Die richtige Skitouren Ausrüstung

Lieberdraussen Skitouren Ausrüstung

Bereits als kleiner Stöpsel waren wir auf der Skipiste unterwegs. Es folgten zahlreiche Skikurse und -camps mit dem örtlichen Verein, Skilager im Allgäu mit der Schule, der jährliche Urlaub mit den Eltern in den Österreicher Bergen. Seitdem wir in München wohnen, ging es in der Wintersaison mehr oder weniger regelmäßig am Wochenende auf die Skipiste. Doch so langsam merken wir: der Skizirkus ist uns mittlerweile zu voll, zu laut, zu überlaufen. Eine Alternative in der Natur, freies Gelände fernab von Liften und Trubel – das wäre fein. Die Idee war geboren: Wir gehen auf Skitour!

Aller Anfang ist Ausrüstungsintensiv?

Wir merken zugleich: Skitourengehen ist ein vergleichsweise ausrüstungsintensiver Bergsport. Am Anfang muss jedoch nicht alles sofort neu angeschafft werden. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten erstmal Geld zu sparen. Wer bereits Bergsteigen geht oder Alpinski fährt, besitzt bereits einiges, was für das Skitourengehen wieder einsetzt werden kann. Auch über den Deutschen Alpenverein (DAV) kann ein großer Teil der Ausrüstung erstmal ausgeliehen werden. Und nicht zuletzt: der bergaffine Freundeskreis hat bestimmt das ein oder andere Teil, welches für die ersten Bergtouren ausgeliehen werden kann.

Die richtige Skitouren Ausrüstung

Tourenski:
Jeder Skitourengeher steht erstmal vor der gleichen Frage: Ist einem der Aufstieg oder die Abfahrt wichtiger? Erstere greifen zu einem möglichst leichten und vergleichsweise schmalen Modell, bei welchem jedoch Abstriche bei den Fahreigenschaften bergab in Kauf genommen werden müssen. Letztere wählen einen breiteren und schwereren, dafür aber auch stabileren Ski. Bergauf gewinnt man damit zwar keinen Blumentopf, bergab sind diese aber über jeden Zweifel erhaben. Für all jene, die sich nicht entscheiden können, bietet sich ein “Allrounder“ beziehungsweise „Allmountain-Ski“ an, welcher ein guter Kompromiss zwischen beiden Welten ist.

Tourenbindung:
Eine Skitourenbindung unterscheidet sich fundamental von einer klassischen Alpinbindung: die Ferse ist nicht fixiert und kann angehoben werden. Sie erlaubt damit Schrittbewegungen, ähnlich wie beim Langlaufski. Wird es sehr steil, lässt sich zusätzlich eine Steighilfe hochklappen. Geht es bergab, wird die Bindung verriegelt und verhält sich dann wie eine klassische Alpinski-Bindung. Generell gibt es zwei verschiedene Systeme auf dem Markt: auf das Minimum reduzierte und damit sehr leichte Bindungen (z.B. von Dynafit) und sogenannte Rahmenbindungen mit komfortablen Einstieg (z.B. von Fritschi). Die sehr leichte Tourenbindung ist die Wahl für alle Skitourengeher, welche Touren mit vielen Höhenmetern angehen wollen. Dagegen ist die Rahmenbindung besonders geeignet Skitouren Neulinge und Variantenfahrer mit nur kurzen Anstiegen von der Gipfelstation.

Steigfelle:
Diese bestehen meist aus einem Mix aus Mohair und Nylon. Beim Aufstiegt hakt man sie an die Spitze des Skis und klebt sie auf den Skibelag. Der Flor des Felles ist in eine Richtung angeordnet, so dass die Härchen bei der Vorwärtsbewegung anliegen. Dadurch gleitet der Ski. Entgegengesetzt stellen sich die Härchen auf, wodurch der Ski nicht zurückrutschen kann. Die Felle werden von der Länge wie auch Taillierung zum jeweiligen Ski individuell zugeschnitten. Hochwertige Felle nehmen wenig Feuchtigkeit auf und trocknen schnell.

Tourenskischuhe:
Sie sind das A & O beim Skitourengehen und sollten perfekt passen. Tourenskischuhe sind etwas weicher und vor allem leichter im Vergleich zum klassischen Alpinskischuh. Auch verfügt er über eine richtige Profilsohle, ähnlich einem Bergschuh, damit auf schneefreien Passagen, die ohne Ski begangen werden müssen, viel Grip und damit ein sicherer Halt gewährleistet sind. Der Stiefel sollte „nah am Fuß“ sitzen, damit eine optimale Kraftübertragung und Stabilität gewährleistet sind.

