Bike&Hike

Die letzten Traingstouren haben gezeigt, dass durchaus noch Potential besteht, Kondition aufzubauen. Wenn man aber eigentlich vom Bergsteigen kommt, wird man leicht wehmütig jedes Wochenende ‘nur’ auf dem Bike zu verbringen. Um genau dieses Dilemma zu vermeiden war die heutige Trainingstour ein lohnendes Experiment: Bike and Hike.

Bilanz des Tages: 1875 Höhenmeter. 3410 Kilokalorien. 25 Kilometer. 10 Stunden.

Treten und Stapfen

Bike&Hike ist was ganz wunderbares. Mit dem Radl spart man mühsame Strecken auf langweiligen Wegen und besonders der Rückweg wird herrlich abgekürzt. Hat man Forstwege hinter sich gelassen, lässt man das Radl einfach stehen und beginnt die eigentliche Wanderung. Insgesamt schafft man viel mehr Wegstrecke und Höhenmeter. Durch die unterschiedliche Belastung freut man sich regelrecht auf die jeweils andere Bewegung. Was neu ist, ist die Ausrüstung. Fahrradhelm oder Kletterhelm? Trikot oder Merino? Polsterhose oder Unterbux? Aber das ist alles lösbar und kommt wohl ganz auf die Tour an. Ich entscheide mit für einen gewagten Schichtlook, Polster unter Wanderhose mit Wechselbux und Kletterhelm. Stöcke nicht vergessen. Und Fahrradschloss!

Der frühe Vogel

Pünktlich um vier klingelt der Wecker. Mei, als Frühaufsteher macht das ohnehin kaum mehr einen Unterschied. Es dämmert schon draußen. Wir haben viel vor heute. Die Autobahn ist leer. Elmau ist in einer guten Stunde erreicht. Es ist frisch draußen, einige Wolken hängen noch tief zwischen den Baumwipfeln.

Der Weg zu den Schachenhäusern dauert gewöhnlich 3,5 Stunden. Zu Fuß. Mit dem Bike sparen wir uns mühsame Stunden auf diesem langweiligen Forstweg, der in mäßiger Steigung kurvig am Kaltenbach entlang bis zur Wettersteinalm führt. Hier spätestens wachen wir endgültig auf. Aus feiner, fester Fahrstrasse wird hackeliger steiniger Wurzelweg. Der uns immer wieder vom Rad zwingt und uns ungnädig einige Serpentinen und Höhenmeter begleitet. Zwei Stunden später sind wir da. Die Übernachtungsgäste sind gerade beim einpacken als wir die Hütte erreichen. Die Radl haben wir kurz vorher hinter drei Latschen versteckt und abgeschlossen. Sollte klargehen.

Historische Puffbude

Kaffee. Kuchen. Klamotten wechseln. Und weiter. Eigentlich ist der Schachen ein lohnendes Ausflugsziel. Besonders zu empfehlen für Ausflüge mit den Eltern oder ausländischen Gästen. König Ludwig II hat hier ein ‘Jagdschloss’ gebaut, dass man eher als Puffbude bezeichnen könnte. Wasserpfeifen, Plüsch, Puschel, Pomp und Orientteppiche – wer weiß was er da so alles getrieben hat. Dazu gibt es noch einen Alpengarten, Unterkunftshäuser und eine Aussichtskanzel. Dafür haben wir heute aber keine Zeit.

Moral mit Knick

Zur Meilerhütte ist es eigentlich nicht weit. Der Weg wird angenehm abwechslungsreich. Wir sehen Kreuzeck, Alpspitze, Zugspitze und natürlich Garmisch im Tal. Wir kommen vorbei an tiefen Felseinschnitten, schroffen Kanten, grünen Almflächen und einer Schafherde. Kurze Zeit später erkennen wir aus der Entfernung die Meilerhütte imposant in der Scharte kleben.

Von hier aus sehen wir auf die andere Seite. Das Leutascher Platt ist noch voll Schnee und Tiefe dunkle Wolken türmen sich auf. Ein kalter Wind empfängt uns. Kurz leidet die Moral. Wäre ein warmer Tee in der Hütte nicht doch die bessere Idee?! Wir vertagen die finale Entscheidung und ‘schauen mal ums Eck’. Also doch.

Schutt. Fels. Metall.

Der Weg auf die Partenkirchner Dreitorspitze führt erstmal wieder einige Höhenmeter auf einem Versicherten Steig herab. Dann über lange Schuttreissen und Schotterfelder. Bis der Gipfel sichtbar wird und auch der Klettersteig der hinaufführen soll. Inzwischen sind meine Kraftreserven ziemlich aufgebraucht. Sind wir doch schon 1700 Höhenmeter unterwegs. Das drohende schlechte Wetter macht es nicht besser. Jeder Schritt ist mühsam. Das Herzerl hämmert und das Mädchen schnauft. Jeder Schritt muss sitzen. Tut er auch. Irgendwann erreichen wir den Gipfel.

Ein bisschen zittrig aber überglücklich freuen wir uns über kleine Lücken in der Wolkenfront. Wir erahnen bekannte Gipfel ringsum, gönnen uns aber nur eine kurze Pause. Im Klettersteig vor Blitz und Donner fliehen war noch nie eine gute Idee.

Belohnung mit Federweg

Runter geht es superschnell. Zurück zur Meilerhütte, runter zum Schachen. Und das Highlight steht noch bevor. Während andere Wanderer mühsame drei Stunden ins Tal wackeln müssen, brausen wir den Forstweg hinab. Dafür hat sich jedes Gestrampel am Morgen gelohnt. In einer guten halben Stunde sind wir wieder am Parkplatz.

Die Tour in Kürze: Partenkirchner Dreitorspitze
Elmau – Schachen mit dem Bike: 2 Stunden.
Schachen – Meilerhütte zu Fuß: 1,5 Stunden.
Meilerhütte – Partenkirchner Dreitorspitze zu Fuß (Hände inklusive): 1,5 Stunden.
Zurück zur Meilerhütte: 1 Stunde.
Zum Schachen: 1 Stunde.
Nach Elmau: 40 min
Anspruchsvolle alpine Tour. Vor dem Gipfel ein leichter Klettersteig der absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordert. Helm wichtig wegen akuter Steinschlaggefahr. Super um Kondition aufzubauen und bergsteigerische Skills zu verbessern. Biken für die Kndition, weniger für Technik und Fahrspass.

Wenn ihr mehr über die Dreitorspitze erfahren wollt, schaut mal beim Bergzeit Magazin vorbei. Dort haben sie die Tour genauer unter die Lupe genommen und beschreiben Aufstieg, Hütten und Besonderheiten. Wie immer findet ihr hier auch interessante Tipps zu Ausrüstung und Tourenplanung.

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