Die Ode an das Knie

Diesen Winter im Februar hat mein Knie seinen Dienst quittiert.
Beim joggen and der Isar fing alles an. Plötzlich wurde jeder Schritt mit
einem schmerzenden Stich beendet, im linken, unteren, äußeren Knie.
Miniskus? Außenband? Knorpel?

Von da an waren Treppensteigen, gewöhnliche Steigungen und sogar das Flotte gehen zum Bus mit großen Anstrengungen verbunden. An einen Spaziergang nach Venedig war hier sicherlich nicht zu denken. Der erste Orthopäde wollte das Knie mit Voltaren abtöten. Dann mit Kortison. Der zweite Orthopäde hat zumindest im CT nichts ausfälliges gefunden. Bänder ok, Knorpel ausreichend, Kniescheibe am richtigen Platz. Nur eine kleine Entzündung wär zu sehen. Aber keiner wusste warum. Dann Physiotherapie. Und Einlagen. Und Training. Und eine Bandage. Und noch mehr Physiotherapie. Eine Blackroll. Dann Ostheopathie und nochmal Physiotherapie. Am Ende ein Tape. Zwischendrin verzweifelte Versuche Bergsteigen zu gehen. Erfolglos. Spätestens beim Abstieg war ich ein wimmerndes Häufchen Elend, das vor lauter Selbstmitleid und Frustration (“mein knieee tut wehhhhh”) eher an Amputation gedacht hat, als an Venedig.
Die Entscheidung trotzdem dieses Abenteuer zu wagen, fiel erst einige Woche zuvor. Lange habe ich die Entscheidung hinausgezögert. Aus Angst vor Schmerzen. Und aus Angst abbrechen zu müssen. Aber irgendwas ist in der Zwischenzeit passiert. Die wundersamen Heilkräfte meines Physiotherapeuten? Das Hokusposkus vom Ostheopathen? Das solide Handwerk des Einlagenbauers? Das schicke Fitnesstudio in Schwabing? Die schmerzenden Faszienübungen auf der Blackroll? Ich weiß es nicht. Und werde es wohl auch nie herausfinden. Heute bin ich die Tour vom Karwendelhaus auf die Birkkarspitze und wieder hinab bis zum Hallerangerhaus gelaufen. Mit meinem Knie. Insgesamt über 1500 Höhenmeter im Auf- und Abstieg. 10 Stunden reine Gehzeit. Und ich hatte fast keine Schmerzen. Und wenn dann vielleicht nur Schmerzen, die jedes normale Knie nach einer solchen Etappe haben darf. Für alle Fälle bin ich aber selbst hier gerüstet. Hochdosiertes Ibuprofen. Eine Bandage. Einen Blacklroll Ball. Und Tape. Und jetzt fragt noch einer warum mein Rucksack so schwer ist. Ich möchte Allen danken, die mein Gejammer ertragen mussten. Meinem Physiotherapeuten, der wohl irgendwas sehr richtig gemacht hat. Melanie, die geduldig auf eine Entscheidung meinerseits gewartet hat. Und meiner Mutter, die jede Phase der Knie-Odyssee mit motivierenden Worten begleitet hat.

(Barb)