Bad Gastein, my love. But what to do?

Als ich das erste Mal nach Bad Gastein gekommen bin war ich auf der Stelle hingerissen. Seitdem sind mehr als acht Jahre vergangen und ich war unzählige Male hier. Zu zweit, allein, mit den Mädels, im Sommer, im Winter, zum Bersteigen, Skifahren oder Wellnessen. Bis jetzt ist es noch nicht langweilig geworden, ganz im Gegenteil, es gibt noch eine lange Liste von Dingen, die noch gemacht werden müssen.

Was mich besonders anzieht sind die Gegensätze. Dinge, die sich vermeintlich ausschließen und die doch den ganz besonderen Reiz ausmachen. Eine bewegte Vergangenheit und eine junge Szene im Aufbruch. Wilde Berglandschaften und heilende Thermalquellen. Alpenländische Zünftigkeit und prunkvolle Zuckerbäckerbauten. Gelebtes Design und bodenständige Lässigkeit. Ich bin verzückt und fasziniert, ja, ein bisschen verliebt bin ich in diesen kleinen verrückten Ort.

Die vielen Gegensätze zeugen von einer großen Vielfalt. Daher habe ich hier meine ganz persönliche Top 10 der Must-dos, Must-sees und Must-feels zusammen gestellt. Für alle Gastein Neulinge und Wiederkommer.

1. Wasserfallweg

Wie der Name schon sagt, es geht hier um Wasser. Durch Bad Gastein donnert ein riesiger Wasserfall, mitten vorbei an maroden Palästen, hinunter bis es beim Kraftwerk unmittelbar zum stehen kommt. Die gesamte Fallhöhe von 341 Metern wird begleitet von einem angelegten Weg, über Gitter, Stufen und Brücken. Man hat Aussicht, Tiefblick, ist umgeben von feinsten ionisierten Wassertropfen, die ungezähmt ihren Weg durch die Luft suchen. Unten beim Kraftwerk hat ein neues Cafe eröffnet. Gleichzeitig ist hier der Quellpark, mit 1200 Litern pro Minute und ca. 46°C die ergiebigste und eine der heißesten Thermalquellen Gasteins. Der Wasserfall ist in seiner ganzen Pracht zu sehen, daneben die imposante Fassade des Grad Hotel d’Europe und hoch oben fliegen die verrückten “Flying Waters” einmal über die Schlucht.

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2. Grad Hotel d’Europe

Das Casino hat leider vor kurzem erst geschlossen. Die Lizenz wurde nach Zell am See verkauft. Und doch lohnt sich ein Besuch des historischen Gebäudes. Hier wurde schon zu Kaisers Zeiten logiert, Liza Minelly ist hier aufgetreten. Jetzt ist hier im Untergeschoss eine Bar, das Ginger&Gin, viele Wohnungen sind vermietet, angeblich kann man sie sogar kaufen. Und doch empfängt einen der stumme Zeitzeuge stilgerecht. Die Empfangshalle mit Schnörkelstühlen, Samttapeten und Marmorboden. Wer Wes Andersons “Grad Budapest Hotel” gesehen hat, stellt sofort Parallelen her. Und doch ist das alte Grand Hotel das perfekte Beispiel für das, was mit der Architektur Bad Gasteins passiert. Einst herrschaftliche Bauten sind dem Wandel der Zeit – und somit dem Verfall – überlassen.

Casino Bad Gastein

3. Bergwelt: Lieblingstour für Ambitionierte

Es gibt so viele spannende Gipfel rund um Bad Gastein. Sie erreichen mit der Ankogelgruppe eine Höhe von 3262 Metern und zeigen sich sehr abwechslungsreich. Von gletscherbedeckten Gipfelaufbauten bis hin zu grasigen Hügeln und moorigen Hochebenen – die Landschaft ist fantastisch.

