Sölden: eine Bike Republik im Aufbruch

Sölden. Für mich originär Inbegriff für Wintersport: Berglandschaft mit Liftanlagen, blonde Skilehrer in roten Skianzügen (sofort drängt sich mir das Bild von Hansi Hinterseer auf), Ap­rès-Ski mit Anton aus Tirol. Kurzum: nur bedingt meine Welt. Umso mehr waren wir gespannt, als uns der Tourismusverband Ötztal diesen Sommer zum Mountainbiken einlud.

007 im Gourmet Restaurant

Unsere erste Station im Ötztal befindet sich auf genau 3.048 Metern. Wer den James Bond Film “Spectre” aus dem Jahr 2015 gesehen hat, kennt es bereits: das Ice Q direkt neben dem Gaislachkogel. Eigentlich ein Gourmet Restaurant, diente das Gebäude als futuristische Klinik in welcher 007 auf seinen Gegenspieler traf. Im Film wirkt das Anwesen weitaus größer. Hier wurde im Londoner Filmstudio per Green Screen etwas nachgeholfen, erklärt uns Carmen Fender, Head of Marketing & Communication des Ötztal Tourismus. Dennoch, das moderne Design beeindruckt und fügt sich überraschend gut in die Tiroler Berglandschaft ein.

Marathon und Riesenschnitzel

Doch nun zur schönsten Nebensache der Welt, dem Biken. Unter gewissen Radlfahrern ist das Ötztal eigentlich kein Geheimtipp mehr. So gibt es bereits seit 1982 den Ötztaler Radmarathon mit einer Länge von 238 Kilometern und 5.500 Höhenmeter für den versierten Rennradfahrer. Und seit 2008 die Singletrail Schnitzeljagd, bei welcher Mountainbiker Checkpoints auf Almen und verschiedenste Stempelstellen auf den Trails rund um Sölden aufspüren müssen. Der Gewinner erhält einen Wanderpokal in Form eines goldenen Riesenschnitzels – Humor haben sie, die Ötztaler!

Die Bike Republic Sölden

Was hat es nun mit der Radl Republik auf sich? Sölden soll nicht mehr nur für Wintersport und Après-Ski wahrgenommen werden. “Wer weiss, ob wir in 20 Jahren noch überhaupt eine Wintersaison haben”, so Dominik Linser vom Ötztaler Tourismus Verband. Vielmehr hat die Region die herausfordernde Vision einen sozial und ökologisch nachhaltigen als auch einzigartigen Spielplatz für Biker zu schaffen. Eine Republik, bestehend aus angelegten Lines, in welchen Flow als auch Nervenkitzel gegeben sind, naturbelassenen Singletrails, die sich nahtlos in die Umgebung einfügen und einem abwechslungsreichen Streckennetz für Touren Biker.

Kein klassischer Bikepark

Eines scheint klar: Das Ötztal möchte kein klassischer downhillorientierter Bikepark werden. Es werden vielmehr geshapte Abfahrten mit natürlichen Singletrails über die bestehende Bergbahn Infrastruktur verbunden. Alle Stecken sind über die zentral gelegene Seilbahn des Gaislachkogels zu erreichen. Diese bringt seine Insassen in nur sechs Minuten zur Mittelstation auf 2.174 Meter. Wurde die erste Line, die Teäre Abfahrt, noch mit vornehmlich großen Baggern gebaut, setzt man bei den neuen Strecken hauptsächlich auf Handarbeit und kleines Baugerät. Man möchte im Rahmen der eigenen Möglichkeiten nachhaltig bauen. Die MTB Strecken sollen sich natürlich in die Landschaft schmiegen und nicht als Fremdkörper, wie es die meisten Downhillstrecken tun, wahrgenommen werden. Sölden zieht hier den Rat von Trailbau Profis aus dem Ausland heran. Was für Whistler in Kanada funktioniert, kann auch in Sölden nicht so schlecht sein. Man möchte sich damit von anderen benachbarten Regionen wie Saalbach oder Leogang unterscheiden.

