Das Plätschern im Kopf

Wir sind jetzt seit über drei Wochen unterwegs. Die Tage scheinen davon zu fliegen. Kaum ist man aufgestanden ist die Tour schon wieder beendet. Die Etappen schmiegen sich eng aneinander und verfließen so zu einem Berg Brei der nur durch sehr merkfähige Ereignisse durchbrochen wird. Besondere Menschen. Gewitter. Gipfel. Steinschlag. Zwischendrin fließt die Zeit auf einem Strom von Geröll, Stein, Gras, Fels, Matsch, Wolken, Blümchen, Markierungen, Kühen.

Es ist gut. Ähnlich wie die Zeit ihren Rhythmus gefunden hat, fließen die Gedanken an den Wandertagen dahin. Es gibt kein Thema, das es zu durchdenken gibt. Es gibt keine Aufgabe, die es zu lösen gilt. Es plätschert im Kopf vermeintlich unstrukturiert dahin. Dabei ist alles flatterhaft. Jeder Gedanke gleicht einem Schmetterling, der kaum einen Halt gefunden, schon wieder die Flügel schlägst und ein nächstes Ziel sucht. Stets unberechenbar und kaum zu fassen.

Wir wandern zwar gemeinsam, doch vergeht auch viel Zeit in der jeder vor sich hin trottet und schweigt. Denkt man auch irgendwann mal ‘nichts’? Oder ist es die dichte Reihung der Gedankenfetzen, die einen vergessen lässt, was zuvor gedacht wurde? Es gelingt mir manche davon später wieder einzufangen. Oder die wirren Ketten zurück zu verfolgen.

Versuch einer Skizze:

Mein Atem. Sonst nichts. Es ist ruhig. Der Nebel verschlingt alles. Dumpf. Eine Kuhglocke. Mehrere. Kleine Kühe oder Große? Muss ich Angst haben? Nein, es sind keine Bären. Wie in Kanada. Damals in Kanada. Überall die Bären. Und der Rücken. Jetzt das Knie. Oder eben nicht. Ist jetzt gut? Wer hätte das gedacht. Alles gut. Irgendwie. Kack Regen. Und diese Wurzeln überall. Schönes Holz aber. Kann man daraus Möbel bauen? Ich bräuchte mal neue Stühle. Ohne Knarzen. Irgendwann brechen die zusammen. Wie das Stockbett. Schlimmer als Schnarchen. Das Knarzen. Wobei es hat noch keiner wirklich geschnarcht. Gut geschlafen. Immer besser. Erhole ich mich? Oder ist das eigentlich wieder Stress? Nein. Adrenalin ja. Aber das gute. Meistens. Außer bei Gewitter. Bleibt die Wolke da oben so grau? Kumulus. Von wo kommt der Wind? Mir ist kalt. Doch die Jacke anziehen? Jetzt juckt schon wieder der Bremsenstich. Finger weg. Naja, auch Natur. Natur. Es ist so schön. Egal wieviel Regen. Oder Wolken. Oder kalt. Draußen ist gut. Kann ich das mitnehmen? Speichern. Wer denkt sich so was aus? Das kann keiner erfinden. Gott. Zufall. Schicksal. Egal. Trotzdem schön. Ich will nicht heim. Bald sind wir da. Was mach ich dann? Egal. Jetzt ist es gut. Und es darf auch mal gut sein. Wie, da hoch? Steil. Wohl doch keine Jacke. Dreizehnhundert Höhenmeter. Wieviel wir wohl schon haben? Oh diese Aussicht. Sind wir allein hier? Ja. Das glaubt einem doch keiner…

 

(Barb)

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