3. Etappe: im Zeichen der Duschhaube

Die Wolken hängen tief zwischen den Bergen, der Himmel ist mausgrau über Nauders. Es fängt an leicht zu regnen, während sich die Gruppe nach und nach vor dem Hotel sammelt. Yeahhh, Motivation! Öhm, nö. Aber gut, für was hat man denn das ganze  Gore Tex?! Heute ist der Tag gekommen, an dem die Hightech Membran mal zeigen kann, was sie so drauf hat.

Garantiert falsch angezogen

Vor uns liegen 980 Höhenmeter auf 51 Kilometer verteilt. Es soll eine etwas entspanntere Etappe werden. So radeln wir zunächst recht entspannt über den Via Claudia Radweg hoch gen Reschenpass. Viel anstrengender als das Radeln an sich, ist dabei das stetige Regenkluft ausziehen – da gefühlte 40 Grad unter der Jacke – und Regenkluft wieder anziehen, da doch nass. Tendenziell hat man eh immer das falsche Outfit gewählt: kaum hat man sich in volle Regenmontur geworfen scheint die Sonne, wagt man es aber nur ein Teil ausziehen, kann man sich sicher sein, dass er Regen sofort wieder einsetzt.

Dafür braucht es also die Duschhauben

Mittlerweile regnet es Hunde, Katzen, Mäuse und was das Tierreich so zu bieten hat. Der Blick auf den vielmals angekündigten Ortler bleibt uns verwehrt. Duschhauben aus dem Hotel kommen zum Einsatz: einmal über den Helm gestülpt, gewinnt man zwar keinen Schönheitswettbewerb, bleibt aber zumindest von oben etwas trocken. Der Rest des Körpers wird wieder in Gore Tex gehüllt. So eingepackt, brausen wir gen Vinschgau. Das Wasser ist dennoch überall: von oben, unten, vorne, innen – irgendwann ist es auch schon egal. Und die Moral ist dahin: so entscheidet sich ein Teil der Gruppe auf direktem Wege unser Mittagsziel Glurns über die Asphaltstrasse anzusteuern.

Nach dem Regen kommt die Traufe…

Der harte Kern – hierbei sei vermerkt, dass vornehmlich die Mädls dazu zählten! – kommt in den Genuss der berühmt berüchtigten Waalwege, schmale Pfade die neben Wassergräben angelegt sind. Ein prima Trail über Brücken, ein paar Wurzeln und Absätze vertreibt uns die Zeit und sogar die Sonne lässt sich zwischendrin blicken. Gut, dass wir dieses Abenteuer mitgenommen haben! Eine kleine amüsante Episode am Rande: Das Vinschgau ist eigentlich eine sehr trockene Gegend – außer wohl heute – und so werden die Obstplantagen im Sommer durchwegs durch Sprenkelanlagen bewässert. Und genau da, geht es nun für die Gruppe durch. Was vorher getrocknet war, ist nun wieder nass. Ja danke schön. Aber das Wasser ist warm, der Trail war genial, alles roger.

Da hilft nur noch der Trockner

Die Gruppe vereint sich also wieder im kleinen Städtchen Glurns. Die Terrasse unseres Mittags Restaurants wird sofort gekapert: Regenjacken werden über Geranien geworfen, nasse Beinlinge über die Brüstung gelegt, durchweichte Handschuhe und Hosen über Stühle drapiert. Unsere Kellnerin hat jedoch Erbarmen, und ein Großteil unsere Sachen dürfen in den Trockner des Hauses. Selten haben sich warme, trockene Socken so gut angefühlt.

Unerwartet Energie

Wir haben Glück. Der Regen ebbt so langsam ab. Es gilt die letzten Höhenmeter “bergauf zu rollen”, wie unser Guide Martin so schön zu sagen pflegt. Schließt sich aus meiner Sicht eigentlich aus: entweder rolle ich runter, oder strample hoch. Also strampeln wir die letzten Kilometer stetig nach oben, die Füße schmatzen in den Schuhen. Noch ein paar letze Rampen und wir sind da. Und aus irgendeinem Grund gibt es noch Energie. Wir fahren nochmal Trail, d.h. 100 Höhenmeter bergauf, dann auf schmalem Singletrail, mit teilweise ordentlichem Tiefblick (wuaaaaa), hinab. Die Mundwinkel gehen nach oben, das MTB Fieber hat einen wieder gepackt.

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