leider nicht mehr, da die Tasche einfach zu groß und unhandlich ist. Oft hänge ich mir die dann einfach schräg über Arm und Schulter – birgt aber ein gewisses Risiko. Braucht man die Hände zum Kraxeln baumelt die Kamera ungesichert vor einem und knallt schnell mal an einen Felsen. Empfehlenswert sind auch einfache Zip-Log Tüten. Für Kamera, Zubehör oder auch Wertsachen, Teebeutel und Wanderkarten. Davon kann man nie genug im Rucksack dabei haben.

Für die Profis gibt es dann noch die Kategorie ‘Kamerarucksack‘. Hier findet alles Platz, was für professionelle Fotografie gebraucht wird. Der gesamte Rucksack besteht aus Fächern und Polsterungen, so dass verschiedene Objektive, Blitzköpfe, Body und Kabel immer gut verstaut und geschützt sind. Ist man hauptsächlich zum Fotografieren draußen, die beste Wahl. Man braucht dann allerdings noch einen extra Träger für all das, was eigentlich im Rucksack sei sollte.

Datensicherung und Speicherplatz

Für eine gewöhnliche Tagestour gibt es mittlerweile Speicherkarten mit ausreichend Gigabyte für alle Schnappschüsse. Im Anschluss an die Tour können die Bilder in Ruhe Archiviert und bearbeitet werden. Ist man aber mehrere Tage oder gar Wochen unterwegs, gibt es keine Möglichkeit der Zwischenspeicherung. Ist eine Karte voll, muss sie gut geschützt aufbewahrt werden. Am besten geht das mit den mitgelieferten Kunststoff-Cases, und dann am besten nochmal wasserdicht in die Kameratasche. Wichtig ist, ausreichend Speicherkarten mit Speicherplatz dabei zu haben – unterwegs Bilder löschen zu müssen, weil alle Karten voll sind ist sehr ärgerlich. Ich habe auch lieber mehrere 8GB Speicherkarten dabei, als eine große 64GB. Falls dann doch mal was passiert, sind vielleicht nicht gleich alle Bilder weg.

Was sich zumindest als Übergangslösung bewährt hat: für das iPad gibt es einen SD-Karten Adapter, der die Bilder auf das Pad überträgt. So hat man zumindest eine Sicherungskopie der Daten. Moderne Kameras bieten heute auch die Möglichkeit Bilder via WiFi auf Smartphonesund iPads zu übertragen. Auch so können zumindest die wichtigsten Aufnahmen in Kopie gespeichert werden.

Ersatzakku und Stromversorgung

Es lebe der Ersatzakku! Wenn man mehrere Tage auf Tour ist, reicht niemals ein Akku aus. Nachdem die Stromversorgung unterwegs nicht immer gewährleistet ist bzw. freie Steckdosen immer belegt sind, sollte stets ein geladener Ersatzakku parat sein. So spart man sich unnötige Sorgen über Ladezustände und das Zusatzgewicht ist wirklich verkraftbar. Bei 2-3 Tagestouren kann ein Ersatzakku auch das Ladegerät ersetzen – zudem ist der Akku leichter!

Apps und Internet

Neben der Hardware ist auch die Software ein wichtiges Thema. Wenn man länger unterwegs ist oder sogar von unterwegs bloggen will, kann man mit der Bildbearbeitung nicht immer warten, bis man wieder an einem richtigen Rechnet sitzt. Dazu gibt es inzwischen allerlei nützliche Apps für Smartphones. Ich persönlich arbeite gern mit Photoshop Express auf dem iPad. Ob Vintage-Look, Fotorahmen, Schrift oder Gradation – es sind kaum Grenzen gesetzt. Oft haben aber auch die Kamerahersteller extra Bildbearbeitungs-Apps, die einfache Bearbeitungsmöglichkeiten bieten.

München Venedig: 2kg extra

Auf unserer Tour von München nach Venedig konnten wir einen Extremfall bestens ausprobieren. Fünf Wochen unterwegs zwingen zur Reduktion. Jedes Kilo Gepäck kostet Kraft und sollte kritisch hinterfragt werden. Gleichzeitig aber war es uns wichtig, nicht durch fehlendes Equipment eingeschränkt zu sein. Am Ende kann man ein großartiges Foto nicht machen, weil der Akku leer ist, die Brennweite nicht reicht oder man schlichtweg zu faul ist die Kamera aus dem Rucksack zu holen. Rückblickend bin ich sehr zufrieden mit der Entscheidung für die Technik. Mit insgesamt fast zwei Kilo Extragepäck verkraftbar – aber doch flexibel und halbwegs professionell. Für künftige Touren habe ich mir inzwischen ein Weitwinkelobjektiv und einen Ersatzakku für die Systemkamera zugelegt.

Die Technik Liste im Detail:
Olympus OMD10
Objektiv 17-55mm Brennweite
Kameratasche
Ladegerät, leider keinen Ersatzakku
iPhone
Wasserdichte Hülle für iPhone
iPhone Ladekabel
GoPro Hero3+
GoPro ErsatzAkku und Montage
4x 8GB SD Speicherkarte
iPad Air
Wasserdichte Hülle für IPad
iPad Air Ladekabel
iPad SD Karten Adapter
Zip-Log Tüten für die Wasserdichte Verpackung von Zubehör