Alpine Gefahren im Allgemeinen und im Speziellen.

Man unterscheidet im Gebirge zwischen objektiven und subjektiven Gefahren. Zu den Objektiven gehört alles, was als Gefahr von außen zu werten ist. Gewitter, Regen, Kälte, Steinschlag, Muren, Schnee, Gletscherspalten, im Winter Lawinen. Zu den subjektiven Gefahren zählt alles, was ich selbst zu verantworten habe. Mangelnde Vorbereitung, Kondition, Erfahrung oder Ausrüstung, Selbstüberschätzung, Leichtsinn und eben andere Wanderer. So die Theorie. Wir hatten bisher mit einigen dieser Alpinen Gefahren zu tun und haben sie mehr oder weniger gut überwunden. In der Praxis haben wir für uns ganz persönlich eine Liste der ‘worst case’ Erfahrungen gesammelt.

 

GEWITTER: dazu gibt es einen einschlägigen Bericht. Auch nach dieser Erfahrung, verliert ein Gewitter nicht an Schrecken. Ganz im Gegenteil. WAS HILFT: Wachsam sein. Umplanen. Pausen einlegen.

STEINSCHLAG: Der Wanderführer bemerkte noch, man möge achtsam sein, was den Steinschlag angeht. Weit vor uns eine langsame Gruppe, sich offensichtlich der Gefahr nicht bewusst. Wir passieren das erste von zwei Schneefelder , machen noch auf die Gefahrenstelle aufmerksam. Auf dem Schnee liegt allerlei Geröll, das von früheren Abgängen zeugt. Die Gruppe weiterhin im Schneckentempo. Wir haben sie in kurzer Zeit erreicht, als es plötzlich von oben gewaltig zu donnern beginnt. Der Fels kommt runter. Direkt hinter uns. Faustgroße Geschosse, nur aus dem Augenwinkel zu erkennen. Alles geht furchtbar schnell. Ungeahnte Energiereserven werden frei. Wir beginnen zu rennen. Über den restlichen Schnee, über Blockwerk und wilde Latschenkiefern. Rauf. Hauptsache weg. Ein Blick nach hinten, gehts Melli gut? Jemand verletzt? Kommt noch mehr? Endlich außer Reichweite. Der Spuk ist vorbei. Nichts ist passiert. Wir sind außer Atem.

Die Gefahr von Steinschlag lässt sich auf manchen Touren nicht vermeiden. Man ist nunmal im Gebirge unterwegs und manche Etappen führen an möglich gefährdeten Stellen vorbei. WAS HILFT: Ohren spitzen. Helm tragen. Bei Steinschlag an den Berg lehnen, Gesicht zur Wand, Hände über den Kopf. Generell, solche Passagen zügig durchschreiten. Im Zweifelsfall rennen – in die richtige Richtung. Und: andere Wanderer beobachten und ggf. ausweichen.

DER EIGENE KÖRPER: Generell kann jeder wandern gehen. Voraussetzung ist allein ein allgemeiner guter Gesundheitszustand und ein bisschen Kondition. Es ist das perfekte Ausdauertraining mit nicht allzu hoher Herzfrequenz. Soviel zur Theorie, in der Praxis gibts aber leider ein paar Haken, v.a. wenn man nicht gewohnt ist täglich einen 12 kg Rucksack den Berg hoch und runter zu tragen. Da schmerzt der Rücken, die Schultern, die Knie und Achillessehnen mal ganz schnell. Wenn man Pech hat, muss man die Tour abrechen. Ich (Melli) hatte Glück und alle Zipperlein sind nun im Griff – dennoch werde ich mich das nächste Mal vorbereiten, ein bisschen ‘Körper- Sicherheitspuffer’ kann nicht schaden. WAS HILFT: Ist man länger unterwegs, z.B. sechs Wochen am Stück mit schwerem Gepäck, lohnt sich etwas Investition in den eigenen Körper: Fitnesscenter, Radeln, Klettern oder einfach längere Bergtouren (mal mit vollem Rucksack) bereiten den Körper auf die Dauerbelastung vor.

AUSRÜSTUNG: Am Berg sieht man alles. Vom traditionsbewussten Puristen in Knickerbocker und Wollsocken, über junge Mädchen in Hotpants im Versicherten Steig bis hin zum over-equipeden Nordlicht im Voralpenland. Wenn man sich wohl fühlt und damit umgehen kann, soll ja jeder so rumlaufen, wie er gerne mag. Nur wenn die eigene Ausrüstung zum Problem für einen selbst (oder gar andere) wird, ist Achtsamkeit geboten. Auf dieser Tour erlebt oder gesehen: schwere Rucksäcke, die auf einen völlig aus dem Gleichgewicht bringen. Blutig gelaufene Füße, weil die Schuhe nicht passen. Undichte Regenjacken, die zu schnelles Auskühlen verursachen. Regenponschos, über die man stolpern muss. Verlorene Sohlen, zerrissene Hosen. WAS HILFT: Ausrüstungscheck. Gesunder Menschenverstand.

NEBEL: Anhaltend schlechtes Wetter wäre nicht das Problem. Es gibt ja die passende Kleidung. Oftmals aber ist die Orientierung bei dichtem Nebel sehr schwierig. Wir haben kein GPS dabei, nur den Wanderführer und die jeweiligen Detailkarten. Theoretisch ist das ausreichend. Sehr oft aber sind die einzelnen Markierungen weiter voneinander entfernt, als die Sicht es zulässt. WAS HILFT: Sich anfreunden mit anderen Wanderern, die ein GPS haben. Warten bis der Nebel vorbei ist. Oder querfeldein und hoffen, dass es richtig ist.

KÜHE: Offiziell nicht als alpine Gefahr gelistet – nach kürzlicher Mediendebatte sind wir jedoch vorsichtiger geworden. Auf unserer Wanderung begegnen sie uns tagtäglich, manchmal hinter Gattern oder Elektrozaun, meistens aber mitten auf dem Pfad als unausweichliches Hindernis. Kühe. Auch wenn diese Tiere handzahm wirken (und auch meistens sind), sollte man zumindest um Kälber / Jungtiere mit Mutterkuh einen Bogen machen, um nicht als Bedrohung wahrgenommen zu werden. WAS HILFT: Umweg machen oder selbstbewusst zügig voranschreiten. Manchmal aber auch einfach streicheln und Foto machen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

acht + acht =