5. Etappe: unerwartete Aussichten und epische Abfahrten

Oft weiß man Dinge erst zu schätzen, wenn man nicht damit gerechnet hat. So setzen wir uns am Morgen dieser fünften Etappe auf dem Weg zum Comer See eher widerwillig auf das Bike. Draußen hat es tief hängende Nebelschwaden bei gefühlten null Grad. Keine Sicht nach nirgendwo. Schlotternd steigen wir in Livigno auf die Bikes und rechnen mit 1100 Höhenmetern ohne Sicht und wenig Spaß. Doch dann kam alles ganz anders…

Ein paar wenige Kilometer nach Livigno bricht plötzlich die Sonne durch den Nebel. Wie in einer Traumwelt werden nach und nach Gipfelkuppen und Bergkämme sichtbar. Immer weiter hoch auf die Forcola di Livigno, an einem Plätschernden Bach entlang, während um uns herum eine zauberhafte Bergwelt zum Vorschein kommt. In sanften Wellen schrauben wir uns über schottrige Pfade, begleitet von jungen Kühen und ständigen Fotostopps.

Bereits von Weitem sehen wir das Ziel dieses ersten Wegabschnitts. Die Forcola die Livigno wird aber nur über einige richtig steile Serpentinen erreicht. Einige Tapfere aus der Gruppe pedalieren bis sie fast vom Rad fallen. Nur Ralf schafft die Distanz ganz ohne Schieben. Oben angekommen geht es gleich weiter.

Screenshot für später

Unser Guide Martin hat am Vorabend im Hotel eine wertvolle Empfehlung von anderen ALPS Guides bekommen. Anstatt auf Asphalt die Straße zum Bernina Pass zuerst runter und dann wieder rauf zu strampeln, erwartet uns ein ganz außergewöhnlich toller Trail. Dieser kürzt eigentlich ab. Oder nimmt den direkten Weg. Eine gute Stunde schieben, pedalieren und tragen wir die Bikes, teils parallel zum Hang und dann doch einige Höhenmeter nach oben. Unten ganz klein erkennen wir die Fahrstrasse, die eigentlich unser Ziel gewesen wäre. Die Kulisse ist atemberaubend. Wir möchten die Bilder irgendwie in unserem Kopf speichern, einen Screenshot für später machen. Aber auch ein noch so gutes Foto ersetzt nicht diese Momente.

Gletscherwand und Schienenweg

Irgendwann geht es endlich bergab. Herrlich. Wir brausen über Steine und Blöcke, weichen aus, balancieren, lassen laufen, durch den Bach und steil bergab. Immer wieder neue kleine Herausforderungen, die gemeistert werden und uns ein fettes Grinsen aufs Gesicht zaubern. Am Bernina Pass eröffnet sich zwischen tiefen Wolken eine breite Gletscherfront. Nach kurzer Rast geht es flink weiter. Nun hügelig entspannt über schmalen Pfad. Wir fühlen uns wie in einer Miniatur-Eisenbahnwelt: die Rätische Bahn kreuzt unsere Strecke vor surreal perfekter Bergkulisse.

Käseberg und Kuchenglück

Mittags erwartet uns ein gedeckter Tisch im Garten einer Käserei. Große Platten mit den hauseigenen Köstlichkeiten werden aufgetischt. Wir sind hungrig. Fast gierig machen sich alle darüber her. Zum Abschluss noch guten Filterkaffee und selbstgemachten Kuchen. Tja, wo ist jetzt die Liege für das Schläfchen? Meeeep, Fehlanzeige. Mit schmerzhaft vollen Mägen stehen uns noch 2,5 Stunden strammes Radeln bevor. Hätten wir daran mal vor dem Essen gedacht.

Über Waldwege und Schotterstraßen, über Wurzeln und Wiesen, an Bergseen entlang. Vorbei an Pontresina bis ins mondäne St. Moritz. Unser Hotel ist nur noch einen See weiter. In Sils erwartet uns das Hotel Edelweiß, ein gediegenes schweizer 4-Sterne Haus mit Pianomann, Wäscheservice und 5-Gang Abendmenü. Ein rundum wunderbarer Tag, der für so manche fiese Rampe entschädigt.

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