ALPS: Frauen radln eben anders

In knapp einer Woche geht’s für lieberdraussen wieder über die Alpen. Wir haben ganz bewusst eine geführte Tour gewählt und auch den Anbieter wohl überlegt. Die Firma ALPS wird von zwei Frauen geführt und hat inzwischen über 25 Jahre Erfahrung im Mountainbike-Business. Wir konnten Anke und Kerstin vorab treffen und plaudern über Geschäftsideen, Männerdomänen und Frauenpower.

Von Honeymoon zu Alpencross

Anke und Kerstin lernen sich vor über dreißig Jahren beim Studium kennen. Bei einer anschließenden Weltreise werden Zukunftspläne und Geschäftsideen diskutiert. Reiseveranstalter müsste man sein. Wer ist noch nicht auf die Idee gekommen – Arbeit und Freizeit einfach verbinden?! Auch wenn die Südsee die beiden zu Honeymoonreisen inspiriert, finden sie schließlich mehr Gefallen an der amerikanischen Mountainbike Szene.

Zurück in München ist der Plan komplett: Firma gründen. VW Bus kaufen. Flugblätter verteilen. Anfänglich werden Tagestouren von München aus angeboten. Für Neunundvierzig Mark, Fahrrad inklusive. Dazu kommt ein kleines Toskana Programm und ein eigenes Reisebüro für die Vermittlung von Mountainbikereisen weltweit. Heute ist ALPS ein Tourenanbieter für Mountainbike- und Trekkingreisen, mit Schwerpunkt Alpenüberquerungen. Die zwei Starken Frauen arbeiten mit einem kleinen Team im gemütlichen Büro mitten in München.

Alpencross, aber anders

Die erste Alpenüberquerung machen Anke und Kerstin 1996. Für Anke ein einschneidendes Erlebnis. Damals noch klassisch mit schwerem Rucksack und Hüttenübernachtungen. Noch dazu gab es damals noch keine richtig einfachen Touren. Anke spricht von wochenlangem Training, Sorgen und Selbstzweifeln. Ich fühle mich sehr an mein Training jetzt erinnert. Aber auch Anke kommt am Gardasee an. Sie ist völlig begeistert, entkräftet, emotional und kann kaum die nächste Alpenüberquerung erwarten – nur eben anders.

So entstand die Idee, mit ALPS etwas komplett neues anzubieten. Mit der TRANSALP 1 starten sie im Jahr 2000 ihr erstes rundum sorglos Paket. Kleine Gruppen. Schönes Hotels. Gepäcktransport. Unter 1200 Höhenmeter am Tag. Entspannt machbar ohne ewiges Training oder lange Orga. Inzwischen ist das Portfolio von ALPS auf zahlreiche Touren angewachsen in vier Leistungsstufen. Verschiedenste Routen führen über die Alpen und laufend werden neue Strecken recherchiert und ausgearbeitet. Hut ab!

Mit der Gruppe übern Berg

Es sind aber nicht alleine die schönen Hotels und der Gepäcktransport, die eine geführte Tour mit ALPS ausmachen. “Die Gruppe hilft einem übern Berg” lacht Kerstin, im wahrsten Sinne. Wo man alleine oder zu zweit längst aufgeben würde, sind die anderen Mitradler Motivation und Antrieb. Wenn an einem Regentag erstmal alle die Duschhauben überziehen wird viel gelacht aber sicher nicht aufgegeben, so Anke.

Das Wetter ist auch so eine Sache. Klar wünschen auch wir uns Sonnenschein und beste Aussichten. Auf die Frage aber, welche der über 60 Alpenüberquerungen Kerstin am meisten in Erinnerung geblieben sind, meint sie die, mit den extremsten Bedingungen. Wenn man an seine Grenzen kommt, sich überwindet und unvorhergesehene Dinge passieren, dann fängt es an, sich ins Gedächtnis einzugraben. Begeistert erzählt Anke von schier unüberwindbaren Schneefeldern, außerplanmäßigen Gondelfahrten, Starkregen und eigentümlichen Einheimischen – das sind die Geschichten die eine Tour erst zum Abenteuer machen.

Rosa Overall und Lockenmähne

25 Jahre Mountainbiken. Eine beachtliche Zeit. Der Sport muss wohl jung halten. Die Leidenschaft der beiden ist ungebrochen. Wir Lachen viel und plaudern über die Gründerjahre. Sowohl das Mountainbiken hat sich verändert, als auch die Technik, die Mode und das Publikum. Anke und Kerstin haben sich vor 25 Jahren in einer totalen Männerdomäne etabliert. Mountainbiken war damals noch oft von leistungsgetriebenen, technikvernarrten Männern geprägt. So hat die Geschäftsidee der Damen offene Türen eingerannt und sie schnell zum Liebling der Presse werden lassen. Sie zeigen mir Zeitungsausschnitte aus den vergangen Jahren. Ich sehe rosa Radl-Overalls und drei junge Mädchen mit wallenden blonden Locken auf leicht vergilbtem 90er-Jahre Zeitungsraster. Herrlich, der Anleser: “Drei attraktive junge Frauen radeln beschwingt und offenherzig durch die unverbrauchte Natur.” So war das eben damals.

Mountainbiken ist schicker geworden. Über die Jahre hat sich bei der Technik viel getan, aber auch  die Mode und die Wahrnehmung des Sports hat sich grundlegend verändert. Was früher durch größere Kraftanstrengung oder Unannehmlichkeiten ausgeglichen wurde, ist heute optimal gedämpft, gepackt, geschmiert, verstaut, gestylt. Das Rad ist Statussymbol und die Transalp der Traum von vielen Hobbybikern. Ein machbarer Traum. Auch dank Tourenanbietern wie ALPS.

Die Mädchen mit den Zauberrädern

Ich frage Anke und Kerstin, wie das optimale Mountainbike für sie aussehen müsste. Die Antwort überrascht. Es geht nicht um den größten Federweg, das leichteste Carbon oder die neuesten Rahmenmodelle. Nein, das Wunschradl sollte sich möglichst selbst reinigen, selbst reparieren und selbst ins Auto einladen. Frauen radln eben anders. Wir lachen und stimmen überein, dass wir uns eben weniger mit der Technik auseinander setzen. Viel mehr aber mit der Radl Mode. Und auch da hat sich glücklicherweise in den letzten 25 Jahren viel getan.

Am Ende unseres Gesprächs bekomme ich noch guten Zuspruch und ein paar nützliche Tipps für die Tour. Ich bin aufgeregt und freue mich auf mein ganz persönliches Abenteuer.

Wir sind sehr froh, dass wir unsere erste Mountainbike Alpenüberquerung mit einem professionellen Team machen. Wahrscheinlich sind wir genug mit uns selbst beschäftigt als auch noch auf Karten gucken zu können. Wenn ihr auch mit dem Gedanken spielt, schaut euch auf der Website um. Ein buntes Tourenprogramm und allerlei Nützliches rund um das Thema Transalp findet ihr auf der Website.

Alps Website

Tourenprogramm

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