Skistöcke:
Um nicht im Tiefschnee zu versinken, sind Tourenstöcke verstellbar und haben größere Teller als die herkömmliche Ski Variante. Wanderstöcke, welche man bereits vom Bergsteigen besitzt, können mit größeren Schneetellern unkompliziert „Skitourentauglich“ gemacht werden. Diese sind zum Beispiel bei Modellen von Black Diamond oder Leki nachrüstbar.

Harscheisen:
Überall dort, wo Aufstiege per Ski nicht mehr möglich sind, bietet das Harscheisen eine Extraportion Sicherheit. Das Steigeisen für die Ski ermöglicht Touren bei harten, steilen und eisigen Verhältnissen.

Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS):
Gehört für jeden Wintersportler abseits der Piste zur Standard-Notfallausrüstung und wird immer am Körper und unter der äußeren Bekleidungsschicht getragen. Mit dem kleinen Sende- und Empfangsgerät läßt sich ein Verschütteter unter den Schneemassen orten. Es dient nicht nur zum eigenen Schutz, sondern ermöglicht auch, anderen zu helfen. Man sollte die Suche draußen im Schnee immer wieder üben, damit im Ernstfall ein routinierter Ablauf gewährleistet werden kann.

Lawinenschaufel:
Ohne LVS keine Ortung, ohne Schaufel keine Rettung. Eine Lawinenschaufel gehört daher in jeden Tourenrucksack.

Lawinensonde:
Nur mit einer Sonde können Verschüttete in größerer Tiefe punktgenau geortet werden. Für eine schnelle, effiziente Ortung ist damit eine Lawinensonde unerläßlich.Diese ist meist 240 cm lang und besteht aus leichtem Alu.

(Lawinen) Rucksack:
Wie bei der klassischen Bergtour, reichen für Tagestouren 20 bis 30 Liter Modelle. Der Rucksack sollte eng am Rücken anliegen, um die Bewegung beim Skifahren nicht zu stören. Ein sogenannter Lawinenrucksack ist eine sinnvolle, ergänzende Sicherheitsausrüstung. Dieses System soll eine Verschüttung möglichst verhindern und vergrößert damit die Überlebenschance, nachdem man von einer Lawine erfasst wurde. Es gibt eine große Auswahl an verschiedenen Lawinenairbagsystemen, beispielsweise von ABS, Ortovox oder Mammut.

Bekleidung:
Das Motto auf Skitour: Atmungsaktives Zwiebelprinzip! Auf Unterwäsche aus Merino oder funktioneller Kunstfaser, folgt ein Midlayer und eine äußere Wetterschutzschicht. Wichtig ist, dass jede Schicht den Feuchtigkeitstransport von innen nach
außen unterstützt. Eine spezielle Tourenhose ist eine sinnvolle Investition: Diese muss vor allem bequem, gut zu belüften für den Aufstieg und ausreichend warm für die Abfahrt sein. Ein Schneefang und /oder eine Gummierung am Beinabschluss sorgen dafür, dass kein Schnee in den Skistiefel kommt. Für die Gipfelrast hat man optimalerweise noch eine leichte Dauen- oder Primaloft Jacke dabei.

Was sonst noch mit sollte:
Verpflegung, Erste-Hilfe-Set, Wechselwäsche, (Ersatz-)Handschuhe, Sonnencreme, Ski – oder Sonnenbrille. Skihelme sind auf Skitouren noch nicht so verbreitet wie auf den Pisten. Sie können jedoch schwere Kopfverletzungen bei Stürzen verhindern und sind aus diesem Grund absolut empfehlenswert. Weitere Ausrüstungsgegenstände für die fortgeschrittenen Skitourengeher sind Steigeisen und Pickel.

Ausrüstung: Check! Und jetzt?

Für uns geht es mit dem DAV erstmal in die Allgäuer Alpen zum Grundkurs Skibergsteigen. In vier Tagen lernen wir alles rund ums Gehen auf Steigfellen, Tourenplanung und Routenwahl, wie auch Lawinenkunde und Verschüttetensuche. Wir werden berichten.