Meine persönliche Lieblingstour habe ich diesen Sommer erst entdeckt. Mit der Gondel auf den Graukogel. Für die erste Aussicht in einer halben Stunde hoch zum Hüttenkogel. Von hier aus in luftiger Kraxelei über den Graukogel. Auf der anderen Seite geht es runter in die Palfner Scharte. Kurzer Abstecher zum Palfner See. Zurück an der Scharte geht es nun auf der anderes Seite des Berges hinter bis zum Reedsee. Ganz anders als der karge Palfnersee liegt dieser umringt von Kiefern am Fuße des mächtigen Ankogelmassivs. In eine rügten Stunde steilen Zickzack durch den Wald erreicht man von hier aus das Kötschachtal und in einer weiteren Stunde Bad Gastein. Insgesamt muss man für die Runde mit Ca. 6 Stunden rechnen. Ich mag besonders: anspruchsvoll, abwechslungsreich, aussichtsreich – und die beiden Seen sind der Knaller!
Reedsee

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4. Bergwelt: Lieblingstour für Langschläfer

Wer es eher gemütlich mag (oder ausnüchtern muss) dem empfehle ich einen langen Spaziergang im Nassfeld. Diese idyllische Hochebene erstreckt sich von Sportgastein einige Kilometer in den Talschluss. Man ist rings umgeben von mächtigen Bergen, man hat Blick auf Schareck, Kreuzkogel und Geiselspitze. Man läuft auf gut ausgebauten, flachen Schotterwegen vorbei an zahlreichen fast schon kitschigen Almen, und quert immer wieder den sich lieblich schlängelnden Bachlauf. Kühe grasen, auch Pferde, Gänse und Murmeltiere sind immer wieder zu sehen.
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5. Ein Drink im Haus Hirt

Wer es stilvoll mag, besucht das Haus Hirt. Hier kann man nicht nur vorzüglich Speisen und ausgezeichnet schlafen – es gibt auch eine wunderbare Bar. Diese glänzt nicht nur durch eine gute Auswahl an besten Spirituosen. Das urbane Flair vor Bergkulisse wird besonders durch weltmännisch und gleichsam herzliche Barkeeper geprägt. Hier kann man einen Aperetiv vor dem essen haben oder sich die ganze Nacht gediegen betrinken. Besonderer Tip für Alleinreisende: einfach direkt (auf sehr bequeme Ledersessel) an die Bar setzen – ein Plausch mit dem Barmann geht immer.

HAUS HIRT

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6. Après Ski im Silverbullet

Ich bin sonst alles andere als auf Après Ski aus. Aber ich muss zugeben, ich hatte schon echt lustige Abende im Silverbullet. Komplett in schwedischer Hand bestellt man hier auf englisch. Die Einrichtung ist eher rustikal amerikanisch, ein Kanu hängt von der Decke. Ab und zu spielen Bands und die Musik ist so schlecht, dass sie richtig Tanzbar wird. Man kann hier im Winter einfach einen lustigen Abend haben – nur nicht zu viel nachdenken.

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7. Sommer. Frische. Kunst.

In Bad Gastein tummelt sich seit einigen Jahren eine rege Kunstszene. Nicht zuletzt durch das Sommer. Frische. Kunst. Festival und der Verbandelung Friedrich Lichtensteins (wir kennen ihn aus der EDEKA Werbung) mit dem Ort. Besonders diese Mischung aus heimeliger Bergkulisse und Urbaner Kunstszene macht für mich den Reiz aus.

8. ‘Ankommen’ im Hotel Miramonte

Das Miramonte ist mein Ort. Selten habe ich ein Hotel erlebt das so viel Stil hat und gleichzeitig so unprätentiös daher kommt. Eine gekonnte Kombination aus 60er Jahre Architektur und zeitgenössischen Design. Herzliches aber tiefenentspanntes Personal, ein kleines SPA und eine herrliche Sonnenterrasse. Ganz besonders mag ich es nachmittags in der Bar zu sitzen und bei Chilloutbossanova in den vielen Zeitschriften und Designbüchern zu blättern. Dazu ein guter Kaffee und ein Stück hausgemachter Kuchen.

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HOTEL MIRAMONTE

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9. Übernacht auf der Gamskarkogelhütte

Ein ganz besonderes Erlebnis: eine Übernachtung auf Europas höchstem Grasberg. Die ursprüngliche Hütte auf 2.467 Metern bietet ein 360 Grad Pamorama, jede Menge interessante Geschichten und einen herzlichen Hüttenwirt. Aber Obacht: keine Duschen, kein warmes Wasser und kein Strom.
Gamskarkogelhütte

10. Kino im Hotel Regina

Das Regina ist neben dem Miramonte und dem Haus Hirt eines von drei aufstrebenden Design Hotels in Bad Gastein. Neben ganz zauberhaften Prinzessinnenbetten hat es auch ein winziges, historisches Kino im Haus. Auf Anfrage werden hier Privatvorstellungen mit alten Klassikern gegeben. Die knarzigen Klappstühle und der verstaubte Vorhang machen den ganz besonderen Charme aus!

DAS REGINA