Abenteuer Spartan Race

Schwer liegt sie in der Hand, die Spartan Race Finisher Medaille. Was für verrückte zwei Stunden liegen hinter uns. Zum vierten Mal fand der berühmt berüchtigte Hindernislauf im Münchner Olympiapark statt. Für uns hieß es Bretterwände überqueren, Traktorreifen wuchten, Speere werfen und den Olympiasee durchqueren. Angestrengte, aber vor Lachen strahlende Gesichter um mich herum. Das Spartan Race ist geschafft!

Da waren es nur noch vier

Ich weiß gar nicht mehr genau, wer auf die Idee aufkam. Aber im Oktober 2016 klatschten rund elf Arbeitskollegen begeistert in die Hände: Wir nehmen beim Spartan Race in München teil! Schnell wurde eine Slack Gruppe erstellt und enthusiastisch Trainingsprogramme, animierte Spartaner Gifs und hunderte von Emojis geteilt. Sogar eine Boulder-Trainingsgruppe hat sich daraus entwickelt. Doch mit voranschreitender Zeit, wurde es in der Gruppe verdächtig leiser. Die ersten Zweifel dämpften die anfängliche Begeisterung. Bin ich überhaupt fit genug, könnte es im April nicht sogar noch schneien und wer ist denn überhaupt noch dabei? Der Slack Channel kam zum Erliegen und rund vier Wochen vor dem großen Ereignis war die Spartaner Gruppe auf einen harten Kern von sechs Personen geschrumpft. Schwere Erkältungen (ich lag eine Woche krank im Bett), kaputte Schultern und sich ändernde Prioritäten kurz vor dem großen Event beutelten die Truppe. Bis einen Tag vorab war nicht klar, ob überhaupt jemand mitläuft. Am Ende waren es dennoch vier mutige Spartaner, welche sich der Herausforderung Hindernislauf stellten: Georg, Josip, Katrin und ich.

Vorbereitung? Fehlanzeige

Ob ich fit war? Nicht wirklich. Die Nase lief, der Kopf war immer noch wie in Watte gepackt, es gab kaum Vorbereitung außer die regulären CrossFit Stunden. Etwas anders hatte ich mir das schon vorgestellt. Dennoch war die Motivation so groß, dass eine Absage nicht in Frage kam. Und fünf Kilometer mit ein paar Hindernissen sollten doch in einer Stunde zu schaffen sein! Das wir am Ende doppelt so lang brauchen würden, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Aroo! Es wird ernst.

Die Sonne scheint, die Temperatur liegt bei angenehmen 16 Grad. Es hätte uns wettertechnisch im April kaum besser treffen können. An der Registrierung treffe ich meine mutigen Mitstreiter. Gut gelaunt befestigen wir den Zeitnehmungschip an unseren Schuhen und streifen das berühmt berüchtigte schwarze Stirnband mit unserer Startnummer über. So ausgerüstet geht es Richtung Start. Aroo, Arroo!, der Schlachtruf der Spartaner, schallt über die Lautsprecher. Um 15 Uhr geht es für uns los, generell wird in Wellen alle 15 Minuten gestartet. Wir müssen noch etwas warten bis wir über die erste Holzwand in den Startbereich klettern dürfen. Katrin flucht bereits bei diesem Hindernis – was das wohl noch werden wird? Wir sind aufgeregt, der Adrenalinspiegel steigt. Ein Moderator heizt uns unter lauter Musik mit Squats und Burpees ein. Die Stimmung ist ausgelassen. Dann der Startschuss.

ALPHA-308-6642

Die Menschengruppe setzt sich langsam in Bewegung. Gleich der erste Anstieg hat es in sich. Es geht steil bergauf auf den Olympiaberg. Ich werde etwas ruhiger, das Laufen fällt leichter als gedacht. Auf dem Gipfel dann gleich die erste Überraschung: Jeder Teilnehmer muss sich eine neunstellige Zahlenkombination – diese ist individuell und richtet sich nach den letzten beiden Ziffern der eigenen Teilnehmernummer – merken. Unter Keuchen versuche ich überhaupt erstmal die Aufgabenstellung zu verstehen. ALPHA-308-6642! Einem Mantra gleich sage ich die Nummer immer wieder innerlich auf. Wir laufen weiter, überqueren und rollen uns unter Holzwänden hindurch, tragen Baumstämme durch einen Parcours. Ein großer Spielplatz mitten im kleinen Wäldchen. Von hier oben haben wir einen grandiosen Blick auf den Olympiapark und unterhalten uns über anstehende Urlaube, Familienbesuche und Radl Zubehör. Wie war noch mal meine Nummer? ALPHA-308-6642. ALPHA-308-6642. ALPHA-308-6642….

Luft! Wenn der Atem wegbleibt.

