Das Inntal

Nach der langen Etappe über die Birkkarspitze ist das Hallerangerhaus unser Ziel. Nachdem wir hier zwei Nächte verbringen, verabschieden wir hier unsere kleine Wandergruppe [Kameraden auf Zeit] und freuen uns auf einen Ruhetag. Das Wetter ist schlecht vorhergesagt und wir nutzen gerne die Zeit zum schreiben, kucken und plaudern.

DIE JUGEND VON HEUTE

Am späten Nachmittag setzt heftiger Regen ein und immer mehr sehr durchnässte Wanderer suchen in der Hütte Unterschlupf. Auffällig viele Junge Leute, die scheinbar wenig auf die Verhältnisse vorbereitet sind. Düftige Ausrüstung, wenig Bergerfahrung und Empörung über angeblich zu hohe Preise auf der Hütte. Offensichtlich aber mit ausreichend Finanzen für Gras. Wir finden auch leider kein gutes Gespräch und begnügen uns mit Hüttenwirt Thomas Schnaps zu trinken.

DURCHSCHREITUNG DES KARWENDEL

Das schlechte Wetter hält bis zum nächsten Morgen. Mit Gelassenheit legen wir die Gore-Tex-Vollmontur an und machen uns auf den Weg. Nur eine Stunde in das Lafatscherjoch und danach satte 1600 hm hinunter ins Inntal. Der Nebel verweigert uns jede Aussicht auf die umliegenden Gipfel. Der Weg hinab ins Tal zeigt sich aber überraschend abwechslungsreich und unterhaltsam. Die Knie spielen mit und passend zur Mittagszeit erreichen wir St. Magdalena. Die kleine Kirche mit angeschlossenem Gasthof empfängt uns heute mit dem Magdalenafest. Es gibt einen Gottesdienst, landestypische Gerichte und die dazu passende Blaskapelle. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis nach Hall in Tirol. Die Sonne löst den Nebel auf und je weiter wir ins Tal kommen, desto wärmer wird es. Der kleine Steig durch den Wald lässt immer wieder die Sicht auf mächtige Felswände zu. Und plötzlich öffnet sich der Blick auf das Inntal. Ein erhebender Moment. Gesäumt von zwei riesigen Gesteinsflanken, sieht man weit unten die ersten Häuser von Hall im Sonnenlicht reflektieren. Wir haben hiermit das Karwendelgebirge – und somit unseren ersten gossen Gebirgszug – durchschritten.

ÜBERNACHT IM WIENERWALD

Man empfiehlt in Bruckmanns Wanderführer die Übernachtung im Gasthof Badl in Hall in Tirol. Nachdem wir die wirklich putzige Altstadt dieses historischen Döfchens durchwandert haben – gestärkt von Cappuchino und Eis – finden wir zwischen Autobahn und Bahngleisen besagten Gasthof. Im ersten Moment erinnert ein überdimensionierter Eingangs-Torbogen in Grün-Gelb an den weitverbreiteten Hühnchenbrater Wienerwald. Auch wenn uns die Hüttenromantik der letzten Tage fehlt, sind wir kindlich begeistert von echten Frottee-Handtüchern, Waschservice und frisch bezogenen Betten. (Barb)

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