Aller Anfang ist schwer

Ich habe ja immer ausgeschlossen je mit Klickpedalen zu fahren. Beim Mountainbike schien mir das völlig absurd. Wenn ich technisch fahren soll, dann bitte brauche ich freie Füße. Vor versammelter Mannschaft nen Abgang machen – nein Danke. Nun bringt das Rennrad so manche Hürde mit sich. So auch diese. Offensichtlich muss ich mich stellen.

Das einzig Wahre

Die Meinungen sind sich einig: zwischen Standart-Pedalen und Klickpedalen sollen Welten der Effizienz liegen. Durch die feste Verbindung von Schuh zu Pedal erweitert man die Kraftwirkung des Pedaltritts. Es geht nicht mehr nur um die Bewegung von oben nach unten, sondern ringsherum. Also drücken und ziehen. Immer schön abwechselnd. 

Macht schon Sinn 

Andere Rennradfahrer sprechend davon, dass es das einzig wahre System ist. Wenn man sich daran gewöhnt, will man nichts anderes mehr. Es geht wohl nicht nur um Fahreffizienz, sondern auch um Komfort und Kontrolle. Hat man die Pedale einmal richtig eingestellt, bleibt die Fahrposition, also Knie und Bein und Fußgelenk, an genau der richtigen Stelle. Gleichzeitig wird lästiges Abrutschen von den Pedalen verhindert. Das wiederum dient absolut der Sicherheit.

Also gut. Offensichtlich muss das jetzt sein. Ich lese mich ein. Es gibt verschiedene Systeme und Hersteller, Komponenten, Ersatzteile und Schwierigkeitsgrade. Passend zu den Pedalen braucht es „Cleats“. Das sind die Platten, die an den Schuhen befestigt werden um sie in den Pedalen zu verankern. Dann gibt es noch verschiedene Gewinde und einen furchtbar harten Schuh. Wir wollen ja auch Rennradfahren und nicht Mountainbike – es ist also eher unwahrscheinlich, dass ich das Rad länger tragen muss. Immerhin.

Das erste Mal

Pedale montiert. Cleats an die Schuhe gebaut. Schuhe angezogen. Uff. Die erste runde hinterm Haus. Klick, der rechte Fuss ist drin. Schon mal losrollen. Klick, der zweite Fuss. Erstmal üben. Rein. Raus. Rein. Raus. Joaaa geht doch. Es braucht aber ganz schön viel Kraft. Ich muss bewusst und kraftvoll den Fuss nach außen drehen, dann gehts. Also weiter im Kreis. Jetzt mal absteigen üben. Bremsen. Langsamer werden. Auskli…..wahhhh zu spät. Ich merke, wie sich mein Schwerpunkt nach links versetzt. Der Fuss ist noch im Pedal. Ich weiss genau was jetzt passieren wird. Und doch will ich es nicht glauben. Im Zeitlupentempo falle ich einfach um. 

Gut. Einmal musste das ja mindestens passieren. Die erste Runde, na gut. Also gleich weiter fahren. Ich genieße die ersten Kilometer auf dem Rad. Es ist so leicht und unbeschwert. Meine Füße verschmelzen mit den Pedalen. Ich fühle die Kraftumsetzung. Liebe Pedale, wir müssen einfach Freunde werden.

Krampf im Kopf

Nunja, es wird eine Freundschaft mit Hindernissen. Aber für eine gute Freundschaft muss man manchmal auch Schmerzen in Kauf nehmen. Der erste Crash soll nicht der letzte bleiben. Zweimal, dreimal, naja vielleicht sogar viermal fliege ich vom Rad. Meist wenn es unübersichtliche Verkehrssituationen gibt, ich schnell absteigen muss oder einfach überhaupt nicht bei der Sache bin. Es gibt blaue Flecken und ein bisschen Blut. Aber wie der Opa gesagt hätte: Tölpelfleisch muss weg.

Oder ich bin einfach unbegabt. Zwischendrin bin ich richtig verkrampft. Bei dem Gedanken an meine Füße überkommt mich Panik. Mitten in der Fahrt klicke ich aus. Macht natürlich keinen Sinn. Aber ich fühle mich eingeengt. Innerorts lasse ich prinzipiell einen Fuss draussen. Irgendwann werde ich besser werden. Ich bin zuversichtlich. Und in der Zwischenzeit habe ich immer Pflaster dabei.