Und da kommt das gefürchtete Hindernis. Wir müssen den Olympiasee durchqueren. Ja, in voller Montur. Im Nachgang erfahren wir, dass dieser nur zwölf Grad hat. Zögerlich strecke ich meine Füße ins kalte Nass – auweia! Und rein. Mein Atmen stockt – es zieht sich alles zusammen, ich ringe nach Luft. Sch… ist das kalt! Das Gesicht verzieht sich zur Grimasse. Ich fange an zu schwimmen. Nur schnell raus hier, schießt es durch meinen Kopf. Auch um mich herum schmerzverzehrte stöhnende Gesichter, insbesondere die Mädls leiden. Das Ende naht, eine Strömung treibt mich ab. Hastig greife ich nach dem Seil und ziehe mich energisch am Ufer aus dem Wasser. Die Gruppe teilt begeistert High Fives aus. Auf was habe ich mich da nur eingelassen?

Kein Spartaner wird zurückgelassen!

Wir setzen uns wieder gemeinsam in Bewegung – noch sind die Füße ganz taub vom kalten Wasser. Speere werfen und Entlang hangeln an luftigen Griffen und Stangen sind nicht die Disziplin der Gruppe. Die ersten Straf-Burppes, 30 pro nicht geschafften Hindernis, folgen. Und es geht schon wieder ins Wasser. Über schwankende Plastikbojen geht es ab ins kalte Nass. Wir prusten und ziehen uns energisch auf die nächste Boje hoch. Ich rutsche immer wieder ab und kralle mich verbissen in das Plastik. Die letzten Meter wird nur noch Richtung Ufer gerobbt. Elegant ist anders! Die nächsten Hindernisse – Schwebebalken, Traktorreifen wuchten, Netze überqueren – sind einfach zu bewältigen, aber es bedarf auch immer wieder Teamwork. Hier wird kein Spartaner zurückgelassen! Kaum sind wir getrocknet, geht es wieder ab ins Wasser. Das Ganze hat System und wird uns während des Rennes noch weitere Male schmerzhaft heimholen wird. Die Zähne klappern. ALPHA-308-6642. ALPHA-308-6642. ALPHA-308-6642….

Wann sind wir denn endlich da?

Wie lange sind wir eigentlich schon unterwegs? Müssten wir nicht endlich mal ankommen? Die Mädchen beschweren sich über die kalten nassen Klamotten, die Motivation hoch zu halten fällt schwer. Doch wir beißen die Zähne zusammen. Auf einem staubigen Feld heißt es nochmal Steinkugeln tragen, Gewichte hinter sich herziehen, Bouldern an Kletterwänden. Macht fast schon wieder Spaß! Dann wieder eiskaltes Wasser mit Robe Climbing. Ein kurzer Versuch und ich entschied mich gleich die 30 Burpees zu absolvieren. Es war keine Kraft mehr in den Armen. Langsam kommt das Olympiastadion in Sicht. Mit Sandsäcken ausgestattet geht es die Treppen hoch und runter und hoch und runter… Wir klettern nochmal über gespannte Seile auf die obere Tribüne. Heben mit vollem Körpereinsatz Gewichte. Endlich dürfen wir unsere Nummer aufsagen. Mit ALPHA-308-6642 entkomme ich den Straf-Burpees. Wir wissen, dass das Ende naht (hoffentlich nicht unseres!). Die letzten Hindernisse überwinden wir dank Räuberleitern und Motivationssprüchen. Wir wollen nur noch ankommen. Und dann vor uns das Ziel. Gemeinsam springen wir über das Feuerhindernis. Uns wird die Finisher Medaille umgehängt. Ein breites Grinsen auf allen Gesichtern.
Überglücklich fallen wir uns in die Arme. Was für ein überragendes Gefühl!

Fazit

Ausdauer, Kraft, Geschicklichkeit und eine gewisse Portion Mut sind erforderlich. Und ja, auch ein bisschen Verrücktheit braucht man, um beim Spartan Race mitzumachen. Meine größte Sorge galt dem kalten Wasser, was sich auch als berechtigt herausgestellt hat. Doch man wird stetig angefeuert, was in einem ungeahnte Kräfte freisetzt. Man läuft nie alleine und auch nicht gegen die Uhr. Man ist nur so schnell und stark wie das Team, denn einige Hindernisse kann man nur gemeinsam überqueren. Wir haben uns gegenseitig gefordert, die eigenen Grenzen überwunden und waren uns gegenseitig eine Hilfe. An dieser Stelle, vielen Dank an die „Spider Pigs“, den grandiosen Teamgeist, die vielen lieben Mithelfer und Aufpasser! Wir waren bei weitem nicht die Schnellsten, aber wir haben das Race gerockt!