Das Isartal – zwei Tage flach.

Uns war klar, dass diese ersten Tage nicht leicht werden würden. Wir hatte es als Herausforderung an unsere Geduld gesehen, zwei Tage lang komplett in der Ebene zu gehen. Allerdings waren wir beide sehr überrascht, dass das flache Isartal sich nicht nur als mentale Hürde darstellen würde.

Ein eigenes Banner.

Nun aber der Reihe nach. Wir hatten einen großartigen Start in München. Bereits um 7.45 trafen wir auf andere München-Venedig Geher, die ähnlich ‘Regelkonform’ am Münchner Marienplatz starten wollten. Dazu gesellten sich noch einige gute Freunde die uns mit Energie-Keksen und eigens angefertigtem Riesenbanner eine gute Reise wünschen wollten.

Durch die City.

Es ist sehr befremdlich mit der UBahn zum Marienplatz zu fahren, um dann quer durch die Stadt, an der Isar entlang und fast an der eigenen Haustüre vorbei, stadtauswärts zu laufen. Sonntag morgen ist die Stadt noch leer und frisch, nur einige überfüllte Mülleimer und Bierflaschen erinnern an den Christopher Street Day der Nacht zuvor. Es geht vorbei am Gärtnerplatz, über die Corneliusbrücke runter auf den Isarradweg.

Andere Dimensionen.

Diese Strecke kennen wir auswendig – jetzt aber sind wir überrascht, wie langsam wir sind. Obwohl es noch früh am Morgen ist, kündigen sich die angesagten Tageshöchsttemperaturen von 34Grad an. Links und rechts werden wir von Bikern überholt. Normalerweise düsen wir hier mit den Mountainbikes über die Isartrails und sind mal schnell beim Brückenwirt auf ein Bier. Zu Fuß aber bekommen Entfernungen eine völlig andere Dimension. Bis zum besagten Biergarten brauchen wir jetzt statt einer Stunde fast vier.

Ein zweites Farewell.

Diese erste Strecke wurden wir noch begleitet von zwei ehemaligen Arbeitskollegen von Melli. Marie und Thomas, die uns diese erste Etappe unterhaltsam gemacht haben, verabschieden sich aber beim Brückenwirt. Von nun an geht es zu zweit weiter. Inzwischen brennt die Sonne gnadenlos und wir trotten schweigend nebeneinander her.

So ist das jetzt für die nächsten Wochen. Haben wir uns das gut überlegt? Gewöhnt man sich irgendwann an die 10 kg auf dem Rücken? In der Ruhe schleichen sich wirre Gedanken ein. Die Hitze macht uns mürbe und selbst aggressive Bremsen lassen uns nicht schneller laufen. Kurz werden wir aus dem Trott gerissen als ein nackter Mann (ja, ganz nackt!) aufm Radl vorbei kommt und extra für die Kamera noch ne Runde dreht. Melli klagt über Rücken. Ich spüre meine Schultern. Die ersten Blasen. Müde Füße. Und jetzt noch ein Gewitter am Brückenfischer. Aber wir wollen nicht jammern. Nicht schon am ersten Tag?!

Wolfratshausen.

Der Gasthof Humplbräu soll bitte kein Zeichen sein. Eine nette Unterkunft mitten in der Stadt. Gut besucht von Wanderern, vielleicht aber auch nur, weil sie im Tourenführer empfohlen wird. Wir sind müde. Gerade so schaffen wir es noch was essen zu gehen, unsere Blasen zu pflegen und Muskeln zu strecken. Das Ende vom Tatort bekommt keiner mehr mit.

Der Tag danach.

Die Muskeln haben sich über Nacht ganz gut erholt. Zwar ist heftiges Gewitter mit Graupelschauern angesagt, doch ist es beim Aufbruch in Wolfratshausen trocken und angenehm kühl im Vergleich zum Vortag. Auf den Rat eines Einheimischen hin (wir haben schon vermutet, dass es Grassler -der Erfinder dieser Tour- selbst war) haben wir das erste Wegstück an der Isar übersprungen (O-Ton: das ist nix da, das wollten wir schon lang mal ändern lassen im Buch) und sind so einem Radweg folgend meditativ und unkompliziert nach Geretsried gewandert.

Die Welt ist klein.

Plötzlich werden wir mitten auf der Straße angehupt. Unser guter Freund Stephan, mit dem wir ohnehin abends zum essen verabredet sind, macht für ein kurzes ‘Hallo’ einen U-Turn und riskiert damit noch später zur Arbeit zu kommen.

Von Hunden und Katzen.

Jetzt setzt doch der Regen ein. Wir sind inzwischen im Wald, eigentlich sehr malerisch und ursprünglich. Immer wieder müssen wir staunen, wie schön es denn ist. Man fragt sich, warum man trotz der Nähe zu München noch nie hier war. Der Weg schlängelt sich über dicht bewachsene Wiesen, an kleinen Bachläufen entlang und steile Abbrüche hinunter über Holzstufen. Bis dahin war – trotz Regen – alles noch ganz entspannt. Die kommenden 10 km entlang einer kleinen Landstraße und ungeschützt auf weiter Flur aber konnten wir uns weder mit Motivations-Müsliriegeln noch mit iPhone-Ghetto-Blaster schön diskutieren. Irgendwann war alles nass – zumindest bei Melli. An dieser Stelle möchten wir empfehlen, auch ins Gebirge stets einen Regenschirm bei sich zu führen. Zwar kann man nicht mit Stöcken gehen, aber man umgeht die Frage, ob das Gore-Tex wirklich dicht hält. In Mellis Fall können wir das eindeutig verneinen.

Der letzte Joker.

Christoph, danke! Melli hat jetzt eine neue Gore-Tex Jacke und andere Schuhe. Und einen Regenschirm. Das ist der Ehegatten-Bonus. Hannibal hatte ja auch sein Support Team dabei. So haben wir noch einen wunderbaren Abend mit Stephan und Christoph beim Essen in Bad Tölz. Stephan, als ‘Local’ und München-Venedig Spezialist, hat uns vor der typischen Touristenfalle bewahrt und mit nützlichen Tips für die nächsten Tage versorgt.

(Barb)