Trails mit Ötztaler Charakter

Wir fahren mit der Gaislachkogelbahn bis zur Mittelstation. Von hier starten alle angelegten Abfahrten wie auch viele der Trails beziehungsweise deren Zubringer. Uns fallen sogleich die klangvollen Namen auf: Teäre, Eebme, Nene Trail. Es handelt sich hier jedoch nicht um eine norwegische Namesgebung, wie wir zunächst vermuteten, sondern um den hiesigen Ötztaler Dialekt, welcher Pate für alle Lines stand. Die Namen repräsentieren dabei stets den Charakter des jeweiligen Trails. Teäre bedeutet eigenwillig und stur, so auch der Trail mit seinen 130 Kehren auf sechs Kilometern. Oder die Nene Line, was Großvater bedeutet, ein verblockter Abschnitt, auf welchem bereits der Opa zu Fuß unterwegs war. Eine charmante Idee, welche die tiefe Verbundenheit der Ötztaler mit ihrer Heimat widerspiegelt.

Unser Fazit

Ist die Region bereits perfekt auf Wintersport eingestellt, ist sie biketechnisch noch im Aufbau. Allerdings merkt man, dass hier Profis am Werk sind. Die Art und Weise, wie Sölden sich zur Bikeregion entwickeln will, hat uns überzeugt und begeistert. Doch stellen wir fest, dass vieles noch im Entstehen ist: neue Lines sind in Arbeit, die aktuelle Trailmap hat noch Verbesserungsbedarf, nur wenige Hotels haben sich bereits auf die Bedürfnisse von Bikern eingestellt. Uns fehlte ein zentraler Biker Szenetreff, sei es Café oder Bar, wie man ihn aus anderen Regionen kennt. Die Sonnenterasse des Hotels Bäckelar Wirt gibt aber bereits sein Bestes und so trifft man sich dort entspannt nach einem erfolgreichem Biketag. Für MTB Anfänger gibt es in Sölden aktuell noch wenig Auswahl oder Übungsstrecken. Gute Fahrer erwartet jedoch ein sehr abwechslungsreiches Angebot: Flowtrails (Teäre & Eebme Line), Jumpline (Zaahe Line) bis hin zu verblockten Singletrails lassen das Biker Herz höher schlagen. Wir sind gespannt was sich weiter in der Region tuen wird. Sölden hat uns bestimmt noch nicht zum letzten Mal gesehen.

Sölden für Biker in Kürze:

  • Lage: Auf einer Höhe von 1.368 Metern im südlichen Teil des Ötztals in Tirol
  • Bike Republic Sölden: Mehr erfahren
  • Unterkunft: Bäckelar Wirt, direkt neben der Talstation der Gaislachkogelbahn. Gegenüber der hoteleigene Pumptrack. Übrigens der größte Tirols.
  • Bergbahnen: Vorteile und Rabatte gibt es mit der Ötztal Card. Wer bei einer Premium Partner-Unterkunft übernachtet, erhält die Ötztal Premium Card. Die Karte ermöglicht täglich eine kostenfreie Berg- und Talfahrt. Weitere Vorteile sind z.B. ein einmaliger Standard Bike Verleih, Eintritt in die Area 47 oder die freie Nutzung des öffentlichen Busverkehrs. Mehr erfahren
  • Bikepark und Trails: Trail Map Sölden
  • Tour Guiding: Freeride-Center
  • Bikeshop und -verleih: Mehr erfahren
  • Einkehr unterwegs: Almwirtschaft Gampe Thaya, Goldeggalm (Bratkartoffelhütte)
  • Wenn’s mal kein Biken sein soll: Besuch des Restaurants ice Q (3.048 Meter), Therme Aqua Dome in Längenfeld

 


Wir wurden vom Ötztal Tourismus Verband für diesen Aufenthalt eingeladen.