Cremen. Schmieren. Polstern.

Schon Wochen bevor wir losfuhren, machten wir uns Gedanken zum Thema Sitzfleisch. Bereits nach einer Eintagestour tat uns der Hintern weh und wir fragten uns ernsthaft, wie das ganze sechs Tage am Stück funktionieren soll. Alle reden von Gewöhnung. Radln, Radln, Radln und irgendwann hat man keine Schmerzen mehr. Bleibt nur die Frage: stirbt da was ab? Oder wächst da was hin?

Gut gepolstert, ist halb gewonnen

Dem Wohlbefinden des Allerwertesten wird große Bedeutung beigemessen – was natürlich auch die Industrie für sich entdeckt hat. Wir kennen sie alle: Radlerhosen. Windelartig und hauteng versprechen Sie uns Dämpfung und Sitzkomfort. Im Sportgeschäft Frage ich nach der Hose mit der größtmöglichen Polsterung. Ich probiere zwei an. Ein fachmännischer Blick des Verkäufers auf meinen entstellten Hintern – die Löffler, eindeutig, wirft keine Falten, hat Gelkissen und speziell geschweißte Nähte. Super. Der Spaß kostet mich 129,- Euro.

Unten ohne Tralala

Ein weiterer Mythos, dem ich auf den Grund gehen möchte: immer ohne Unterhose in die Radlhose. Hmm. Was sollen die Mädchen denn davon halten?! Und was ist mit der Hygiene? Fühlt sich das nicht komisch an? Den Testlauf absolvieren wir bereits auf einer Trainingstour. Kaum hat man den befremdlichen Moment des Hose hoch ziehens überwunden, sitzt alles kompakt und bequem. Auf dem Radl gibt es keine blöden Falten und rubbelnde Nähte. Macht offensichtlich Sinn. Nur braucht man so ein paar Radlhosen mehr.

Gesäßcreme oder das Ende jeder Romantik

Wir hören von Melkfett, Vaseline, Apothekerware und mysteriösem Zeug, das sich die Profis zentimeterdick in die Hose spachteln. Wenn wir ehrlich sind: hier geht es nicht mehr um den Hintern. Der wird vielleicht durch ein Polster vor zu viel Druck geschützt. Die Gesäßcreme schützt – übrigens Geschlechter unabhängig – vor Wundwerden im Intimbereich. Hurra, schön ausgedrückt. Hier sind die Vorlieben unterschiedlich. Mellis Mann schwört auf Melkfett. Kerstin, von ALPS glaubt an Xenofit. Unser Guide Martin braucht – angeblich – garnix. Nachdem ich die Gesäßcreme von Sixtus ausprobiert habe (Hilfeeee, riecht durch alle Klamotten durch nach Menthol und hat einen unangenehmen Kühleffekt) bin ich ganz glücklich mit dem Linola Schutzbalsam. Der ist garnicht speziell für Radler. Auf der Packung lese ich “Atmungsaktiver Schutz-Balsam wirkt dem Wundwerden durch Schweißstau, hautreizendem Urin, wie auch durch Scheuern entgegen.” Naja, die Radlhose hat ja auch was von einer Windel… Mein Tipp: tagsüber diese Salbe und abends nach dem Duschen eine Bepanthen Wund- und Heilsalbe.

Wir hatten wirklich Respekt vor dem Thema. Um aber ganz ehrlich zu sein, es klappt super. Ein Problem weniger. Wir sind heute den dritten Tag gefahren und das “wieder auf den Sattel steigen” war noch kein einziges Mal ein wirkliches Thema. Wir sind wohl gut vorbereitet. Vielleicht aber auch durch so viele andere Dinge abgelenkt: fabelhafte Aussicht, Atemnot bei der nächsten Rampe, perfekte Trailabfahrten, Starkregen im Gegenwind, Wellnessbereiche oder Frühstückbuffets.

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